Aus der Sicht eines Beamten, einfache Laufbahn, geschrieben in der Mittagspause :))
Hallo Divinum,
## 1. Warum fehlt bei dem "Protokoll" das Datum? ##
Auf deinen 1. Blatt steht klar und deutlich das Datum: An der am 20.1.1942 in Berlin... Aber etwas anderes, ich meine du beißt dich, bei aller Mühe, an Formalien fest.
Einige Sitzungen mit einem Protokoll habe ich schon mitgemacht. Innerhalb der Behörde wird eher selten ein Protokoll geführt, meist wird dort mit Vermerken gearbeitet, und wenn, dann prüft keiner lückenlos nach, ob diese Protokolle den gesamten Umkauf, über alle beteiligten Stellen und noch vielen anderen, Nichtbeteiligten, ob dabei alle korrekt als gelesen abgezeichnet haben. Die behördeninternen Dinger kommen zur absendenden Stelle zurück, ab zu den Akten und das war es dann, wenn nicht schon jemand den behördeninternen Postweg in dem Sinne abgekürzt hat, das er einfache Protokolle einfach in den Müll befördert hat, samt Umlaufmappe mit dem Zusatz "eilt, wichtig". Was für ein taktischer Fehler, denn gerade deswegen war es besonders reizvoll einige Blätter aus dem Protokoll als Schmierzettel umzufunktionieren, denn die Rückseite war fast immer leer und noch gut dafür zu gebrauchen.
Eher, und hierbei habe ich mir dann jedes Mal meine Pampers umgebunden, den Pistolenhalfter von meinem Großvater aus der Truhe umgebunden, war das Protokoll wichtig, bei Absprachen zwischen Behörden, in meinem Fall die Baubehörde und einem privaten Bauherrn. Der hoch zu Ross, mit Anwalt und zusammen mit einem Zeugen eingeritten kam. Hierbei ging es in der Tat darum wer zum Schluss die Aspirin fressen musste. Das sind allerdings Verhandlungen mit einem offenem Ausgang, von zwei Parteien mit entgegengesetzten Interessen, es geht oft um viel Geld und hier haben Protokolle eine ganz andere Wertigkeit, gehen als Ablehnung oder Genehmigung in die Akten mit ein, gerichtlich einklagbar.
Wie wir die Regierungsform der Nationalsozialisten auch benennen wollen, es war eine stringent organisierte Diktatur mit einem Führer, seinem engen Kreis, das Politbüro, und einigen wenigen zusätzlichen Verantwortlichen, in der Exekutive, der Gesetzgebung, der Justiz und beim Militär. Eine Staatsform von oben nach unten, perfekt organisiert. Das bedeutet, das die Zielrichtung, die Eckdaten, das Ergebnis einer solchen Sitzung vorgegeben waren, und die Teilnehmer hatten nur jeweils die organisatorischen Lücken auszufüllen gehabt, die praktische Durchführung abgestimmt, aber viel zu verhandeln im Sinne von Meinung und Gegenmeinung gab es dabei nicht, wie in keiner Diktatur.
Darum sind solche Protokolle auch nicht streng formgerecht gefertigt und abgelegt worden, für die Nachwelt schon gar nicht. Diese Sitzungen dienten eher dazu die Horde wieder zu versammeln, sie auf Vordermann zu bringen, ihnen noch einmal einen gehörigen Angstschock zu versetzten, nicht aus der Reihe zu tanzen. So sehe ich das jedenfalls und manches andere von deinen Fragen, außer du packst noch viel schieres Fleisch dazu, zu deinen Fragen nach den formalen Fehlern bei dem Wannsseprotokoll.
bis denne
eisenherz
gesamter Thread:
- Offtopic: Das sog. "Wannsee-Protokoll" -
Divinum,
30.12.2007, 18:31
- Die selbe Vorgehensweise, wie bei Bilanzierungsbetrug ;-) - Wikinger, 31.12.2007, 02:44
- WUT! - imperator, 31.12.2007, 03:06
- @Divinum: Schön, dass du wieder mitschreibst! -
Mephistopheles,
31.12.2007, 05:40
- @Divinum: Schön, dass du wieder mitschreibst! -
Divinum,
31.12.2007, 07:13
- @Divinum - Land der Alten, 31.12.2007, 07:34
- @Divinum: Schön, dass du wieder mitschreibst! -
Divinum,
31.12.2007, 07:13
- Wannsee-Protokoll Nr. 16 - Land der Alten, 31.12.2007, 05:51
- Aus der Sicht eines Beamten, einfache Laufbahn, geschrieben in der Mittagspause :)) - prinz_eisenherz, 31.12.2007, 06:11
- Haben die Geschichtsverdreher also selber geschrieben, na prima. (oT)
-
Taktiker,
31.12.2007, 06:42
- Offtopic: Das sog. "Wannsee-Protokoll" - Artois, 31.12.2007, 08:16
