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Kleiner Reisebericht aus dem Hinterland Chinas (mT)

DT @, Mittwoch, 29.10.2014, 14:20 (vor 4166 Tagen)
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 29.10.2014, 14:39

Kürzlich habe ich mir einen langgehegten Traum erfüllt und bin ins Hinterland Chinas gefahren. Für mich war das immer noch „terra incognita“, ein unbekanntes, geheimnisvolles Land, wo ich mir vorgestellt hatte, daß die Bauern immer noch mit Gespannen fahren und die Reisfelder bestellen, ähnlich wie in Indonesien, alles mit der Hand und mit Ochsen, und daß in den Dörfern Gänse, Schweine und Geflügel durcheinander laufen und dort die Brutstätte von Viren wie H5N1 oder anderen ist, die dann vom Geflügel auf Schwein und Mensch überspringen.

Meine Reise begann in Changsha, das ca 2 Flugstunden südwestlich von Peking liegt. Der Flughafen ist sehr modern, höchstens 10 Jahre alt, und zum Vergleich: maximal der FJS Flughafen in München kann mithalten, was Modernität angeht.

Bei der Fahrt zum Hotel fiel mir auf, daß Changsha nicht viele der superhohen Wolkenkratzer hat, wie man sie heutzutage überall an der chinesischen Ostküste findet. Die Gebäude sind eher noch so im Stile des Kommunismus gehalten, einige architektonische Wildwüchse waren dabei, wie ein Hochhaus, auf das eine Art Leuchtturm gestellt wurde. Changsha ist übringens der Ort, wo eine verrückte Baufirma ein 1000m hohes Hochhaus in 210 Tagen bauen wollte, Sky City. Davon war aber nichts zu sehen.

http://en.wikipedia.org/wiki/Sky_City_%28Changsha%29

Changsha ist eine 6 Millionenstadt, also grob gesagt von der Einwohnerzahl doppelt so groß wie Berlin, aber es fühlt sich eher wie eine mittelgroße Stadt an. Der Verkehr ist nicht nah am Infarkt wie in Shanghai oder in Beijing, und auch die Straßen sind nicht übervoll. Natürlich haben alle ihr Smartphone dabei und starren permanent darauf, zumindest die Jugendlichen und diejenigen im Alter bis ca 30.

Am Rand der Stadt liegt der Yuelu Mountain mit einem schönen Weg, den man in ca 1h gemütlich hochlaufen kann, und abends findet man jede Menge Jogger, Fahrradfahrer oder auch Pärchen, die dort unterwegs sind. Ganz oben ist dann ein Fernsehturm, und man hat einen hervorragenden Ausblick über die Stadt, durch die ein großer Fluß fließt und in dem mittendrin eine längliche Insel (Orange Island) von 10 km Länge liegt, auf der auch eine große Mao-Statue zu finden ist. Am anderen Flußufer sind bereits erste größere Wohn- und Apartment-Hochhäuser im Bau, und man kann sich vorstellen, daß in 10 Jahren das ganze Ufer mit Apartment-Hochhäusern zugebaut ist. Auf der Südseite schaut man auf die Hunan-Universität, deren Gebäude doch schon in die Jahre gekommen sind. Vor dem Haupteingang steht ein riesiger Mao, der gütig auf die Straße schaut, und der aus der Gegend stammt und wohl in Changsha ausgebildet wurde (als Bibliothekar). Nebenan ist die Yuelu-Akademie, die bereits seit dem Jahre 976 besteht und im imperialen China Teil der Ausbildungsstätten für die Beamten war. Changsha rühmt sich, somit die älteste Universität der Welt zu besitzen, mit einer über 1000-jährigen Geschichte.

Vor dem Hotel sind mir dann tagsüber 3 Bauarbeiter aufgefallen, die neben einem Deckel in der Strasse saßen. Dort schauten zwei Telefonkabel raus, ca 5 cm dick jeweis, und darin waren ca 20 einzelne Kabel, von denen jedes ca 100 Glasfaserkabel mit verschiedenen Farben besaß. Ich war ganz fasziniert davon und habe eine Zeitlang zugeschaut, was die drei dort den ganzen Tag lang getrieben hatten und habe auch einige Bilder gemacht und die Tätigkeit gefilmt. Es stellte sich heraus, daß die Kaben verbunden wurden, und dazu mußten ca 1000 Glasfaserleitungen zusammen gespleißt werden.

Die Arbeiter saßen nur auf den Deckeln ihrer Arbeitsgeräte bzw. auf einem Karton, und das ganze war direkt neben einer belebten Kreuzung, wo ohne Ende gehupt wurde. Der erste Arbeiter entfernte mit einer Zange die Plastikummantelung der Glasfaserleitung, dann wurde die Leitung mit einem relativ zerfaserten und schon oft für diesen Zweck benutztes Tempotaschentuch oder Papiertuch gewischt. Der zweite Arbeiter legte jeweils zwei dieser Leitungen in eine kleine Guillotine, einen Cleaver ein, und schnitt die Fasern hinten rechtwinklig ab, immer zwei Stück auf einmal. Dann wurde noch eine Hülse über das Kabel geschoben, die später die verbundene Stelle schützte. Es war faszinieren, wie schnell das ging und wie geschickt er die verschiedenen Farben zwischen seinen anderen Fingern festhielt, ohne daß die Glasfasern irgendetwas berührten und schmutzig wurden. Der dritte Arbeiter hatte dann ein Spleißgerät mit einem Lichtbogen und einem kleinen LCD Bildschirm, wo er jeweils zwei Kabel derselben Farbe einlegte und miteinander verband.

Die drei haben unablässig und super schnell gearbeitet, ich schätze, daß eine gesamte Verbindung nicht mehr als 30 Sekunden gebraucht hat. Sie hatten jeder nur eine Plastikflasche mit Wasser dabei und saßen dort stundenlang direkt in Auspuffhöhe an der lauten Kreuzung. In ziemlich verdreckten und heruntergekommenen Klamotten. Das ganze hat genau einen Tag gedauert, abends waren die drei fertig, dann waren die beiden Leitungen mit 1000 Glasfasernkabeln zusammen gespleißt. Verdient haben die drei in dieser Zeit vielleicht insgesamt 150 EUR, wenns hoch kommt.

Dies war eine wesentliche Lektion, wieso China so schnell in den letzten 10-15 Jahren aufgestiegen ist und uns auch ohne Zweifel als Industrie-, Wirtschafts- und Technologiemacht ablösen wird. Wenn man sich vorstellt, daß die fette Amihxxx in Berlin noch nicht mal genau weiß, wie das Internet funktioniert und wie man bei uns eine Breitband- und Hochgeschwindigkeitsinternet-Strategie fahren kann und wenn davon geredet wird, wieviele Mrd oder Dutzende Mrd ein Ausbau der Breitbandinternetverbindung kosten würde, sitzen gleichzeitig in China Hunderte oder Tausende dieser Techniker in Städten, selbst im hintersten China, und spleißen das Hochgeschwindigkeitsinternet zusammen. In meinem Hotel war selbstverständlich High-Speed-Internet kostenlos zur Verfügung gestellt, und auch westliche Seiten wie DGF oder auch SpON haben ohne Probleme funktioniert.

Über diesen einen Kabelstrang, der da vor meinem Hotel und gegenüber einer ganz gewöhnlichen Shopping Mall verlegt wurde, können wohl ohne Probleme 1000 GB/Sekunde fließen. Und das war jetzt nicht der Backbone oder der Metro Ring von Changsha, sondern einfach nur eine von vielen Leitungen. Selbst wenn die nur aufgrund der etwas primitiven Arbeitsbedingungen im Dreck der Strasse und mit nur einem Tempotaschentuch die Spleiße nicht zu 100% erfolgreich sind, reichen dann auch noch 98-99% Erfolgsquote aus, um das Highspeed-Internet zu betreiben.

Ich frage mich, wie lange so ein Spleiß in Deutschland gedauert hätte, wieviele Techniker der Telekom daran beschäftigt gewesen wären und was das gekostet hätte. Wieso holen wir eigentlich nicht diese Techniker aus China zu uns und zahlen ihnen das Dreifache, dann können wir ohne Probleme auch Dörfer im Umkreis von München, die jetzt noch diskutieren, ob man Highspeed Internet braucht und ob sich eine Investition in eine Glasfaserleitung lohnt, anschließen. Währenddessen haben die Chinesen schon das nächste Internetbusiness gegründet und betreiben es, selbst aus dem hintersten Dorf. Und die Amihxxx hat wieder ihren Auftrag erfüllt, Deutschland ein wenig mehr zu entindustrialisieren, ganz getreu den Vorgaben Morgenthaus, wie sie es auch schon mit unserer Energieversorgung und mit unserem Bildungswesen getan hat.

In Changsha ist natürlich noch ein riesiger Optimismus zu spüren, man sieht die Plakate, die die Stadt in 10 Jahren darstellen, mit den ganzen neuen Wolkenkratzern, und an der Uni werden neue Gebäude hochgezogen und Maschinen aus Deutschland und USA beschafft. Alles vom Feinsten. Aufbruchstimmung.
Ich hatte übrigens Glück, es war blauer Himmel, und vom Yuelu Mountain konnte man weit über die Stadt schauen. Ein paar Tage später war dicker Smog über der Stadt, und auch auf den Autos konnte man den Sandstaub sehen.
Ich bin dann weiter nach Westen gefahren, nach Zhangjiajie, ein kompliziertes Wort, eine Stadt mit ca 1.6 Mio Einwohnern, von denen die meisten hier wahrscheinlich noch nie gehört haben. Die Stadt ist auch noch nicht an das neue High-Speed Eisenbahnnetz angeschlossen, und für die ca 300 km Autobahn (ziemlich nagelneu) brauchts etwa 4 Stunden, weil eine sagenhafte 70 km lange Baustelle dazwischen ist, wo der Beton, der eigentlich noch ganz gut war, durch Asphalt ersetzt wird, überall entlang der 70 km. Da aber nicht so viele Autos fahren, fließt der Verkehr ganz gut.

Entlang der Strecke sieht man sehr fruchtbare Landschaft, hauptsächlich mit Reisfeldern, und von Kleinbauern angepflanzt. Anders als in den Dörfern des Ostens sind die Häuser hier in der Mitte Chinas weitläufiger, die Häuser größer und etwas voneinander getrennt, oft dreistöckig, mit schätzungsweise 200 m² Wohnfläche. Drumrum ein Garten mit Gemüse, und dann die Felder mit Reis. Z.T: wurde Reis mit kleinen Mähdreschern geerntet, auf ein paar Reisfelder wurden auch die Reste verbrannt, was Qualm gab, andere Felder wurden wieder bestellt. Da die Temperatur so im Bereich von 27-31 Grad lag, jetzt im Oktober, sind mehrere Ernten möglich. Auch Bäume mit Bananen und anderen Früchten konnte man sehen. Allerdings fiel auf, daß hauptsächlich alte Leute auf den Feldern gearbeitet haben – die Jungen sind wohl nach Changsha oder noch weiter in den Osten in die großen Metropolen gezogen. Ich habe auf ein paar Feldern tatsächlich noch Hocken gesehen, zu denen der Reis aufgestellt wurde, eine Szene, für die man in Deutschland (bzgl. Getreide) schon 100 Jahre zurück gehen muß. Aber die kleinen Mähdrescher, wie in Dtld in den 1950er Jahren, waren bisher noch in der Mehrheit. Das wird in Zukunft sicherlich anders, wenn die alten Bauern aussterben und pro Dorf nur noch 1-2 Bauern übrig bleiben, analog zu D, wo dann große Maschinen und eher industrielle Landwirtschaft das Ruder übernehmen.

Was auffällt, sind die durchaus verrohten Sitten je weiter westlich man kommt. Es wird schon geschubst und gedrängelt, selbst in schmalen abgetrennten Schlangen, wie zB im Nationalpark, den ich weiter unten noch beschreiben werde, es wird gerülpst und gespuckt, auch sehr laut gesprochen und herumgeblökt, der Verkehr ist sehr chaotisch, und es wird besinnungslos gehupt, wie ich das fast nur bisher in Indien erlebt habe. Bei jedem Überholen, und generell nehmen sich die Autos die Vorfahrt, dann kommen die Mopeds in der Hierarchie, ganz unten die Fußgänger.

Man nimmt keine Rücksicht ,sondern setzt sich durch. Die Leute muffeln durchaus, selbst jüngere Damen verbreiten einen leicht landwirtschaftlichen Geruch, junge Herren wechseln ihre Klamotten über 5 Tage nicht, was man beim Buffet beim Essenfassen riechen kann, wo enger Körperkontakt unvermeidlich ist, da Chinesen heuschreckenähnlich über das Essen herfallen.

Manieren beim Essen sind hier im Westen Chinas anscheinend unbekannt, und ganz schlimm ist es mit den Smartphones. Man beugt sich runter bis ca 5 cm über den Teller, schlürft die Suppe oder zuzelt die Nudeln rein, gleichzeitig schaut man auf das Smartphone, und es wird auch sehr hörbar im Speiseraum telefoniert. Trotz Rauchverbotsschildern auf dem Tisch, am Rand des Raums, etc., wird auch am Tisch geraucht, seit 10 Jahren habe ich das nicht mehr erlebt, man kann sich gar nicht vorstellen, daß das noch bis vor kurzem in jedem deutschen Restaurant üblich war.

Im Hotel stinkt es permanent nach Zigaretten, in der Lobby wird geraucht, vor dem Aufzug, und selbst im Aufzug, trotz Verbotsschilder. Das ist dann schon extrem störend. Diese Dinge gelten sowohl für Zhangjiajie als auch Changsha als auch Changsha.

Trotz der entlegenen Gegend kommen einem trotzdem in Zhangjiajie als auch Changsha Porsche Cayenne, Audis in Hülle und Fülle, jede Menge Volkswagen Golf, und auch Ami Buicks und jede Menge Japaner und Koreaner entgegen. Apropos Koreaner: Zhangjiajie ist ein Top-Spot für ältere Südkoreaner, deren Kinder ihnen eine besondere Freude gemacht haben und sie dorthin geschickt haben. Es ist wohl schick geworden in Korea, damit anzugeben, wie gut einen die Kinder behandeln, wenn sie einen nach Zhangjiajie senden und das bezahlen.

In der Tat habe ich in meiner Zeit in Zhangjiajie als auch Changsha praktisch keinerlei Ausländer gesehen, vielleicht max 1-2 pro Tag, ein schwedisches oder dänisches jüngeres Pärchen im Nationalpark, keine Deutschen (das ist mir praktisch noch nie passiert), eben viele Koreaner, ein paar Philippinerinnen, keine Amis (wie gut!), 1-2 Engländer oder Kanadier, keine Russen.
Selbst in diesem Hinterland sind die meisten Schilder noch zweisprachig, aber manchmal brauchts Hände und Füße, um sich verständlich zu machen, aber das klappt dann schon.

Es ist allerdings ein ziemlich einmaliges Gefühl, wenn man morgens im Hotel ist und im Speiseraum sitzt und unter Hunderten von müffelnden und lauten chinesischen Heuschrecken und Dutzenden älteren koreanischen Damen in moderner Funktionskleidung als einziger westlicher Ausländer weit und breit sitzt. Es passiert einem dann auch tatsächlich noch, daß man etwas angestarrt wird oder daß eine Gruppe von jungen Damen gerne ein Foto mit einem hätte :-)

Zhangjiajie ist die Kulisse gewesen, wo James Cameron’s Film „Avatar“ gedreht wurde. Ich muß sagen, auch wenn es nur wenig bekannt ist und erst seit wenigen Jahren überhaupt verkehrstechnisch erschlossen ist, da man durch einen langen Tunneln in das Bergtal einfährt, ist es aus meiner Sicht eines der Weltwunder der Natur. Die Kulisse ist dermaßen abendberaubend, eine Mischung aus Grand Canyon, Bryce und Zion Nationalpark. Kein Wunder, daß Cameron diesen Platz benutzt hat, um einen fremden Planeten darzustellen. Ich habe so etwas noch nie vorher gesehen, Dutzende oder Hunderte von Kalksteinsäulen von bis zu 350 m Höhe, bewachsen mit üppiger Natur, manche nur wenige10 m breit, unten Flußtäler, Canyons, Reisfelder, dazwischen ursprüngliche Dörfer mit „Ureinwohnern“, die noch klar den mongolischen Einfluß erkennen lassen, mit ihren eigenen Sitten und Gebräuchen.

http://en.wikipedia.org/wiki/Zhangjiajie
http://en.wikipedia.org/wiki/Zhangjiajie_National_Forest_Park


Direkt am Rand von Zhangjiajie gibt es eine Höhle, die alles was ich bisher gesehen habe, in den Schatten stellt. Wenn man denkt, daß zB die Höhlen auf Mallorca schon eindrucksvoll sind, dann soll man dorthin gehen, und man wird überwältigt sein. Die Hualongdong-Höhle ist gigantisch, 15 km lang, 4 verschiedene Ebenen, man kann mit dem Boot über einen großen See fahren, und die Stalagmiten sind dermaßen riesig, daß sie jede Vorstellung sprengen. Der größte ist viele Millionen Jahre alt.

http://en.wikipedia.org/wiki/Huanglong_Cave

Der Nationalpark ist eigentlich sehr gut erschlossen, wenn man morgens um 7 losgeht und am Eingang ist, schläßt man die Mengen, die in China schon immer ein Problem sind, aber logistisch sind die Chinesen Organisationsweltmeister. So sind zB alle Straßen im Park für Privatautos gesperrt, und es fahren Hunderte von Bussen zu den einzelnen Plätzen. Es gibt eine österreichische Seilbahn, wo man selbst morgens ca 45 min warten muß, aber mit atemberaubenden Blicken aus 1200 m Höhe belohnt wird, und am Ende oben nach einem weiteren Bustransfer ist man auf dem Gipfel, in der Nähe, wo Avatar gedreht wurde. Man glaubt es kaum: dort erwartet einen ein nagelneuer McDonalds, allerdings wenig frequentiert, da sauteuer (40 RMB= 5 EUR für ein Big Mac Meal). Ansonsten gibt es ja, ganz traditionell chinesich, überall am Wegesrand Buden mit Getränken und warmem Essen, von Maronen über gegrillte Fleischklöße bis zu kleinen Vögeln am Spieß, die sehr lecker sein sollen.
Auf dem Gipfel gibt es einen 3.5 km langen Gipfelpfad mit absolut einmaligen, atemberaubenden Biicken über diese Kalksteinstelen und über die gezackten Berge. Wenn die Chinesen eine High-Speed-Eisenbahn nach Zhangjiajie bauen würden, könnte man Frankfurt-Changsha fliegen (das gibt’s von der LH) und wäre in 1h dort.

Entlang von einer Stele gibt es einen der größten und schnellsten Aufzüge der Welt, gebaut von „our German friends“, außen angeflanscht, damit fährt man wieder oben runter mit weiteren atemberaubenden Ausblicken. Der Bus fährt einen dann an Reisfeldern und Flüssen vorbei zu einer Schlucht, wo man einem Fluß entlang folgen kann nund dann und dann von freilaufenden Pavian-Affen unterhalten wird. Die sind weniger aggressiv als die Bonobos in Indonesien, die die Touristen schon mal anspringen und ihnen das Essen oder die Rucksäcke oder Kameras entreißen oder sie auch beißen.

In einem der Dörfer des Nationalparks findet sich eine Tourist Trap, dort werden traditionelle Lebensweise und Künste etc. vorgeführt. Gegenüber sind die üblichen Buden aufgebaut, und dort habe ich dann tatsächlich die schlimmste Sanitäreinrichtung meines ganzen Lebens gesehen. Selbst ein Loch im Wald bei der Bundeswehr war noch besser als diese Rinne, wo tatsächlich nur eine halbe Röhre vorhanden war mit kleinen Abtrennungen seitlich, für Kacke wie für Pisse, alles gemischt. Mein Nebenmann ging in die Hocke und las während der Erleichterung sein Smartphone, ich habs fotografiert, no joke. Draußen lief das einfach so raus, und Hunderte von Touris haben sich dort erleichtert. In verschiedenen Römermuseen in Dtld kann man ja die Sanitäreinrichtungen der Römer bewundern, und wenn ich mich nicht ganz täusche, ist in Rottenburg so ein Gemeinschaftsklo mit vielen Sitzen nebeneinander vorhanden, mit steinernen Leitungen und einer Kloake. Selbst bei Ausgrabungen aus der Jungsteinzeit habe es einigermaßen ordentliche sanitäre Anlagen, aber leider war dieser Ort im Nationalpark von Zhangjiajie der Tiefpunkt von allem Sanitären, was ich jemals sehen und benutzen durfte.

Abends in Zhangjiajie hatte ich die Gelegenheit, China noch so zu erleben, wie ich das noch aus den 90er Jahren kannte. Die Zeit war 15-20 Jahre zurück gedreht. Die Leute saßen noch draußen auf Plastikhockern, die Männer haben „chinese chess“ gespielt, die Leute haben erzählt, noch nicht jeder hat auf sein Smartphone gestarrt. Man geht noch in den Mum und Pap Store zum Essen, und die kleine Tochter im Alter von 5 oder 6 und zwei Zöpfen bedient die Kasse.

Aber das Unheil lauert schon um die Ecke: Anstatt der lokalen Hotels, wo es durchaus etwas sehr müffelt (wo es aber westliche Toiletten gibt ,wenn auch mit etwas wenig Klopapier, was ja in China immer rar ist), werden bereits Hotels von Ketten (ich habe zB Pullman Hotels gesehen) gebaut. Direkt gegenüber ist eine Mall im entstehen, wo dann natürlich die Ami-Ketten McD, KFC, Pizza Hut etc. reingehen werden.

Konsequenz wird sein, daß die Touristen nicht mehr in die Stadt gehen und in den lokalen Hotels übernachten, sondern ihr Hotel den Amiketten in den Rachen schmeißen und zum Essen direkt gegenüber ebenfalls bei den Amiketten gehen.
Die Tochter wird dann nicht mehr im familieneigenen Hotel abkassieren, sondern als Lohnsklavin für eine Amikette bedienen, und alle sitzen vor ihrem Smartphone und starren darauf und tippen wie wild in Watts App rein, und die Oligarchen von der East Coast reiben sich die Hände. Fxxx die Globalisierung. Ich hoffe, die Chinesen halten noch eine Zeitlang die wahren Heuschrecken der East Coast aus ihrem Land raus, bevor sie es wie den Rest der Welt aussaugen, um sich dann an der Park Avenue für 80 Mio USD ein Penthouseapartment im neuen Wohnturm zu kaufen und Koks-Parties zu feiern, während in China die Jugend als Lohnsklaven für sie schuftet. Insgesamt geht das Leben schon noch gemächlicher, weniger hektisch, und ruhiger zu als im Osten.

Nach dem Ende meiner Reise ins Hinterland bin ich dann nach Shanghai zurück gekehrt, wo der verdrillte Shanghai Tower mit 632 m das Ensemble mit Jian Mao Tower und World Financial Center (432 m, der Flaschenöffner) komplettiert. Schon aus großer Entfernung und aus dem Flieger ist er sehr eindrucksvoll, er ist ja das zweithöchste Gebäude der Welt und eben nochmal 50% höher als sein schon sehr großer Nachbar.

Zum ersten Mal bin ich dann mit dem Schnellzug (ICE 3) der CRH nach Hangzhou gefahren, dem Nizza Chinas, mit 8.8 Mio Einwohnern. Wieder mal hat der Zug nach 9 Minuten die 320 km/h erreicht. Die Bahnhofstreppen waren sauber, die Schienen haben nicht gerüttelt, und der Zug ist auf die Sekunde pünktlich abgefahren und angekommen, was ich in D schon lange nicht mehr erlebt habe, obwohl es derselbe Zug von Siemens ist. Ich muß sagen, daß ich mich auf Anhieb in diese wunderschöne Stadt verliebt habe, besonders um den West Lake herum. Die Temperatur war nach wie vor zwischen 20 und 25 Grad, und der Flair abends am West Lake Ufer, direkt neben der Innenstadt, war wirklich mit Nizza oder Cannes zu vergleichen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Hangzhou

Wenn man dort in Hangzhou ist und die Stadt mit einer typischen Amigroßstadt, wie zB Philadelphia oder Houston vergleicht, muß man sagen, daß es in dieser Stadt vom Lebensstandard her schon besser als bei dem Amis ist. Es gibt dort keine Slums mehr, Verbrechen ist praktisch absent, und die Leute haben sehr gute Manieren und sind super freundlich. Das Straßenbild ist dominiert von Audi, Volkswagen, auch der ein oder ander e Mercedes oder sogar Smart ist dabei, und es gibt sogar einen Rolls-Royce, McLaren und Lamborghini-Händler. Einen Rolls Royce habe ich sogar umherfahren sehen am West Lake.

Toiletten im chinesischen Hinterland sind ja immer so eine Sache. Der Chinese trägt immer eine Packung Tempotaschentücher mit sich rum, und man sollte im Restaurant ruhig auch eine Packung Servietten mit einpacken für den Fall des Falles. Wie im Frankreich bis in die 90er Jahre hinein oder wie in Rußland oder der Ukraine gibt es auch in China meistens diese Toiletten mit den beiden Fußstützen, wo man dann den Hintern in der „squat“ Haltung, bekannt aus dem Aerobicstudio, absenkt. Ich konnte trotz längerer Reise durch geschicktes Timing vermeiden, solch eine Toilette besuchen zu müssen, und wenns dochmal dringend war, gibt es selbst an öffentlichen Plätzen immer eine „Handicapped“ Toilette, die eben eine westliche Schüssel (wenn auch kein Papier) hat. Dasselbe gilt auch für die Autobahnraststätten unterwegs, die ähnlich schlimm wie in Dtld aussehen, und wo abgehärtete Klodamen in hohen Gummistiefeln mit riesigen Gummischiebern durch den Urin waten, anders kann man das nicht mehr bezeichnen.

Ich hätte ein paar Vorschläge für die chinesische Regierung:

a) Einführung der Beleuchtungspflicht für Mopeds und Fahrräder
b) Rechtsfahrgebot auf Autobahnen, Rechtsfahrgebot für LKWs
c) Einführung der Hierarchie „Fußgänger, Fahrräder, Mopeds, Autos“, mit Fußgänger als höchste Hierarchiestufe
d) Verbot des Hupens, außer für Notfälle
e) Pflicht, daß die Taxis ihre hinteren Gurtschnallen freilegen müssen. 40 km durch Shanghai zu fahren mit einem wilden Taxifahrer ohne angeschnallt zu sein erfordert gute Nerven.
f) Investition in deutsche Toilettenschüsseln, landesweit. 1 Mrd Toilettenschüsslen bei Villeroi und Boch ordern und im ganzen Land in den öffentlichen Toiletten installieren. Damit das Land sanitärtechnisch auf dem selben Stand ist wie High-Speed-Eisenbahn-technisch. Die gebunkerten 2-3 Billionen USD erlauben das.
g) Den Leuten über CCTV immer wieder einbleuen, daß man LEISE telefoniert, nicht rülpst, beim Essen grade sitzt, kein Smartphone liest, und in der Schlange (weder beim Essen noch im Nationalpark) drängelt. In Shanghai und auch Hangzhou sind diese Regeln weitestgehend schon Standard, in Changsha oder Zhangjiajie ist das noch unbekannt.

Fazit: UNBEDINGT ins chinesische Hinterland fahren, solange dort noch die Vergangenheit lebendig ist und die Amiketten Starbucks, McD, KFC etc die Welt noch nicht in Besitz genommen und standardisiert versklavt haben, es lohnt sich ungemein. Die Natur um Zhangjiajie ist atemberaubend.

Ein Flug Frankfurt-Changsha kostet nicht die Welt, und die Kosten vor Ort sind praktisch vernachlässigbar. Es ist durchaus nützlich, zu zweit zu fahren oder sich vielleicht einen chinesichen Guide zu mieten. Ein Vorschlag könnte ja zB ein chinesicher Student aus Deutschland sein, der auf Heimattour ist und der sich dafür zur Verfügung stellt. Und in Shanghai und Hangzhou kann man wunderschöne Städte und sehr freundliche Menschen sehen und eine Dynamik, die sonstwo ihresgleichen sucht.

DT

PS: Endlich wieder zurück in SGP, wo das Taxi Ledersitze mit Mercedes-Emblem hat, nicht gehupt wird und die Toiletten immer sauber und mit ordentlich viel Papier ausgestattet sind :-)

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  • Kleiner Reisebericht aus dem Hinterland Chinas (mT) - DT, 29.10.2014, 14:20 [*]
    • Ganz herzlichen Dank - cassi, 29.10.2014, 15:25
    • Wahnsinn... vielen herzlichen Dank! (oT) [ [ kein Text ] ] - Griba, 29.10.2014, 15:41
    • Nur daß man sich mal ein Bild machen kann vom Flughafen in Changsha: (mBuT) - DT, 29.10.2014, 15:59
      • @DT: Gute Nachrichten zur Info… - Chef, 29.10.2014, 16:10
    • (Beitrag gelöscht wegen unterirdischer Rechtschreibung) (oT) [ [ kein Text ] ] - Ramsis1, 29.10.2014, 16:17
    • Geht auch bei uns sehr schnell........... - ottoasta, 29.10.2014, 16:24
      • Hallo Otto, bei uns kostet der km Glasfaserleitung 50.000 EUR (mTuL) - DT, 29.10.2014, 16:43
    • Überfällig! ... herzlichen Dank. DT, für - Jeanna, 29.10.2014, 16:47
    • Ich liebe Deine Berichte aus dem Ausland - stocksorcerer, 29.10.2014, 16:52
      • Hallo Stocksorcerer, bzgl. Korea (mT) - DT, 29.10.2014, 16:59
        • Koreaner sind wohl mit die am härtesten arbeitenden Menschen. - Olivia, 30.10.2014, 21:21
          • Die sind ja auch noch "jung" - Nonpopulo, 30.10.2014, 22:51
            • Viele Europäer - auch wenn sie nicht mehr ganz jung sind - arbeiten auch sehr hart (mT) - DT, 31.10.2014, 01:40
              • Viele Ältere, ja aber nicht die "Null-Bocks". - Olivia, 31.10.2014, 18:24
            • Irgendwie paßt das.... erstaunlich. - Olivia, 31.10.2014, 17:20
    • Deinen Reisebericht mag ich, Deinen subversiven Antiamerikanismus liebe ich!!! (oT) [ [ kein Text ] ] - Bernadette_Lauert, 29.10.2014, 17:42
    • Großen Dank für den Excurs in eine andere Welt und die Links! (oT) [ [ kein Text ] ] - modesto, 29.10.2014, 17:45
    • Anbei noch DTs Fotos von den Glasfaserspleißern ... oT - igelei, 30.10.2014, 07:52
    • Toller Bericht, vielen Dank! (oT) [ [ kein Text ] ] - Centao, 30.10.2014, 11:37
    • Chapeau für Deinen Reisebericht = wie Goethe`s Reise nach Italien oder in die Schweiz - Leserzuschrift, 30.10.2014, 19:59
    • Ebenfalls einen ganz herzlichen Dank! - Olivia, 30.10.2014, 21:03
    • Vielen Dank für den tollen Bericht (und die Asien-Antworten) - Musst neulich an Dich denken... (Edit) - azur, 30.10.2014, 23:00
    • Kleiner Reisebericht aus Mitteldeutschland (mT) - Durran, 30.10.2014, 23:31

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