Fachhochschulreife - (k)eine Karriereberatung (mvT)
Hallo Denis,
mvT = mit viel Text
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Es geht um meine Bewerbung an einer Hochschule. Zunächst einmal mein
kurzer Lebenslauf:
Ich bin auf das Gymnasium gegangen bis zur 10. Klasse, habe dort einen
Notenschnitt von 1,7 gehabt und danach eine Lehre zum Mechatroniker bei
einer angesehenen Hamburger Maschinenbaufirma angefangen. Mathematik und
Physik hatte ich stets eine 1.
Nun befinde ich mich im dritten Lehrjahr und lerne diesen Sommer früher
aus. Berufsschulschnitt 1,0 und ich schätze meine Abschlussprüfung wird
sich ebenfalls im Rahmen von 1,0-1,5 bewegen.
Ich bin seit meiner Kindheit technikbegeistert, 8 Jahre Modellbau mit
Schwerpunkt Hochgeschwindigkeitsboote (viel Elektronik) und seit vier
Jahren auch begeisterter Programmierer und Elektronikbastler. Dann habe
ich mich vor drei Jahren parallel zu der Ausbildung mit einem Partner
zusammen selbstständig gemacht. Das floriert prächtig, ich habe viel
Elektronik entwickelt und erfolgreich vermarktet.
Während meiner Schullaufbahn und meiner Ausbildung habe ich mich viel an
Wettbewerben etc. beteiligt und des öffteren den ersten Platz belegt.
Ich möchte nicht arrogant wirken, aber m.M. nach sind meine
Grundvorraussetzungen für ein Informations- und Elektrotechnik Studium
perfekt. Ich kenne einige Studenten die im 6. Semester weniger
Fachkenntnisse und vor allem Praxiskenntnisse der Elektrotechnik besitzen
als ich.Nun würde ich gerne in diesem Winter anfangen an der HAW in Hamburg
Informations- und Elektrotechnik zu studieren. ABER ich besitze kein
Abitur. (...)
Seht ihr irgend eine Möglichkeit für mich, dieses Jahr noch zu dem
Eignungstest zugelassen zu werden oder noch besser zu einem direkten
Studienplatz? Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben irgendwie gegen
diesen Bürokratiewahnsinn zu gewinnen![]()
ich will Dein Problem einmal so zusammenfassen: Du hattest in/nach der 10. Klasse - trotz aller leistungs- und interessemäßigen Möglichkeiten - auf die Schule "keinen Bock" mehr und hast Dich für eine Lehre entschieden. Jetzt bist Du (wieder) motiviert und merkst - der Appettit kommt beim Essen - das es da wohl "mehr" gibt...
Gut. Oder auch nicht... Warum bist Du denn in der 10. Klasse vom Gynmasium gegangen, um eine Lehre anzufangen? Du hattest doch auch in der 10. Klasse bereits das "sichtbare Potential" für mehr als "nur" eine Lehre - wobei ich damit ausdrücklich nichts gegen eine Lehre gesagt haben will! -, aber jetzt fühlst Du Dich "nur" mit einer Lehre offensichtlich unterfordert...
Zum Verständnis, weil Dir das vielleicht noch nicht so ganz bewußt ist, aber Du es vielleicht schon ahnst: Das (Fach-) Abitur ist gleichbedeutend mit der (Fach-) Hochschulreife und damit die Eintrittskarte für ein (Fach-) Hochschulstudium. Mit dem "Wisch" (Fach-) Abizeugnis hat ein Schüler diese Eintrittskarte erworben. Der Abschluss eines (Fach-) Hochschulstudiums ist die Eintrittskarte in das akademische Berufsleben, die der Student mit Bestehen der Abschlussprüfung erworben hat. Der erste Job nach dem Studium ist die Eintrittskarte für die nächste Stufe auf der Karriereleiter undsoweiterundsofort. Das ist der "normale" Weg, den auch Bewerbungsempfänger, die ja oft genau diesen Weg gegangen sind, von einem Bewerber erwarten (Ausnahmen bestätigen die Regel, bleiben aber trotzdem Ausnahmen!).
Also, wer Potential hat, geht normalerweise ohne Umwege den direkten Weg...
Zu Deinem Kernproblem: Die HAW ist nach meinen Recherchen eine "Hochschule für Angewandte Wissenschaften" (früher sagte man einfach "Fachhochschule"). Um dort studieren zu können, brauchst Du also kein Abitur, sondern ein "nur" Fachabitur (sprich: die Fachhochschulreife). Im Netz habe ich folgenden Hinweis gefunden:
Fachhochschulreife: Sie wird bei erfolgreichem Abschluss einer Fachoberschule (12. Jahrgang) zuerkannt. Auch das Versetzungszeugnis von der 12. zur 13. Jahrgangsstufe der gymnasialen Oberstufe in Verbindung mit einem einjährigen gelenkten Praktikum (ebenso zahlreiche Abschlüsse der beruflichen Bildung) stellen eine Fachhochschulreife dar.
Auch in der Wikipedia findest Du einige Hinweise zur Fachhochschulreife.
Ich an Deiner Stelle würde jetzt prüfen, ob Deine (in Kürze bestandene) Ausbildung als einer der "zahlreichen Abschlüsse der beruflichen Bildung" gelten könnte. Eventuell könntest (bzw. solltest!) Du auch als "Externer" an einer Fachabiturprüfung an einer Fachoberschule teilnehmen und mit dem Bestehen dieser Prüfung die Fachhochschulreife (= fachgebundene Hochschulreife) erwerben.
In Baden-Württemberg zum Beispiel gibt es verschiedene Wege zum Studium an einer Fachhochschule.
Für mich sieht die Situation jetzt so aus, des jeder Depp der sein Abitur
in Sport und Kunst gemacht hat, während er Physik abgewählt hat und in
Mathe eine 4 hatte, studieren darf und ich nicht, obwohl ich auf dem
Gebiet der Elektronik viel Potential habe und mein Lebenslauf auch nicht
auf Motivationsmangel schließen lässt.
Ja, genau so ist es, siehe meine Ausführungen oben mit den "Eintrittskarten". Aber vielleicht tröstet es Dich, dass jemand, der sein Abitur in Sport und Kunst gemacht hat, an einem technischen Studiengang, so wie er Dir vorschwebt, schlicht verzweifeln und das Studium wahrscheinlich nicht zu Ende bringen würde!
Ich hoffe, dass Dir meine Informationen ein bißchen weiterhelfen und wünsche Dir viel Glück bei Deinen Bemühungen! Vielleicht kommen ja auch noch ein paar weitere Hinweise aus dem Forum...
Viele Grüße, Ciliegia.
P.S.: Wenn Du auf die Selbständigkeit setzen möchtest und Du dieses Standbein weiter ausbauen möchtest und Deine Firma gut läuft, dann brauchst Du ggf. auch keine "offizielle" Ausbildung. Aber wenn die selbständige Tätigkeit irgendwann scheitert und Du auch der Suche nach einer "abhängigen" Beschäftigung bist, dann stehst Du - trotz Deiner megamäßigen Erfahrung - offiziell als "Ungelernter" da. Siehe auch das Beispiel der Studienabbrecherin, die sich - es war glaube ich auch in Hamburg - als "Frau Doktor" durch den Bewerbungsprozess eines Krankenhauses geschummelt hat, dort gute fachliche Arbeit geleistet hat, von den Vorgesetzten und Kollegen fachlich anerkannt war und auch keinen nachweislich falschen ärztlichen Rat gegeben hat - sie konnte ihren Abschluss nicht nachweisen, und damit hat man sie, als das aufgeflogen ist, entlassen (weil die "Eintrittskarte" fehlte).
P.P.S: Google doch 'mal nach "Fachhochschulreife", dann findest Du eine ganze Reihe von Links, die Dir Wege zu ihrem Erhalt aufzeigen. Vielleicht musst Du Dein Ziel etwas korrigieren: Jetzt das Studium in einem anderen Bundesland oder später das Studium an der HAW.
gesamter Thread:
- Zugang zur Fachhochschule -
Paisley,
19.01.2008, 11:52
- Vorschlag, nach China auswandern?(oT)
-
aprilzi,
19.01.2008, 12:27
- Indien. China ist bereits zu teuer;-( (oT)
-
sensortimecom,
19.01.2008, 13:48
- Indien. China ist bereits zu teuer;-( (oT)
- Du hast doch drei Jahre Berufserfahrung - Du warst drei Jahre selbstständig! (oT)
-
Vatapitta,
19.01.2008, 12:34
- Vorgestern war es, mein Wissen und meine Erfahrung, vielleicht hilft es dir. -
prinz_eisenherz,
19.01.2008, 12:41
- Fachoberschule - Fachabitur -
Lex Mercatoria,
19.01.2008, 12:54
- Badauerlicherweise keine Korrektur, nur eine Erweiterung - prinz_eisenherz, 19.01.2008, 13:06
- Fachoberschule - Fachabitur -
Lex Mercatoria,
19.01.2008, 12:54
- Zugang zur Fachhochschule - Lex Mercatoria, 19.01.2008, 12:45
- Fachhochschulreife - (k)eine Karriereberatung (mvT) -
Ciliegia,
19.01.2008, 12:50
- Fachhochschulreife - (k)eine Karriereberatung (mvT) - Paisley, 19.01.2008, 15:49
- Networking!...Networking!...Networking!...Networking!...Networking!...Networking!...Networking!...Networking!... - Mephistopheles, 19.01.2008, 12:57
- Vorschlag, nach China auswandern?(oT)
