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da dottore anderweitig beschäftigt scheint ...

weissgarnix @, Mittwoch, 06.02.2008, 02:53 (vor 6566 Tagen) @ crosswind

Hi dottore

Hi auch, aber nix dottore, der scheint gerade auf Urlaub oder anderweitig beschäftigt. Da ich deine Frage jedoch sehr interessant fand, mal der Versuch einer simplen Antwort von mir.

habe es schon mehrmals versucht. Nun nochmals. Ist es denkbar, dass die
Kreditkrise über M2-M4 bereinigt wird, über "Guthaben" und das "Notengeld"
nahezu unberührt bleibt ?

Zunächst mal: den diversen Ms ist es gänzlich egal, aus welchem Kredit-Ei sie nun entschlüpft sind. Du magst dir einen Kredit einräumen und den Betrag auf deinem Girokonto liegen lassen, dann ist das Teil von M1. Du magst dir mit dem Geld aber auch Geldmarktanteil kaufen, dann reden wir von M3. Oder du kaufst dir Bonds oder sonstirgendwas, dann verschwindet das Geld überhaupt aus allen Ms. Der Kredit ist aber logischerweise immer noch da.

Reden wir mal über die aktuelle Krise: wenn du dein Geld, dem ursächlich ein Kredit gegenüberstand, in einem Geldmarktfonds parkst, dieser in ABS-CPs investiert, die nun allesamt auszubuchen sind, dann reduziert das ausschliesslich M3, aber nicht M2 und nicht M1. Das die niedrigeren Geldmengenaggregate daher von der Krise zunächst unberührt bleiben, will ich nicht ausschliessen. Zumal ein zweiter Effekt der Krise ins Spiel kommt, nämlich der der Geldhortung, d.h. Geld wird aus seiner "Anlageform" (Termingeld, Geldmarktfonds, Bond-Kurzläufer) in seine "Transaktionsform" (Giroguthaben, Banknoten) überführt. Das begünstigt tendenziell wiederum M1 und M2 gegenüber etwa M3.

Although Japan was rapidly printing money, a destruction of credit was
happening at a far greater pace. There was an overall contraction of
credit in Japan for close to 5 consecutive years. Property values plunged
for 18 consecutive years. The stock market plunged from 40,000 to 7,000.
Cash was hoarded and the velocity of money collapsed. Those are classic
symptoms of deflation that a proper definition incorporating both money
supply and credit would readily catch. Those looking at consumer prices or
monetary injections by the bank of Japan were far off the mark."

Der Aussage schliesse ich mich im wesentlichen an. M1 mag durch BoJ-Maßnahmen ansatzweise stabil geblieben sein (habe ich jetzt nicht nachgeprüft), aber die Kreditausfälle betrafen zunächst mal keines der Ms. Erst in mittelbarer Folge kommt es eventuell zur Verringerung eines Ms, nämlich M0, dem Zentralbankgeld, i.e. dann, wenn Banken die betreffenden Kredite ausbuchen und ihre Mindestreserve bei der ZB entsprechend kürzen. M0 ist aber keines der Geldmengenaggregate, die für die Betrachtung wesentlich wären, es ist auch kein Teil der anderen Ms.

Offenbar gab es das "printing money" (was wurde da geprinted, wenn M1
stabil blieb ? Wenig bis nix wurde "geprinted", im Verhältnis zum
"non-printed", siehe zB auch Statistik SNB) kaum. Das waren offenbar "nur
Buchverluste", die offenbar M1 nicht tangierten. Was war nun eigentlich
betroffen und wie wurden diese Verlust bereinigt - wenn überhaupt ?

siehe oben

Dann eine weitere Frage : angenommen es kommt zu einer saftigen
Kreditkrise. Wie ist da das Verhältnis Notenbank und Staatsgewalt ?

Keine Ahnung wie es jetzt ist, es wird dann aber ziemlich sicher ein "angespanntes" sein.

Ist es es denkbar, dass die Staatsgewalt ihren Bankrott bzw. die
Staatsschulden mit den Gläubigern, die zumeist in irgendeiner Form "private"
(Pensionskassen, Fonds, Banken) sein dürften, einvernehmlich regelt,

ja. wobei "einvernehmlich" ein sehr dehnbarer Begriff ist, vgl. Argentinien

zB 1:5, und die Notenbank M2-M4 irgendwie abschreibt, M1 aber davon unberührt und in Kaufkraft erhalten bleibt.

die Notenbank schreibt gar nix ab, weil die trägt nicht das Risiko aus den Staatstiteln, das verbleibt samt und sonders bei den Banken bzw. den übrigen Haltern. Eine Ausbuchung derartiger "Hair Cuts" läßt M1-M2 tatsächlich unberührt, M3 nicht soweit es Geldmarktfonds als Halter von Kurzläufern betrifft.

Die Frage ist allerdings, ob damit "Kaufkraft erhalten bleibt", wie du schreibst. Denn sowohl die Pensions- als auch die Geldmarktfonds hielten die Anleihen ja nicht aus Jux und Tollerei, sondern um damit Auszahlungen zu tätigen, d.h. M3 in M1 zu transformieren. Irgendwann schlägt das daher durch, wenn nicht gleich, dann später. Der Pensionsfonds zB mag seine laufenden Rentenzahlungen nach wie vor aus der restlichen Liquidität vornehmen können, aber irgendwann muss der Ausfall der Staatsanleihen kompensiert werden. Entweder durch Zuzahlungen der "sponsoring employers" (vgl. englisches Pensionssystem) oder durch Zuzahlungen des Staates (haha!) oder durch simple Kürzung der Pensionszahlungen ... das hat also sehr wohl "Kaufkraftmindernde" Auswirkungen ... muß es auch, denn sonst wäre das ja der Königsweg für alle schwer und schwerstverschuldeten Staaten, sich ihrer Bürde zu entledigen, ohne damit den Konsum zu killen.

Ist meine Geschichte dämlicher als die Hochzeit von Carla und Sarko ?

Nein, deren Story toppt wirklich alles ...

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