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@dottore: Die EZB hält die europ. GBs also für gesund? mkT

schwaigi, Samstag, 19.01.2008, 07:26 (vor 6579 Tagen) @ dottore

Hi igelei,

... Da wäre ich mir nicht ganz so sicher.


Ein zentrales Dokument für die Einschätzung der wichtigsten EZB-ZB, der
Buba nämlich, galt beio diversen Besprechungen als "benchmark":

http://www.bundesbank.de/download/volkswirtschaft/mba/2007/finanzstabilitaetsbericht200...

Die Essenz des Ganzen (wurde hier schon mal kurz gestreift): Im "Kern" sei
das "Finanzsystem" gesund und könne sogar einen "Crash" um 30 % ohne
weiteres "abfedern."

Mal folgendes Szenario
durchgespielt: Es sieht also derzeit so aus, dass Hubi-Ben seine
Pressekonferenz mit den 75 BP NICHT abgehalten hat.


Das hat er sich verkniffen. Möglicherweise war es das italienische
EZB-Direktoriums-Mitglied Lorenzo Bini Smaghi, der als klügster
Kopf des ganzen Gremiums gilt, der die entsprechenden (möglichen)
EZB-Maßnahmen bzw. Gegenmaßnahmen in die USA weitergeleitet hat. Bini hat
sich erst letzte Wocvhe in einem Interview mit "La Repubblica" vehement
gegen eigenmächtige Zinsschritte der Fed erlärt.

http://www.ecb.int/ecb/orga/decisions/html/cvbinismaghi.de.html

Nun gibt es mehrere
Möglichkeiten, er macht sie dieses Wochenende noch oder die FED macht

eine

Notsitzung und senkt oder was auch immer, jedenfalls entweder nimmt die

FED

die Konfrontation an, oder sie tut es nicht.


Steht in den Sternen. Die Fed ist eindeutig der schwächere Part im Großen
Spiel. Jemand hat es so ausgedrückt: Sie habe nur noch eine letzte Kugel
im Lauf und die würde man gegen sich selbst abfeuern.

Das der Dow wieder kippte,
deutet für mich darauf hin, dass sie erstmal keine Konfrontation

wollten.

Gut möglich.

Das löst aber noch kein Problem. Überlegung der EZB dürfte sein, den
Krebsherd (hauptsächlich in den USA) im Wachstum zu begrenzen, a la

Japan

1990 lokal zu lassen und ihn nicht in die Weltwirtschaft wuchern zu
lassen.


Das scheint die Strategie zu sein.

Aber wie wahrscheinlich ist es, dass das gelingt? Das
US-Habidefizit bedeutet nämlich auch, dass die der Hauptmotor der
Weltwirtschaft sind, importieren die plötzlich nichts mehr, gehen auch
anderswo die Lichter aus.


Ganz richtig. Die asiatischen Indices sind sub summa keine Wonnen.

Ich habe mal irgendwo die Theorie geört, dass
das D nicht so sehr treffen würde, weil die Chinesen auf lange sicht

die

Billigproduzenten der Welt sein werden und die dazu notwendigen

Fabriken

in China werden von uns gebaut (zumindest die ersten paar, danach

kopieren

sie die Chinesen einfach).


Ja, siehe Flugzeuge usw.

Wie geht es also weiter? Amiland muss etwas tun, die Senkung kommt

daher,

nur eben ein wenig später. Helfen wird es genau so wenig wie in Japan.


Ja. Es könnte aber den üblichen Börsenlupf geben. Doch selbst der ist
fraglich. Denn Dr. Ben muss irgendetwas dazu erklären und mit einem
"vorbeugend" kommt er nicht mehr davon.

Wenn die Citi schon bei irgendwelchen Scheichs Geld sammelt, sind sie
ohnehin bereit, Anteile an andere abzugeben.


Eine andere Quelle meint, die Deals seien zwar angedacht mit "papers of
intents" o.ä., aber von einem Vollzug sei noch nichts zu sehen. Sollte
einer der "Investoren" abspringen (KIA gilt - wie gessagt - als besonders
vorsichtig), wäre der Ofen fix aus.

Auch ohne Konfrontation
zwischen FED und EZB. Europäische Übernahmeversuche würden daher im
Prinzip offene Türen einrennen. Aber dazu braucht man Kapital und

gesunde

Banken, haben wir die wirklich?


Eher nicht. Möglicherweise ließen sich aber die Papiere, die allesamt auf
"Wandelanleihen" rauslaufen mit Hilfe der EZB kurzfristig und
prolongierend finanzieren. Auch macht ein Modell die Runde, dass die (auch
nicht so kleinen) "Dollarreserven" in Euroland in Zwischengesellschaften (à
la Staatsfonds) gepackt würden. Man hätte halt dann statt Staatspapieren
(Treasuries) private.

Die einzigen, die in Amiland einkaufen
können, sind aus meiner Sicht die Scheichs, die sich beim Öl in den
letzten Jahren vermutlich dumm und dämlich verdient haben, die Chinesen
mit ihren Dollarbergen und die Russen.


Die Scheichs haben sich schon die Finger verbrannt, außerdem haben sie
Angst vor einem Ölpreis-Crash und ein maassives Problem mit Inflation
(soziale Unruhen), weshalb sie mit ihren Dollar-Pegs nicht so glücklich
sind. Dazu kommen tatsächliche Förderprobleme und diverse OPEC-Staaten,
die bereits ausgestiegen sind bzw. nicht als US-Investoren in Frage
kommen. Die Chinesen evtl. noch, die Russen auf keinen Fall
(geopolitisches Tamtam).

Europa ist vom Lebenszyklus des
Wirtschaftssystems genau so pleite wie die Amis selber. Der einzige
Vorteil von uns ist, dass wir noch ein bisschen was industriell

herstellen

können, das wars aber auch schon.


Ja, aber bei den Exporteuren geht Angst um (Maschinenbau sieht
"Schwäche")und einige Kurse (MAN usw.) sind auch keine Augenweide mehr.

Das sie auf Rache wegen der Subprimes aus sind, ist verständlich aber

in

einer vernetzten "globalisierten" Welt nicht unbedingt klug, erst recht
nicht, wenn man die Finanzmärkte als ein einziges Gebilde betrachtet,

was

sie letztendlich sowieso schon lange sind.


Nein, dieser US-Betrug hat Folgen.

Für mich denke ich, dass ein bissel Bargeld in der Tasche sicher eine

gute

Idee ist, auch anständig Cash (>60%) im Depot, damit man im Falle einer
negativen Spekulationsblase (Dank an @weißgarnix für die Büchertips,

bin

grade bei Kindlebergers Manien, Paniken, Crashs) ein wenig Chancen

nutzen

kann, sofern die Märkte noch funktionieren sollten und den Rest (knapp
40%)darauf gesetzt, dass die Welt auch dieses Mal nicht vor dem Ende

steht

(Citi long, Dollar long und was man sonst so hat).


Pure guessing, zumal die Probleme mit Basel II sich erst warm laufen.
Banken können nur Geld verdienen, wenn sie gut Schuldner haben. Und die
sind rar: Denn wer gut drauf ist, braucht Banken nicht, wer schlecht drauf
ist, wird abgewiesen.

Und die
Weltenendeversicherung ist ein knappes % Physisches bewertet mit nem
Eurotz pro Unze, obs helfen würde, weiß eh keiner.


Ja.

Also noch mal, entweder Konfrontation mit versuchter Krisenbegrenzung

auf

Amiland demnächst oder eine Einigung und der gemeinsame Versuch, die
Probleme zu lösen.


´Die Problemlösung heißt nicht Prolongation oder Geldschüttung, sondern
Ausbuchen.

Letzteres halte ich für wahrscheinlicher, weil niemand
wirklich genau weiß, wie es um die Gesundheit unserer Banken bestellt
ist.


Ja, wir wissen wenig bis garnichts. Den obigen Buba-Bericht halte ich für
schlicht geschönt. Die Volumina von Schattenbanken und
Offshore-Derivate-Künstlern sind so gut wie überhaupt nicht
berücksichtigt.

Gruß!

Dottore und Igelei vielen Dank für die momentan bestmögliche Erklärung der Sachlage.
Wobei mich Dottore mit dem "Game over" neulich doch sehr verwundert hat.

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