Goldstandard heisst Zwangskurs für Gold
Hi Fabio,
Wenn Du einen Goldstandard hast, mit staatlichem Zwangskurs und
Einlösbarkeit in Gold, begrenzt der physische Goldvorrat den Umfang
der
Kreditvergabe.
Wieso Zwangskurs? Zu was denn?
Wenn den Banken eine Einlösbarkeit in Gold vorgeschrieben wäre (die ja nicht in deren Interesse liegt, also nur so durchsetzbar wäre) und Gold vom Markt bewertet würde, würde das Publikum Banknoten immer dann einlösen, wenn der Goldpreis niedrig wäre. Die Banken müssten einlösen, müssten sich das Gold aber vom Markt zurückholen. Das könnten sie aber nur, wenn die Halter zum Verkauf bereit wären, und die würden natürlich warten, bis der Goldpreis gestiegen ist. Die Banken könnten sich also im Gegensatz zum Publikum nicht wie ein normaler Marktteilnehmer verhalten und würden daher zwangsweise permanente Verluste einfahren.
Daher gab es ja auch real einen "Goldstandard": der Geldwert war als feststehende Menge Feingold definiert, d.h. der Goldpreis war gesetzlich fixiert. Das hatte ich Zwangskurs genannt.
Wenn gründungswillige Unternehmer Kredit wollen/brauchen,
der aber mangels Goldvorrat nicht zur Verfügung steht, bremst Du die
Wirtschaft komplett aus. Dun kannst denen ja schlecht erzählen: tut
uns
leid, das müssen Sie warten, bis neue Goldvorräte entdeckt werden,
oder?
Wieso sollte es keinen "Goldvorrat" geben? Knappheit führt doch nur zu
höheren Preisen -> Kredite werden teurer bzw. Gold steigert seine
Kaufkraft.
Findet der investitionswillige Unternehmer keinen Goldkreditgeber, lässt er einfach bei seinen Lieferanten anschreiben (Lieferantenkredit, Wechsel - siehe hier)
Du machst damit doch das genaue Gegenteil von dem, was Du als Liberaler
eigentlich willst: Du behinderst die freie unternehmerische Initiative
durch einen staatlichen Zwangskurs und die Goldbindung der Währung.
Als Liberaler bin ich ja nicht für die ungedeckte Pseudowundertüte,
sondern für Marktgeld.
Na, dann sind doch Wechsel als rein privat entstandene Zahlungsmittel das, was Deinem Ideal entspricht. Die sind "Kreditgeld", und zwar genau das Kreditgeld, aus dem sich unser heutiges Geldsystem historisch auch entwickelt hat.
"Freie unternehmerische Initiative" heißt ja nicht
"unbegrenzter Zugang" zu "unbegrenztem Kredit". Scheitern (Ablehnung des
Kreditantrags) ist auch "Freiheit". Das mit dem Zwangskurs verstehe ich wie
gesagt nicht.
Natürlich nicht. Was die Kreditvergabe begrenzt, ist die Erwartung des Kreditgebers bezüglich der Zahlungsfähigkeit des Schuldners. Zum Zwangskurs s.o.
Macht
eine Nation das, verschafft sich sich Nachteile gegenüber einer
Nation,
die es nicht macht, d.h. deren Banken der Kreditnachfrage unabhängig
von
irgendwelchen Goldvorräten nachkommen können.
Wir haben doch heute auch sowas wie Pseudo-Gold, oder? Die Geldbasis und
die Staatsanleihen bilden doch sowas wie einen Goldersatz, oder?
Nein, bestenfalls bildet das haftende Vermögen (incl. Sachvermögen) hinter den Forderungen, die als Basis der Geldemission dienen, sowas wie einen "Goldersatz".
Ich
behindere eher die Expansion des Staates (Welfare/Warfare State).
Wir tun doch eh so, als hätten wir eine konkrete Nettogeldbasis, nur daß
der Staat einen auf unerschöpfliche Goldmine macht, oder?
Staat als "Lender of Last Resort" ja, aber was hat das mit Goldminen zu tun? Da geht es um Kredit, und bei Kredit geht es um Erwartungen in Bezug auf Zahlungsfähigkeit plus haftende "Sicherheiten".
Allein schon deswegen wäre ein reiner Goldstandard dysfunktional.
Dasselbe Problem hast Du aber mit jeglicher gütermäßigen
Einlösbarkeit
von Geld zu einem fixierten Kurs. Um einer gestiegenen Kreditnachfrage
nachkommen zu können, musst Du erstmal Güter produzieren.
Ich will ja garnicht, daß irgendjemand irgendwas fixiert. Geld IST Ware
und andersherum.
In Deiner Idealvorstellung.
Wenn Du aber Gold als "Geld" (alleiniges Zahlungsmittel) willst, musst Du es zwangsweise vorschreiben, weil das Publikum das nicht interessiert und es von alleine ganz anders handelt. Schreibst Du es als Zahlungsmittel vor, brauchst Du einen Goldstandard (de Facto einen Zwangspreis für Gold, s.o.), was ja de facto auch so war.
Je nach Region kann man von mir aus Hopfen, Erdöl,
Kupfer, Silber oder Gold als schuldbefreiendes Zahlungsmittel vertraglich
definieren.
Keine fixen Wechselkurse.
Wenn Du das jedem einzelnen überlässt, hast Du sofort wieder ein Kreditgeldsystem (Basis: Wechsel), in dem Gold eine Ware unter anderen ist und kein privilegiertes Zahlungsmittel.
Eigentlich finde ich ja den Spruch "Keine Kritik ohne Alternativen"
ganz
gut,
Ja, kann ich gut verstehen. Ist bitter, wenn die Analyse bestehende
Alternativ-Vorschläge als wenig sinnvoll oder erfolgversprechend
entlarvt.
Dann braucht man eben neue Ideen.
ich wußte aber nicht, daß wir seit 2-3 Tausend Jahren nur auf
unseren alternativlosen monetären Untergang hinleben.
Ich sehe keinen monetären Untergang. Finanzkrisen und
Währungsreformen
gab es, ohne daß das System gefährdet gewesen wäre. Ich sehe den
entscheidenden Punkt, an dem das "System" scheitern könnte, eher auf
dem
Feld der Familie und den demographischen Folgen. Ohne Wiederherstellung
einer ökonomischen Grundlage für die Familie (ökonomische
Angewiesenheit
auf Kinder) heisst der Megatrend Schrumpfvergreisung, wie schon im
alten
Rom.
Stimmt. Apropos, es ist nur ein Verdacht, aber Warengeld (nicht nur Gold)
wäre auch "komplexitätsreduzierend", oder? Denke da an unsere
Kreditgeldponzipyramide.
Verstehe ich so nicht, müsstest Du genauer erklären.
In meiner Vorstellung würde Warengeld dazu führen, daß die
Wohlstandsverschiebung von Wall Street, City und FFM zurück zum
produzierenden Gewerbe mit realen Knappheiten geht.
Wie genau?
Gruss
moneymind
--
BLOGGING: Never before have so many people with so little to say said so much to so few.
gesamter Thread:
- WIWO: Geld - Die schwarze Messe der Geldschöpfung (vom WIWO-Chefreporter und Verfasser: Kleine Kulturgeschichte des Geldes) -
azur,
08.10.2010, 01:57
- "Kreditgeld" gibt es nicht erst seit dem Ende des Goldstandards -
moneymind,
08.10.2010, 13:50
- So ist es, Moneymind -
Zarathustra,
08.10.2010, 13:54
- Schrieb nicht umsonst: "mit Lichtblick" - und der ist der Chefreporter der WIWO - azur, 08.10.2010, 14:46
- Warengeld kapier ich wenigstens... -
Fabio,
08.10.2010, 15:03
- Gelddefinition + Rechengeld -
moneymind,
08.10.2010, 18:06
- Aha -
Fabio,
08.10.2010, 18:12
- Sorry -
Fabio,
08.10.2010, 19:01
- "Lösungen" + physisch messbares - moneymind, 08.10.2010, 23:56
- Warengeld, Goldstandard -
moneymind,
08.10.2010, 23:42
- ich (völlig naiv) habe da mal eine Frage -
thrive,
09.10.2010, 01:32
- Erklärungsversuch - moneymind, 11.10.2010, 00:31
- Wieso Zwangskurs? -
Fabio,
09.10.2010, 12:52
- genau, Hopfengeld - Zarathustra, 09.10.2010, 17:51
- "The operating system for money is obsolete." - common sense, 10.10.2010, 15:08
- Goldstandard heisst Zwangskurs für Gold -
moneymind,
11.10.2010, 00:44
- Fekete und die Gold-Wechsel? -
Fabio,
12.10.2010, 09:44
- und selber hast Du nichts zu sagen zu ... -
Zarathustra,
12.10.2010, 11:26
- Ignore (Zeit zu schade) (oT)
-
Fabio,
12.10.2010, 13:50
- Ignore (Zeit zu schade) (oT)
- Frage zu den Goldwechseln -
moneymind,
13.10.2010, 22:12
- Fundstücke -
Fabio,
15.10.2010, 12:26
- Noch was - Fabio, 15.10.2010, 13:01
- "Goldwechsel" - moneymind, 16.10.2010, 01:34
- Weiteres Fundstück - Fabio, 03.11.2010, 15:30
- Fundstücke -
Fabio,
15.10.2010, 12:26
- und selber hast Du nichts zu sagen zu ... -
Zarathustra,
12.10.2010, 11:26
- Fekete und die Gold-Wechsel? -
Fabio,
12.10.2010, 09:44
- Wie wahr! -
ingobert,
10.10.2010, 02:24
- wie unwahr! -
Zarathustra,
10.10.2010, 09:17
- Erde = "Argumentationstellerrand" ? - vernunft, 12.10.2010, 11:38
- wie unwahr! -
Zarathustra,
10.10.2010, 09:17
- ich (völlig naiv) habe da mal eine Frage -
thrive,
09.10.2010, 01:32
- Sorry -
Fabio,
08.10.2010, 19:01
- Aha -
Fabio,
08.10.2010, 18:12
- Gelddefinition + Rechengeld -
moneymind,
08.10.2010, 18:06
- So ist es, Moneymind -
Zarathustra,
08.10.2010, 13:54
- "Kreditgeld" gibt es nicht erst seit dem Ende des Goldstandards -
moneymind,
08.10.2010, 13:50
