Rechtssoziologie, Europarecht
Hallo Bill,
Hallo azur,
den möcht ich gern sehen, für den das so zutreffen soll:
Wobei wundern tu' ich mich eigentlich nur darüber, dass sie
heute immernoch, gerne auch von Juristen als vernünftige
Eigentumstheorie
zitiert wird. Abenteuerlich.
A) die absolute Masse der Juristen hat von so etwas gar keine Ahnung und
es interessiert sie auchnicht, weil es für sie ganz und gar keine
praktische Relevanz hat.
das mag schon richtig sein. Ich habe trotzdem jüngst von einem - erklärtermaßen libertären - Juristen die Eigentumstheorie von Locke präsentiert bekommen.
Die kennen die Rechtssprechung. Und das wars.
B) kein Jurist ist verpflichtet das zu lernen. Das wird im Fach
Rechtsphilosophie, vielleicht ein wenig im Staatsrecht oder der
Rechtssoziologie behandelt. Das sind im Studium absolute Randgebiete.
Schade eigentlich.
Hab derzeit ein Buch dazu auf meiner Liste:
Susanne Baer - Rechtssoziologie
Kennst Du das? Oder sonst jemand hier? Gibt es sonst Empfehlungen in dieser Richtung?
Es gab immer wieder Versuche, diese Lehrinhalte verstärkt einzubinden,
weil es die Kompetenz der Juristen erweitern soll (in der DDR war im
sogenannten Studium von "Staat und Recht", es hieß nie Jurastudium, viel
davon gelehrt - das materielle Recht wurde dabei ebenso geschafft, es gab
aber weniger Mateire: Kaum Steuerrecht usw., Literatur und
Rechtsprechung).
Nicht nur die Kompetenz der Juristen könnte sich damit erweitern. Mir schwebte vor allem vor die Kompetenz der Ökonomen zu erhöhen. Insbesondere sollte es sich doch lohnen die Kompetenz zu erhöhen Eigentumsstrukturen in solchen Ländern zu schaffen oder zu verbessern, die wirtschaftliche Probleme aufgrund nicht vorhandener oder defizienter zivilrechtlicher Infrastruktur haben.
Und selbst die Rechtsphilosophen finden so etwas alles ganz ungemein
spannend, aber können nicht diesen Theorien folgen. Für Juristen ist
Eigentum ein in der Historie entstandenes Institut, dass schlicht benötigt
wird. irgendwer muss doch bestimmen können, wer was mit einer Sache
anfangen kann.
"In der Historie entstanden." Doch nicht etwa vom Himmel gefallen? So wie auch das Geld 'in der Historie entstanden' ist. So richtig schön langsam aus Glasperlen und Muscheln.
Ich weiß gar nicht genau warum ich an dieser Stelle es nicht verhindern kann zynisch zu werden... Ich hoffe Du siehst mir das nach
Kant und andere werden geliebt, aber sie sind nur Ideegeber für
weitergehende Diskurse. Die absolute Masse von juristischer Literatur und
Tagungen hat damit nichts zu tun.
Ok.
Hierzu muss ich nur darauf hinweisen, dass die Marxisten nicht, wie es
gern kolportiert wird, und ohne sie in Schutz nehmen zu wollen, sämtliches
Eigentum abschaffen wollen. Sondern 'nur' das Privateigentum an
Produktionsmitteln.
Ok, da war ich schon des öfteren unpräzise. Danke!
Stellenweise hieß das auch, wie in der SU, Boden (in
der DDR verloren die Bauern ihr Eigentum nicht an die LPG. sondern
überließen diesen das meist wenige - es blieb aber ihres. Bei Weimar gab
es große Gebiete, wo auf Privatboden - ohne LPG oder GPG - erheblich
verdient wurde).
Das war mir neu. Klingt reichlich willkürlich. Wer hat denn genau erklärt was "Produktionsmittel" sind und was nicht?
Was für ein Quark... aber wir schweifen zu weit ab. Sind ohnehin grenzwertig OT hier.
Eigentum ist ein Verfügungsrecht und soll bekanntlich und fast
sprichwörtlich andere von dem Gebrauch ausschließen.Insofern auferlegt es anderen höchsten indirekt Pflichten, in dem es
diese ausgrenzt. Welche Verbindlichkeiten meint Kant?Juristen würden das so nie beschreiben, denn Verbindlichkeiten entstehen
meist nur gegenüber dem Staat bzw. Tributforder sowie einem anderen im
Rechtsgeschäft, bzw. Schadensersatz (zivirechtlichem und dort sogenannten
Deliktsrecht).
Ja, verstehe ich. Danke.
Kant hat ungemein gründlich gedacht und erklärt. Das kann man gar nicht
genug bewundern und dabei lernen. Als ich es vor ein paar Monaten wieder
las, stockte mir oft der Atem vor Begeisterung.Aber Juristen müssen sich mehr an vergleichbaren den Größen im eigenen
Fache, wie Savigny oder Jhering und Windtscheidt halten. Das gibt einem
mehr.Was immer passiert: Es gibt ein Mein und Dein und den Regelungs- und
Ausgleichsbedarf, es sei denn man kriegt es wieder in rechtsfreien
Gemeinschaften hin, die aber oft auch blutige Lösungen haben.
Ja, sicher haben sie das.
Viele freundliche Grüße
azur
Edit: Kant betrachtet und analysiert. Das ist nicht durchweg von
wirklicher Sachkenntnis des Rechts- und Wirtschaftslebens geprägt, und
auch die großen Juristen seiner Zeit waren damals erst dabei, dass zu
durchsteigen und zu präzisieren.Edit-Edit: man mag sich eine Diskussion vor dem Gericht wie eine
Verhandlung vor dem königlich bayrischen Amtsgericht vorstellen, aber das
geht absolut an der Praxis vorbei, wo es meist (und ohne Mandantschaft im
Schlepptau) sehr, sehr nüchtern zugeht. Niemand kann dort mit klugen
Zitaten herumfuhrwerken. Die haben dort im Grunde keinerlei Relevanz.Der Lehr- und Prüfungsstoff der Juristen verdoppelt sich seit etwa einem
Jahrhundert kontinuierlich mit jedem Jahrzehnt. Das geht vor.
Das klingt nach Irrelevanz...
Ich kenne mich mit Jura nicht aus und habe derzeit auch nicht vor ein Jura-Studium zu absolvieren. Eine Anmerkung sei mir doch gestattet: Wenn sich der Stoff alle 10 Jahre verdoppelt, dann frage ich mich ob es nicht möglich wäre anstatt Daten lieber Prozesse, d.h. Vorgänge und Prinzipien zu lernen?
Oder wie ist das gemeint mit der Verdoppelung des Stoffs? Was für ein Stoff?
Allein das, besonders für deutsche Denkart, furchtbare Europarecht...
Wie hoch schätzt Du den Anteil des 'furchtbaren Europarechts' an den derzeitigen Schwierigkeiten in Europa (insbes. €land)?
Könnte durch vernünftige, rechtssoziologische Grundlagenarbeit nicht ein Recht in Europa etabliert werden, das zumindest dafür sorgt, dass die Infrastrukturvoraussetzungen zum Wirtschaften in Europa überall ähnlich gut sind?
Danach entscheiden freilich immer noch Kreativität, Fleiß usw. über den tatsächlichen Erfolg.
Beste Grüße
--
BillHicks
..realized that all matter is merely energy condensed to a slow vibration – that we are all one consciousness experiencing itself subjectively. There's no such thing as death, life is only a dream, and we're the imagination of ourselves.
gesamter Thread:
- WOW: Die europäische Idee ist "voll Nazi": Die FAZ spürt die Wurzeln des Europäischen Gedankens unterm Adolf auf -
Gaby,
13.05.2014, 18:09
- Nicht nur die FAZ -
Jermak,
13.05.2014, 21:03
- Von der IG-Farben zur EU - kieselflink, 14.05.2014, 02:48
- Europa ist ein bisschen älter -
Weiner,
14.05.2014, 11:21
- Da hat der Papst uns ja ein Ei ins Nest gelegt! -
baisse-man,
14.05.2014, 21:22
- Eigentum, Eigentumstheorie, Kant vs. Locke -
BillHicks,
14.05.2014, 23:19
- Kein Jurist folgt diesen Eigentumstheorien - (ed + edit-edit) -
azur,
15.05.2014, 00:01
- Rechtssoziologie, Europarecht -
BillHicks,
15.05.2014, 20:38
- Literaturempfehlungen - RogRog, 16.05.2014, 00:43
- Ausreißer?! Literatur Rechtssoziologie - azur, 16.05.2014, 02:03
- Rechtssoziologie, Europarecht -
BillHicks,
15.05.2014, 20:38
- Kein Jurist folgt diesen Eigentumstheorien - (ed + edit-edit) -
azur,
15.05.2014, 00:01
- Eigentum, Eigentumstheorie, Kant vs. Locke -
BillHicks,
14.05.2014, 23:19
- Da hat der Papst uns ja ein Ei ins Nest gelegt! -
baisse-man,
14.05.2014, 21:22
- Nicht nur die FAZ -
Jermak,
13.05.2014, 21:03
