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Das waren ganz klar Ausbildungsstellen (ed)

azur @, Donnerstag, 07.02.2013, 14:46 (vor 4896 Tagen) @ dottore
bearbeitet von unbekannt, Donnerstag, 07.02.2013, 15:04

Hallo dottore,

ergänzend zu Matthias:

Hoschulberechtigung war in der Regel das Abitur.

Das wurde entweder an den DDR-Gymnasien - genannte Erweitere Oberschule - EOS abgelegt. Oder konnte später auch parallel zur Berufsausbildung abgeelgt werden (sowei an der Abendschule, für Berufstätige).

Bis 1980 gingen die, die eine der heiß begehrte "Abikarten", d. h. Zulassungen zum Abi, ab der 8. Klasse auf die EOS, bis einschließlich des 12 Schuljahres. Dannach ging man ab der 11. Klasse für zwei Jahre dorthin. Alle waren also bis zu 10. Klasse in einer Schule, dann ging die Masse in die Lehrausbildung und ein paar Auserwählte zur EOS oder zur BmA - Berufsausbildung mit Abitur.

(Ausnahmen waren immer 1-2 von einer durchschnittleich Klassengröße von 28 - 32 Kindern oder Jugendlichen an den POS - den normalen Schulen, die nach der 8. abgingen, weil deren Motivation und Leitungen nicht stimmten. Die machten dann Hilfsarbeiter- Ausbildungen. Ja, Ausbildung hierzu).

Aus den 28-32 Kindern wurden in der Regel 2 Kinder zum Abi ausgewählt. In Berlin heiße Schlacht, in einigen Teilen des Lnades, erfuhr ich dann im Wehrdienst mit Leuten aus der gesamten Republik, war das nicht überall so begeht. In den Großstädten schon.

Die Abiturzulassung, die Abikarte, erhielten nicht nur Linientreue, sondern auch andere. Kirchliche waren auf oft auf die n wenigen, fast unbekannten, z. B. Katholischen Schulen (Berlin Mitte, Berlin Weißensee usw.) angewiesen.

Mir wollte man die Karte nicht geben, weil zu renitent (auch die Eltern) und ich mich nicht zum 25jährigen Wehrdienst pressen lassen wollte. Wer das machte, also sich zur 25 Jahre Armee verpflichtete, der hatte Vorteile. War 2bester der Klasse.

Meine Ex hat in Sachsenanhalt als absolut Schulbeste Schwierigkeiten bekommen, weil deren Mutter Schuldirektorin und der Vater Jugendherbergsleiter (historische, ewige Baustelle - keine gewöhnliche JH) war. Damit galt sie nicht als Arbeiterkind, sondern Kind von Angehörigen der "Intelligenz". Da wurden allen ernstes die Eltern eingeladen und sie sollten ihr Verständnis für die Nichtauswahl schriftlich erkklären. Hat sich aber alles nicht durchhalten lassen und sie und ihr Bruder waren dann auf einem uraltehrwürdigen Internat. Harte Schule, beide heute promoviert.

Auch meine Eltern haben einen Aufstand veranstaltet und ich bekam dann die eine "Sonderkarte" des Bildungsstadtrates. Die hatte er zu verteilen.

Zum Eigentlichen: der Berufsausbildung mit Abitur. Das hat noch zwei Besonderheiten.

Zum einen: EOS und normale Berufsausbildungen (Lehre) waren in aller Regel 2 Jahre. Die Berufsausbildung mit Abi 3 Jahre.

Und: in den BmA fehlte immer ein übliches Hauptfach: Entweder Chemie oder Biologie. Der Grund war, dass die BmA-ler in aller Regel in der Wirtschaft arbeiten sollten, als Ingeniere. Die Tierpfleger mit Abi, wie Gysi und andere, hatten Bio, aber keine Chemie. Wir kein Chemie, also kein vollwertiges Abi.

Ausnahmen waren angehende Berufslehrer oder Armee bzw. welche, die von Staatsanwaltschaften, Polizei, Rechtsanwaltskammern zum Studium delegiert wurden.

Das fehlende Fach konnte man auch in der Abendschule separat ablegen und so doch z. B. Medizin machen. Aber der Druck auf die Jungendlichen war abstrus groß, entwder Offizier oder Ingenieur zu werden.

Die Baufacharbeiterstellen mit Abi waren definitiv Ausbildungsstellen.

Bauarbeiter hatten kein Abi.

Es gab nur wenige mit Abi. Und von denen konnten zwar alle studieren, aber wiederum nur wenige promovieren.

Dazu muss man noch sagen, dass alle Westler vom Himmel fielen, wie das Verhältnis Lehrende und Studenten war. Das ist fast Oxfordqualität gewesen, wo jeder einen Mentor hat. Das war im Osten nicht so, aber jeder Prof kannte seine Studenten recht gut. Auch die Profs. und Dozenten betreuten die Seminargruppen und Studienjahre intensiv.

Kann man heute auch haben, aber man muss sich schon sehr um Kontakt bemühen. Also so ein Verhätnis zu einem Prof zu bekommen.

Noch was zu @Anno. Völlig zu Recht weist er darauf hin, dass die Ost-Wissenschaftler nicht per se besser gewesen wären. Nein, kann keiner behaupten. Aber gewiss auch nicht schlechter.

Es wurde überall viel härter gesiebt. Die Masse wurde in den Betrieben als Facharbeiter gebraucht (man sagt, die DDR hatte viel zu hohe Lohnkosten, weil fast alle als Facharbeiter entllohnt wurden).

Aber es kamen natürlich auch schlimme Kriterien zu Anwendung. Nicht so Linientreuen hat man die Weg nach oben verpserrt, wo man konnte. Ein lieber Freund von mir, ist sogar von nachweisbar intensiv von der Stasi behindert worden, obgleich er 2.Bester des Studienjahres war. Die haben ihn rausekeln lassen (1984) und dann seine Aufnahme an einer theologischen Fakultät (im Osten hießen diese Sektionen) zu verhindern gesucht, bis sich in Jena ein Mutige fand, der ihn aufnahm.

Und bei Jura? Na da waren auch eine Menge Dummer dabei. Aber das ist auch heute nicht viel anders.

Damals vorwiegend, weil sie gut anpasst waren. Aber das ist nicht generell so - es gab Ausnahmen.

Übrigens waren die Juristen in Jena, die von den Staatsanwaltschaften delegiert worden waren, fast alle in der Partei*, aber hernach keiner mehr, bis auf Prof. Riege (MdB).

Parteizugehörigkeit ist ein anderes Thema, aber es muss gesagt werden, dass das nicht viel sagt. Viele aus reiner Berechnung. 2,3 Mio, die im Grunde sofort weg waren, als es ging, und dann sofort von ganz rechts bis ganz links aufgestellt waren. März 90 - und die angeblich Roten mussten sich nicht mehr covern. 99 % weg und völlig anderer Meinung.

Naja, in Polen waren die "Kommunisten" fast alle katholisch und ging auch zur Hälfte in die Gemeinde.

In BRD-Ministerien müssen ja bei bestimmten Laufbahnen zu Beginn Laufbahngespräche geführt werden: Wer kann wie was werden. Da sagt man ganz klar: Ab Ebene xy nur mit Parteibuch CDU, FDP, SPD und nun auch Grün.

Was nichts verharmlosen soll von dem Stumpfsinn und der Grausamkeit des Ostens, wo man abgeholt und eingeknastet werden konnte, wenn man das falsche gesagt hatte.

Wo an den Unis Literatur gesperrt wurden (hatte aber einen Dozenten, der mir alle Freigaben erteilte, die ich wollte. Die 99 anderen interessierte das gar nicht).

Spannend ist, das in der DDR wohl nur ausgebildete Bauarbeiter waren. Heute sind die Meisten Ungelernte.

Viele freundliche Grüße, allen Genannten,

azur


PS: Peter Michael Diestel, hat auch BmA. Den wie Gysi.

PPS: Alter Gänsefuss-Mann? Das bekommt man nicht weg, oder? [[freude]]

* weil die Rechtstudenten ja besonders "Bewusste" waren, hatten sie in Jena das mit weitem Abstand schlechteste Studentenheim. 3 Leute in 9 qm-Buden, Baracke, nicht unterkellert, auf 64 Mann 3 Herde, eine Dusche und 9 Waschbecken (und in jedem Zimmer ein IM - nur die spannenden Bereiche hatten eine hohe Durchsetzung von 1/3tel. Die Masse so nicht überwacht worden und hat ja auch keine Akte. Post und Telefon wurden alle überwacht - aber das war und ist in der "BRD" ja nicht anders, wie man nun genau weiß).

Es ist nicht so, dass die Vorteile der z. B. Parteizugehörigen durchweg da waren. In aller Regel sind Parteizugehörikeiten auch mit lästigen Pflichten verbunden. Härter Arbeiten, mehr Kontrolle.

Meine Mutter durfte aber nur Abteilungsleiterin ohne Leute werden, weil sie nicht in der SED war.

Keineswegs will ich irgend was verniedlichen. Den Scheixladen will keiner zurück.

Es ist aber übel, wenn ich meiner West-Schwiegermutter sagen muss, dass zwar alle meckern, aber durchweg gern die geschaffene Kindergartenstruktur hin im ehemaligen Osten nutzen. Und was kam? Der Kalssiker: 'Autobahn'.

Na so kann man dann eben keine Fakten sprechen lassen, wo alle Urteile schon klar sind, klar sein müssen.

In Westseminaren, haben wir ausgiebig Rechtsgeschichte in Ost und West verglichen. War das ein Erstaunen, was es alles auch gab. Am Ende wurde dann in der Wertung von den Studenten sinnlose Gemeinschaftskundesätze rangepappt, um ja "richtig" dazustehen. Ganz wie in der üblen, konformistischen Kleingeistdiktatur DDR. Die Lehrkörper verzweifelten.

Aber was will man machen: Anpassen ist eben leider fast überall eine der erolgversprechenden Methoden.

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        • Was soll der Quatsch, die Doktorarbeit von Merkel ist nicht verschollen. (mL) - DT, 06.02.2013, 12:22
          • Leider "kriegst" Du sie auch damit nicht "dran". - neptun, 07.02.2013, 02:08
    • Doktorarbeit zugleich Hochschulabschluss - Michael Krause, 06.02.2013, 12:20
      • War mal sehr üblich - daher rührt eigentlich das Rigorosum - azur, 06.02.2013, 15:57
        • Das Standart-Rätsel - Leserzuschrift, 06.02.2013, 17:50
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                • In der "DDR" habe ich ... - dottore, 07.02.2013, 13:06
                  • Es gab Lehrberufe mit Abitur - M. S., 07.02.2013, 14:03
                  • Das waren ganz klar Ausbildungsstellen (ed) - azur, 07.02.2013, 14:46
                    • Kleine Ergänzung - Anno2013, 07.02.2013, 20:28
                      • "Das ist ein bißchen naiv. SPD&Co. sind keine Kader-, sondern Massenparteien..." Soso: 2,3 Mio SEDler auf 17 Mio Einwohner (e - azur, 10.02.2013, 00:25
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                      • War wohl nach Deiner Zeit - ab Jg. 66 @dottore (Edit) - azur, 09.02.2013, 20:55
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