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Arbeitszeiten Handwerk

Bergamr @, Freitag, 20.11.2015, 22:22 (vor 3763 Tagen) @ Isländer

Hallo Isländer,

ich wäre der letzte, der nicht gerne weniger arbeiten würde. <img src=" />

Bei all diesen Überlegungen, die Arbeitszeit zu verkürzen, und das seit den 70er-Jahren, war leider immer das Handwerk das notleidende Opfer.

Es mag durchaus funktionieren, in Industriebetrieben eine Arbeitszeitverkürzung durchzuführen, bei gleichbleibender Produktivität, und (dank McKinsey) auch gleichbleibender Rentabilität, mit allen negativen Auswirkungen auf einzelne, betroffene 'Kollateralschadensopfer'. Wir haben ja hier im Gelben genug 'Industrieller' an Bord, die das aus eigener Anschauung berichten können.

Leider ist dies so im Handwerk nicht möglich. Seit das Thema Arbeitszeitverkürzung in den Spät-70ern zum gesellschaftlichen Bonmot wurde, und seit aufgrund dessen und auch aufgrund der gewerkschaftlichen und berufsgenossenschaftlichen Verschmelzungen dieses Thema das Handwerk zentral berührt und herausgefordert hat, ist zwar eine arbeitszeitliche Regelung in den meisten Handwerkstarifverträgen realisiert, aber der Druck auf sowohl kundenspezifischen Forderungen nach zeitlicher Flexibilität als auch der Kostendruck auf die einzelnen Handwerksbetriebe ist nicht zur Stärkung dieses Bereichs ausgefallen.

Handwerksbetriebe müssen dadurch sowohl im Arbeitszeitmodell als auch im Lohnsektor und zunehmend auch in der Verfügbarkeit (24/7) mit einem für kleinere Betriebe nicht leistbaren Industrievorbild konkurrieren. Dazu kommt eine überbordende Anzahl von zu erfüllenden Vorschriften und Regulationen, die zeitlich eine Halbtageskraft pro 4-Mann-Betrieb locker beschäftigt. Die aber leider nicht beschäftigt werden kann.

Wenn man dann noch die Ausbildungsleistung des Handwerks, die auch ein großer Zeit- und Kostenfaktor darstellt, berücksichtigt, und man dann noch die Zunahme der Anfragen der Schulen nach Praktika in der 8., 9., 10. Klasse dazuzählt, dann noch die Zahl der Studenten, die 3-monatige Praktika für ihr Studium absolvieren sollen - ja,- welcher kleine Betrieb soll denn sowas leisten?

Wenn eine Forderung nach Arbeitszeitverkürzung für das Handwerk umsetzbar wäre, dann nur über Erleichterung in der Besteuerung und in der Wegnahme der blindwütigen Regelwut für alles und jedes. Aber es läuft seit vielen Jahren absolut gegen das Handwerk.

Die Zeiten (50er bis Mitte 70er Jahre), golden für's Handwerk, genug Rendite, um Investitionsrückstellungen zu bilden, sind schon lang vorbei. Eine Investition aus Gewinnen ist fast unmöglich. Verschulden bei der Bank wird auch, mangels 'sicherer Branche', immer schwieriger. Und welcher Handwerksmeister will sowas auch. Wenn der Betrieb nichts hergibt, warum dann 80 Std./Woche?

Das mußte jetzt mal raus. [[sauer]]

''Ehre, Deutsches Volk, und hüte
treulich Deinen Handwerksstand.
Denn als Deutsches Handwerk blühte,
blühte auch das Deutsche Land.''

Nur mal so als Merksatz.

Gruß
Bergamr

--
Ehrlich schade für die Heimat! Endgültig verloren seit Sommer 2015 ...

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