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"Goldwechsel"

moneymind @, Samstag, 16.10.2010, 01:34 (vor 5732 Tagen) @ Fabio

Hi Fabio,

so richtig viel habe ich zur Praxis dieser "self liquidating real bills"
nicht gefunden (hab dein PS auch gerade erst gesehen).

Ja, ging mir beim schnellen googeln ebenso, daher ja meine Frage an Dich nach Details.

Vermuten würde ich folgendes (und diese Vermutungen wollte ich anhand der von Dir und Fekete angesprochenen Wechsel überprüfen):

Die Wechsel (Lieferantenkredit) werden lautend auf Gold ausgestellt. Der Schuldner haftet mit seinem Gesamtvermögen für die Erfüllung. Er produziert mit den auf Kredit gekauften Waren und verkauft die Produkte. Er muss aber die Produkte verkaufen, um seine Kredite bedienen und den geplanten Gewinn (Lebenshaltungskosten etc.) machen zu können. Gibt es Kunden, die nicht in Gold zahlen können, aber bereit sind, ihrerseits auf Kredit zu kaufen, wird er natürlich einwilligen, da er froh ist, überhaupt Kunden gefunden zu haben.

Er verkauft diesen also auf Kredit und hat nun Forderungen gegen seine Kunden in der Hand. Jetzt wird der Kredit, den er bei seinen Lieferanten nahm, fällig. Er kann aber nicht in Gold leisten, da er ja (mangels vorhandenem Gold, das ja erst langwierig "produziert" werden muss (Bergwerk), nicht gegen Gold verkaufen konnte. Er wird also seinem Gläubiger anbieten, stattdessen die Forderungen gegenüber seinen Kunden, denen er Lieferantenkredit gewährt hat, an Zahlungs statt weiterzureichen.

Sein Gläubiger steht nun vor der Wahl, entweder diese Wechsel an Zahlungs statt zu akzeptieren, oder aber auf dem Standpunkt zu beharren, dies sei nicht die vereinbarte Leistung (das war ja Gold), und damit zwangsvollstrecken zu lassen, in der Hoffnung, aus der Zwangsversteigerung Gold in Höhe der Schuld als Erlös zu erhalten.

In letzterem Fall aber wird er sicher sein können, daß sein Schuldner nicht weiterhin zu seinen Kunden zählen wird, da er ja bankrott ist. Dies wiederum liegt nicht im Interesse des Gläubigers, weshalb er dazu tendieren wird, von seinem Schuldner die Forderungen, die dieser gegen Dritte hat, an Zahlungs statt zu akzeptieren (wiederum Wechsel als Zahlungsmittel).

Und schon sind wir wieder in einem System, in dem Gold nur noch die Recheneinheit liefert, aber keinerlei "reale Deckung", weil eh kaum "in Gold geleistet" wird. "Deckung" ist durch das haftende Eigentum der Schuldner gegeben.

In other words, Zahlungsmittel, die "on the fly" per Kredit (per Federstrich) zu schaffen sind und eben KEINE langwierige Produktion erfordern (Gold - Bergwerk), sind den Interessen des Marktes einfach um ein vielfaches angemessener und werden vom Markt bevorzugt werden (entsprechen also liberalen Idealen), während sich eine reine Goldwährung eigentlich nur administrativ durchsetzen lässt und den Interessen der freien Marktteilnehmer völlig zuwiderläuft.

Soweit meine auf rein logischen Überlegungen und gesundem Menschenverstand basierende Vermutung. Die würde ich nun gern anhand dessen, was mit den "Goldwechseln" real passiert ist, überprüfen und bin daher für jeden Hinweis auf Informationen darüber (websites, Bücher, Artikel, Erfahrungsberichte von Grossvätern etc.) dankbar.

Hier zumindest mal ein Auszug, der beschreibt, was manche Austrians
sagen:

"." But this was an attempt to fight pus with poison. As we now know, the
cure was much worse than the disease. The boom/bust instability has not
been diminished; it has been horribly exacerbated.

What most of today's pundits miss is that there are two forms of
"fractional reserve banking." There is a benign form that springs up
naturally in a free-market to extend short-term, self-liquidating credit.
And there is a fraudulent form that is spawned by government intervention
into the free-market to exempt bankers from the contractual laws of fraud,
which allows them to "borrow short to loan long." This gives banks the
ability to loan recklessly with impunity from bankruptcy. It is this latter
form that needs to be outlawed.

Hm, ist mir zu vage, hätte ich gern genauer erläutert.

Too many hard money advocates today fail to make this distinction. For
example, Austrian School economists agree with outlawing the fraudulent
form, but unfortunately they are also antagonistic toward the benign form.

They maintain that the only way to establish a stable banking system is
with a 100 percent gold dollar that prohibits "all bank lending in excess
of capital accounts and vault cash." 1

Fekete argumentiert also gegen die Austrians, insoweit kann ich ihm auch folgen bzw. wäre einig mit ihm. Was ich bisher nicht verstehe, ist, was genau er mit der "fraudulent form that is spawned by government intervention" meint.

Ich kann das zwar ahnen, aber ob meine Ahnung mit dem übereinstimmt, was Fekete meint, weiß ich nicht. Ich sehe die staatliche Aktivität in dem Ganzen (Staatsverschuldung + ihr Wachstum) eher als systemische Notwendigkeit an ... wäre aber ein eigenes Thema, erstmal würde mich interessieren, was Fekete mit der "fraudulent form" genau meint.

According to Austrian economist, Murray Rothbard, the only permissible
credit instruments would be those where "every dollar made available as
purchasing power to the borrower would be the result of abstinence from the
exercise of purchasing power on the part of the lender." 2

This would prohibit any form of credit that adds to the aggregate of
purchasing media as represented by gold reserves -- even if the credit is
short-term and self-liquidating, i.e., benign.

Was genau Fekete mit "self-liquidating" meint, ist mir auch noch nicht klar. Kannst Du das erläutern?

While Austrian economists are not of one mind on all issues, it appears
that they are solidly in favor of a 100 percent gold reserve system. In
other words, no credit should be allowed that increases the pool of
purchasing power in excess of gold reserves, even temporarily. Only credit
that "would be the transfer of purchasing power" should be allowed[/i]."

Das halte ich für völlig unrealistisch und das Gegenteil von Liberalismus - es wäre Etatismus pur (s.o.). Insofern bin ich in diesem Punkt mit Fekete einig.

Aus:
The
Future of Gold As Money
An Analysis of Antal Fekete's Plan
for a Parallel Gold-Coin Standard


Ich hege durchaus Sympathien für die kursive Sicht, wobei ich gegen die
"Real Bills" nix habe, daß ja da klar zwischen "Gold" und "Anspruch auf
Gold" unterschieden wird und es ein Ausfallrisiko gibt.

Wobei der "Anspruch auf Gold" in der Praxis auch durch "später fällige Ansprüche auf Gold" bezahlt werden kann, da die Gläubiger dies (jedenfalls in einem Boom) im eigenen Interesse akzeptieren werden, s.o.; und die "Ansprüche auf Gold" sind ja durch "Ansprüche auf haftendes Schuldnervermögen" (inclusive Sacheigentumswerten) gesichert bzw. "gedeckt" (so nennt Sproul es, den ich im letzten Posting verlinkt habe).

Meine das aber eher
moralisch (normativ, sozusagen). Ich hielte es auch nicht für völlig
impraktikabel, sondern vermute, daß es einfach eine zivilisatorische
"Gewohnheitssache" wäre.

M.E. wäre es anti-liberal, Kredit zu verbieten, da dieser unter Geschäftsmännern spontan und im beiderseitigen Interesse kreiert wird. Natürlich ist das immer spekulativ, aber das ist eben die Natur einer auf Eigentum, Freiheit und Gleichheit basierenden Gesellschaft.

Unter Privatleuten läuft es ja so. Du kannst mir ja auch nur leihen, was
Du gespart hast und kannst nicht darüber verfügen, wenn ich es gerade
"ausgeliehen" habe.

Gespart? Nee, ich kann es auch geerbt haben, als Eigentum von der Regierung zugesprochen bekommen haben, etc. etc. etc. Wenn ich es gerade "ausgeliehen" habe, kann ich Dir trotzdem ein "Anrecht darauf" einräumen.

Bin ich Eigentümer eines Hauses, das ich vermietet habe, kann ich das doch als Kreditsicherheit Dir gegenüber geltend machen und von Dir dafür auf Lieferantenkredit einkaufen.

Ich weiß, daß klingt sehr naiv,

Es klingt, als wärst Du kein Kaufmann. Was machst Du denn beruflich?

aber die debitistische
Buchungsatzgeldsicht ist ja auch kein Naturgesetz, sondern das Ergebnis
hierarchischer Entscheidungen und nicht spontaner Marktentwicklungen.

Die Eigentumsverfassung ist Ergebnis einer Installation "von oben" (ausser bei ihrer Erst-Entstehung). Die "Buchungssatzgeldsicht" ist einfach eine Beschreibung dessen, was Leute unter den Prämissen einer Eigentumsordnung (Zivilrecht - v.a. Schuldrecht) tatsächlich tun.

Grüsse
moneymind

--
BLOGGING: Never before have so many people with so little to say said so much to so few.

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