Kein Jurist folgt diesen Eigentumstheorien - (ed + edit-edit)
Hallo Bill,
den möcht ich gern sehen, für den das so zutreffen soll:
Wobei wundern tu' ich mich eigentlich nur darüber, dass sie
heute immernoch, gerne auch von Juristen als vernünftige Eigentumstheorie
zitiert wird. Abenteuerlich.
A) die absolute Masse der Juristen hat von so etwas gar keine Ahnung und es interessiert sie auchnicht, weil es für sie ganz und gar keine praktische Relevanz hat.
Die kennen die Rechtssprechung. Und das wars.
B) kein Jurist ist verpflichtet das zu lernen. Das wird im Fach Rechtsphilosophie, vielleicht ein wenig im Staatsrecht oder der Rechtssoziologie behandelt. Das sind im Studium absolute Randgebiete.
Es gab immer wieder Versuche, diese Lehrinhalte verstärkt einzubinden, weil es die Kompetenz der Juristen erweitern soll (in der DDR war im sogenannten Studium von "Staat und Recht", es hieß nie Jurastudium, viel davon gelehrt - das materielle Recht wurde dabei ebenso geschafft, es gab aber weniger Mateire: Kaum Steuerrecht usw., Literatur und Rechtsprechung).
Und selbst die Rechtsphilosophen finden so etwas alles ganz ungemein spannend, aber können nicht diesen Theorien folgen. Für Juristen ist Eigentum ein in der Historie entstandenes Institut, dass schlicht benötigt wird. irgendwer muss doch bestimmen können, wer was mit einer Sache anfangen kann.
Kant und andere werden geliebt, aber sie sind nur Ideegeber für weitergehende Diskurse. Die absolute Masse von juristischer Literatur und Tagungen hat damit nichts zu tun.
Hierzu muss ich nur darauf hinweisen, dass die Marxisten nicht, wie es gern kolportiert wird, und ohne sie in Schutz nehmen zu wollen, sämtliches Eigentum abschaffen wollen. Sondern 'nur' das Privateigentum an Produktionsmitteln. Stellenweise hieß das auch, wie in der SU, Boden (in der DDR verloren die Bauern ihr Eigentum nicht an die LPG. sondern überließen diesen das meist wenige - es blieb aber ihres. Bei Weimar gab es große Gebiete, wo auf Privatboden - ohne LPG oder GPG - erheblich verdient wurde).
Genau an der Stelle treffen sich mEn die Liberalen, Libertäre,
Demokraten, Sozialdemokraten, Sozialisten und wie sie alle heißen.
Die einen wollen mit ihrem Eigentum einfach nur in Ruhe gelassen werden
(und verstehen nicht, dass ihr Eigentum nur deshalb einen Preis >0 haben
kann, weil sie es rechtmäßig - per Zentralinstanz - verlieren können).
Die anderen wollen das Eigentum gleich ganz abschaffen (und damit das
Wirtschaften als solches).
Die nächsten sind dafür als Lösung das unendliche Anwachsen der
Eigentumspreise zu forcieren...Kant wusste über das Eigentum, dass es bedeutet "allen andern eine
Verbindlichkeit aufzulegen, die sie sonst nicht hätten." (Die
Metaphysik der Sitten - Erster Teil. Metaphysische Anfangsgründe der
Rechtslehre - 1. Teil. Das Privatrecht vom äußeren Mein und Dein
überhaupt - 2. Hauptstück. Von der Art, etwas Äußeres zu erwerben - §
2. Rechtliches Postulat der praktischen Vernunft)
Und hier muss man Kant, der ja kein Jurist ist, zumindsest doch interpretieren:
"1732 kam Kant an das Collegium Fridericianum (auch Friedrichskollegium genannt), wo er insbesondere im Erlernen der klassischen Sprachen gefördert wurde. Bereits 1740 begann er mit dem Studium an der Albertus-Universität Königsberg. Ob er zunächst für Theologie eingeschrieben war, wie es einer der frühen Biographen darstellte, ist aus den Unterlagen der Universität nicht mehr zu rekonstruieren.[3] In jedem Fall interessierte sich Kant sehr für die Naturwissenschaften und beschäftigte sich u. a. mit Philosophie - seinem eigentlichen Studienfach - sowie mit Naturphilosophie und elementarer Mathematik.,
dadurch wurde er 1755 Privatdozent in Königsberg und nahm eine umfangreiche Lehrtätigkeit auf. Zu seinen Lehrfächern gehörten Logik, Metaphysik, Moralphilosophie, Natürliche Theologie, Mathematik, Physik, Mechanik, Geografie, Anthropologie, Pädagogik und Naturrecht." (Wiki)
Eigentum ist ein Verfügungsrecht und soll bekanntlich und fast sprichwörtlich andere von dem Gebrauch ausschließen.
Insofern auferlegt es anderen höchsten indirekt Pflichten, in dem es diese ausgrenzt. Welche Verbindlichkeiten meint Kant?
Juristen würden das so nie beschreiben, denn Verbindlichkeiten entstehen meist nur gegenüber dem Staat bzw. Tributforder sowie einem anderen im Rechtsgeschäft, bzw. Schadensersatz (zivirechtlichem und dort sogenannten Deliktsrecht).
Kant hat ungemein gründlich gedacht und erklärt. Das kann man gar nicht genug bewundern und dabei lernen. Als ich es vor ein paar Monaten wieder las, stockte mir oft der Atem vor Begeisterung.
Aber Juristen müssen sich mehr an vergleichbaren den Größen im eigenen Fache, wie Savigny oder Jhering und Windtscheidt halten. Das gibt einem mehr.
Was immer passiert: Es gibt ein Mein und Dein und den Regelungs- und Ausgleichsbedarf, es sei denn man kriegt es wieder in rechtsfreien Gemeinschaften hin, die aber oft auch blutige Lösungen haben.
Viele freundliche Grüße
azur
Edit: Kant betrachtet und analysiert. Das ist nicht durchweg von wirklicher Sachkenntnis des Rechts- und Wirtschaftslebens geprägt, und auch die großen Juristen seiner Zeit waren damals erst dabei, dass zu durchsteigen und zu präzisieren.
Edit-Edit: man mag sich eine Diskussion vor dem Gericht wie eine Verhandlung vor dem königlich bayrischen Amtsgericht vorstellen, aber das geht absolut an der Praxis vorbei, wo es meist (und ohne Mandantschaft im Schlepptau) sehr, sehr nüchtern zugeht. Niemand kann dort mit klugen Zitaten herumfuhrwerken. Die haben dort im Grunde keinerlei Relevanz.
Der Lehr- und Prüfungsstoff der Juristen verdoppelt sich seit etwa einem Jahrhundert kontinuierlich mit jedem Jahrzehnt. Das geht vor.
Allein das, besonders für deutsche Denkart, furchtbare Europarecht...
--
ENJOY WEALTH
(Groß-Leucht-Reklame am Gebäude Lehmann-Brothers/NY)
Meide das Destruktive - suche das Konstruktive.
gesamter Thread:
- WOW: Die europäische Idee ist "voll Nazi": Die FAZ spürt die Wurzeln des Europäischen Gedankens unterm Adolf auf -
Gaby,
13.05.2014, 18:09
- Nicht nur die FAZ -
Jermak,
13.05.2014, 21:03
- Von der IG-Farben zur EU - kieselflink, 14.05.2014, 02:48
- Europa ist ein bisschen älter -
Weiner,
14.05.2014, 11:21
- Da hat der Papst uns ja ein Ei ins Nest gelegt! -
baisse-man,
14.05.2014, 21:22
- Eigentum, Eigentumstheorie, Kant vs. Locke -
BillHicks,
14.05.2014, 23:19
- Kein Jurist folgt diesen Eigentumstheorien - (ed + edit-edit) -
azur,
15.05.2014, 00:01
- Rechtssoziologie, Europarecht -
BillHicks,
15.05.2014, 20:38
- Literaturempfehlungen - RogRog, 16.05.2014, 00:43
- Ausreißer?! Literatur Rechtssoziologie - azur, 16.05.2014, 02:03
- Rechtssoziologie, Europarecht -
BillHicks,
15.05.2014, 20:38
- Kein Jurist folgt diesen Eigentumstheorien - (ed + edit-edit) -
azur,
15.05.2014, 00:01
- Eigentum, Eigentumstheorie, Kant vs. Locke -
BillHicks,
14.05.2014, 23:19
- Da hat der Papst uns ja ein Ei ins Nest gelegt! -
baisse-man,
14.05.2014, 21:22
- Nicht nur die FAZ -
Jermak,
13.05.2014, 21:03
