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Fortsetzung - Teil 2

moneymind @, Mittwoch, 13.10.2010, 23:01 (vor 5624 Tagen) @ moneymind


Von den alten Mächten versuchen in den 1930er Jahren noch einmal Italien und Deutschland, Siedlungsräume an sich zu rei-ßen. Dazu schlägt sich Japan, das im Ersten Weltkrieg nicht einen Mann verliert. Zwischen der Vernichtung der russischen Flotte in der Straße von Tshushima im Jahre 1905 und dem 1941er Angriff auf die amerikanische Flotte in Pearl Harbor legen die Ostasiaten von 45 auf 75 Millionen Menschen zu. Nach 1945 aber verlieren die alternden »Herrenvölker« gegen die jungen Männer von Algerien bis Burma jeden Krieg. Im Jahre 2005 ist der Weltanteil der »Weißen« auf das Niveau von 1500 zurückgefallen. Japan fällt mit. Wenn die besten Forscher der 1980er und 1990er Jahre das 21. Jahrhundert zum »japanischen« erklären, dann ist diese groteske Fehleinschätzung ihrer Überzeugung von der Irrelevanz demografischer Faktoren geschuldet. Nach Monaco (Durchschnittsalter: 45) ergraut kein Land so schnell wie Japan (43), das überdies schlechter als jedes andere OECD-Land auf die Integration von Fremden eingestellt ist. Die »Weißen« stellen 2005 nur noch 120 von 1 000 jungen Männern weltweit. Die wachsen als einzige Söhne oder gar Einzelkinder auf, die mit ständig wachsendem Erfolg zur Gewaltlosigkeit erzogen werden. Deutschland fällt zwischen 1914 und 2020 sogar von bald 60 auf nur noch 6 unter 1 000 Jünglingen weltweit. Ein wenig beachteter Erfolg dieses Niedergangs ist die Harmlosigkeit des deutschen Rechtsradikalismus, obwohl dessen Aktionen es noch immer auf die Schreckensseiten der Weltpresse schaffen. Gewiss ist der 15. Februar 1932 mit 6,1 Millionen Arbeitslosen unter 66 Millionen Deutschen (9,2 Prozent der Bevölkerung) vergleichbar mit dem Februar 2005, als 5 Millionen arbeitslos gemeldet werden. Richtig ist allerdings auch, dass 1932 lediglich 24 Millionen Erwerbstätige für den Rest sorgen können, während heute 43 Millionen in die Kassen zahlen. Dass 2005 so gut wie alle Unterkunft und Speise haben und auch einen Arzt aufsuchen können, beugt ebenfalls einem Toben auf den Straßen vor.

Die deutschen Mütter zwischen 1904 und 1914 haben viermal so viele Kinder wie die von 1994. Im Jahre 1932 sind die mächtigen Geburtenüberschüsse von 1904 - 1914 zwischen 18 und 28 Jahre alt und wollen etwas werden. Der Dreifachknüppel aus demografischer Überzähligkeit, hormoneller Jungmännerwut und Arbeitslosigkeit trifft sie auf einen Schlag. Schon Pubertierende fiebern unter roten Sternen oder schwarzen Hakenkreuzen, um vielleicht per Marschtritt in Positionen zu gelangen. Massenmörder wie Lenin und Stalin beflügeln die einen, während die anderen sich für den heimischen Führer schlagen, der noch weiter nach vorne kommen will. Diese Unterschiede sind gewichtig, aber unter dem Emotionenmikroskop kaum erkennbar. Man ist schierer Drang, und viel zu viele Kämpfer mit unbändigem Aufstiegswillen wollen an die Spitze proletarischer Massen oder gleich der ganzen Nation. Selbst schwerste Regierungsfehler bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit von 2005 können blutrünstige Männerbünde à la 1932 nicht hervorbringen. Die notwendigen Kämpfer-Marschierer sind schlichtweg nicht vorhanden. Gerade mal 10 000 gewaltbereite Rechtsradikale und 5000 linke Kämpfer melden die Verfassungsschützer für 2003. Jeder davon ist zu viel, als Rekruten für paramilitärische Millionenheere aber taugen sie nicht. Für ihre Kontrolle reichen die 270 000 Polizisten im Land.

Die gewaltige Wucht der in Europas kolonialem Herrschaftsraum triumphierenden jungen Männer wird erst nach den »Befreiungs«-Kriegen voll ausgespielt. Während für die Vertreibung der Weißen deutlich unter einer Million Toten auf beiden Seiten zu Buche stehen, geht es nun in eine ganz andere Dimension. Die Revolutionen fressen dabei aber nicht ihre Kinder, sondern die Brüder aus den siegreichen Youth Bulges. Wo man einen Weißen von seinem Posten gejagt hat, wollen von dort nun zwei oder drei Aufständische dem Volke dienen. Deshalb teilen sie sich auf in Verteidiger der Kampfzeitideale und Verräter an der Revolution. Nach 1956 töten sich zwischen Mauretanien und Timor zwischen 15 und 20 Millionen Männer und Frauen gegenseitig und sorgen für eine bis heute nicht endende Kette von Failed States. Im selben Zeitraum teilen sich im längst dekolonisierten Lateinamerika die überzähligen Brüder in Verteidiger des Gesetzes und Guerillas der Gerechtigkeit auf. Der Subkontinent verdoppelt seinen Anteil an der Weltbevölkerung zwischen 1914 und 1990. Dabei werden zwischenzeitlich fast alle seine Demo- kratien zu Failed States.

Erst nach ein bis zwei Millionen Toten erlöschen die Leidenschaften und freie Wahlen kehren zurück. Demnächst wird selbst Kolumbien Frieden finden. Zwischen 1950 und 1970 haben die Frauen dort sechs bis sieben Kinder, und seit 1970 bringen sich 50 000 der Aktivsten um. Aber 2005 fällt die Total Fertility auf 2,5, und bald wird sie unter 2 liegen. Wer jetzt noch schießt, gehorcht blutleer gewordener Ideologie. Eine nachwachsende kriegerische Massenbasis gibt es nicht mehr. Und doch werden bis 2020 in anderen Welt- regionen etliche hundert Millionen zweite bis vierte Brüder für neue Kämpfe bereitstehen. Zu jedem beliebigen Zeitpunkt sind das mehr als jemals zuvor in der Geschichte der Menschheit. Werden auch die wieder mit Thomas Hobbes beweisen wollen, wie gut der Krieg noch jeden Mann durch Sieg oder Heldentod versorgen kann? Der seit Oswald Spenglers Buch von 1918 immer wieder prophezeite Untergang des Abendlandes rückt näher, wenn man ihn nur auf Kontinentaleuropa bezieht. Dort spürt man das durchaus, wenn beispielsweise nur 35 Prozent der EU-Bürger die zusätzlichen Waffen auch bezahlen wollen, die von den erwähnten 70 Prozent für ihren Weltmachtstraum benötigt werden. Sicherheitshalber findet dann doch eine Kooperation mit dem ungeliebten Amerika viel mehr Anhänger (80 Prozent) als eine offene Konkurrenz (13 Prozent).

Im September 2002 hält Präsident Bush die militärische Kraft seines Landes für unprecedented (historisch noch nie da gewesen). Davon kann keine Rede sein. Unprecedented steht Amerika lediglich zwischen 1941 und 1949 da, als man die beiden Großreiche Deutschland und Japan zerschlägt, gleichzeitig das Britische Imperium und die Sowjetunion über Wasser hält und obendrein ein halbes Jahrzehnt lang das Atomwaffenmonopol verteidigen kann. Gleichwohl fällt Amerikas Bevölkerung bis 2005 zum Rest der Welt nur moderat zurück. Darin liegt das Geheimnis seiner Macht, denn Eigentumsstrukturen und Megatötungswaffen besitzen bzw. entwickeln andere auch. Während Deutschlands Manpower-Weltanteil zwischen 1914 und 2050 von 3,9 auf 0,7 Prozent abstürzt, gehen die USA nur von 5,8 auf 4,6 Prozent herunter. Das Land legt zwischen 1750 und 2050 bei der Bevölkerung um den Faktor 200 zu, Deutschland um den Faktor 3, die gesamte Menschheit um den Faktor 13. Bis 2050 werden die USA sogar ihren Abstand auf den Hauptkonkurrenten China von 23 Prozent der dortigen Bevölkerung im Jahre 2005 auf 30 Prozent im Jahre 2050 verringern. Gegenüber Indien wird die aktuelle Stellung von 27 Prozent beinahe gehalten (auch 2050 noch 26 Prozent). Amerika bleibt durchgehend die Nr. 3 bei der Bevölkerung. Allerdings wird sein Durchschnittsalter von 36 auf 38 und für Weiße sogar auf 40 Jahre hochgehen. Noch etwas älter werden die neuen Heimaten für die deutschen Auswanderer in der übrigen Anglo-Welt. Gleichwohl, die North American Free Trade Association (NAFTA) dürfte 2050 mit 610 Millionen Einwohnern auf knapp 22 Millionen Quadratkilometern immer noch ganz weit vorne stehen. Dabei sind die Implosionsflüchtlinge aus Deutschland, dem übrigen Europa und womöglich auch Japan und Korea nicht einmal mitgezählt. Die Globalstrategie der USA bis 2020 / 2025 bestimmt sich – eben der fortlaufenden Rivalität mit China wegen – aus dem Jung- männerüberschuss von über 80 Staaten. Schon am 5. Februar 1997 informiert Generalleutnant Patrick M. Hughes, da- mals Direktor der US Defence Intelligence Agency, die Geheimdienstausschüsse des amerikanischen Kongresses: »Eine globale Bedrohung und Herausforderung der Vereinigten Staaten sind ‚youth bulge Phänomene‘ … die auch historisch die Schlüsselgröße für Instabilität gewesen sind.« Einen zukünftigen Youth Bulge (30 bis 45 Prozent aller männlichen Einwohner im Alter von 15 bis 29) kann es nur bei einem vorhergehenden Children Bulge geben (33 bis 52 Prozent aller männlichen Einwohner im Alter von 0 bis 15). Im Jahre 2005 verfü-gen 68 der 125 bevölkerungsreichsten Länder (davon 62 mit aktuellen Tötungen) 16 über einen Children Bulge mit über 600 Millionen Söhnen (ohne China, aber mit Indien) gegen die 31 Millionen der USA. Für 300 Millionen der jungen Männer wird auf ein akzeptables Unterkommen daheim gehofft. Auf die zweite Hälfte bereitet man sich vor. Entsprechend lautet die globalstrategische Frage: Können 300 Millionen zweite bis vierte Brüder, die Hälfte davon aus dem Islam, in nur 15 Jahren (2005 bis 2020) die Leistung von 20 Millionen Söhnen Europas wiederholen, die sich über 400 Jahre gestreckt die Erde unterwerfen? Die daraus resultierende militärische Frage steht unter der völkerrechtlichen Prämisse, dass die USA gegen diese Massen nicht genozidal, also nicht mit Massenvernichtungswaffen, vorgehen darf und lautet dann: Wie oft kann man den einzigen Sohn hinausschicken, um draußen zehn überzählige Brüder vom Kämpfen und Töten abzuhalten? Grundsätzlich geht das kein einziges Mal. Aber schon im Afghanistankrieg stehen die GIs gegen junge Al-Qaida-Männer aus 43 Nationen, wie man nach Befragung der Guantanamo-Gefangenen erfährt.

Das Vorgehen der USA muss sich den klassischen sechs Optionen für überzählige junge Männer anpassen: (1) Emi- gration bzw. unblutige Kolonisation mit allerdings hohem Unruhepotenzial bei Scheitern auch in der Fremde; (2) Krimi- nalität; (3) Aufstand oder Putsch; (4) Bürgerkrieg und Revolution; (5) Beseitigung von Minderheiten und Völkermord und (6) Angriffs- und Eroberungskrieg bzw. blutige Kolonisation. Strategisch einschlägig ist die Option (6) Eroberung, soweit solche Vorstöße für eine Reichsbildung Interessen der Führungsmacht berühren oder sie gar direkt treffen. Zur Vermeidung von grenzüberschreitenden Kriegen wird also darauf geachtet, dass die Youth-Bulge-Kämpfer sich auf die ersten fünf Optionen innerhalb der Grenzen ihrer Nation beschränken. Gegenüber den Muslimen ist das zumeist gelungen. Das beginnt im Jahre 1975, als junge Männer den Libanon (1935 - 1975 von 0,8 auf 2,8 Millionen) und den Iran (1955 - 1995 von 18 auf 66 Millionen) destabilisieren. Seitdem fallen von den marokkanisch unterworfenen Sahauris bis hin zu den islamistischen Partisanen auf den Philippinen an den Heimatfronten über 1,5 Millionen Tote an. Mehr als 98 Prozent davon sind andere Muslime oder gar Islamisten. In denselben 30 Jahren gibt es im Westen (ohne Russen) – aber unter Einschluss der Israelis sowie aller Gefallenen der beiden Irakkriege und des Afghanistankrieges – weniger als 15 000 Tote.

Aber es gibt auch schwere Versäumnisse, und deshalb treffen die aus Afghanistan koordinierten Al-Qaida-Angriffe Washington und New York am 11. September 2001 direkt. Lange davor nämlich versucht Amerika, die »Nordallianz« unter ihrem – am 9. November 2001 mit Kameragewehr ermordeten – Führer Massoud in eine schlagkräftige Truppe gegen die Taliban aus- zubauen: »Dadurch wollte man die frisch gebackenen Terrorabsolventen der Al-Qaida-Ausbildungslager an die Seite der Talibanverbände in den Kampf gegen den Norden zwingen. ‚Man fixiert sie auf die innerafghanischen Fronten‘, sagt ein Antiterrorbeauftragter, und hofft sie dadurch zu töten, sodass keiner mehr für Terroranschläge außerhalb Afghanistans übrig bleibt. Das war die allgemein akzeptierte Linie.‘« 17 Dabei wünscht man sich keineswegs zynisch etwas herbei, sondern rechnet lediglich die bekannte Blutspur weiter. Denn schon beim 1978er Kommunistenputsch werden 30 000 Afghanen der alten Elite umgebracht. Bis zum Sturz der Moskowiter im Jahre 1992 gibt es 1,7 Millionen Tote und 5 Millionen Flüchtlinge. Aber die Geburtenexplosion geht unvermindert weiter. Deshalb sind die Taliban von 2005 viermal so stark wie die Islamkrieger gegen Sowjetrussland.

Neben Al Qaida stoßen sich auch die Militäraktionen für ein irakisches Imperium mit amerikanischen Interessen. Wie Fridericus Rex die reichsten Provinzen seines Wiener Kaisers angreift und Traumstädte wie Dresden und Prag mit Feuer belegt, macht sich Saddam Hussein über Iran, Kuwait und Saudi-Arabien her. Der Sprung Preußens von 1,4 auf über 4 Millionen Einwohner zwischen 1700 und 1750 wird vom Irak leichtfüßig überboten. Zwischen 1955 und 2005 geht es von 5 auf 25 Millionen, obwohl in diesem halben Jahr- hundert fast eine Million Menschen durch Kriege und Genozide sterben. Die beiden Regenten unterscheiden sich zweifellos im schriftstellerischen Talent, aber dass überzählige Söhne den Heldentod für die Vergrößerung der Nation ihrer Entzweiung durch Bürgerkrieg vorziehen, verstehen beide gleich gut. Friedrichs »Hunde, wollt ihr ewig leben?«, das er 1757 seinen bei Kolin zurückweichenden Grenadieren zuruft, drückt eine Zuversicht auf immer neues »Menschenmaterial« aus, die auch einen Saddam relativ sorglos um den Bestand des Ganzen in den nächsten Angriff treibt. Die anschließenden Kriege gegen Afghanistan (Herbst 2001) und Irak (Frühjahr 2003) können deren Youth Bulges nicht zum Verschwinden bringen. Sie verwandeln aber grenzüberschreitende Aggressionen in innere Kämpfe und einheimischen Terror. Das entgeht beispielsweise der deutschen Regierung, als sie 2 500 Mann in den Norden Afghanistans schickt (Oktober 2005), weil sie ihrer Pazifismusrhetorik treu bleiben will: »Irakkrieg wegen fehlender Megatötungswaffen nein!«, aber »Friedensmission am Hindukusch selbstverständlich!« Die von dorther kommenden Angriffe sind jedoch nur gegenüber den USA gestoppt.

Zu Hause setzt sich dieser Außenfriede in einen ganz gewöhnlichen Bürgerkrieg um, weil bis 2015 jährlich 400 000 bis 500 000 Jungen das Kampfalter erreichen, von denen 350 000 zweite bis vierte Brüder sind, die im Kriegerstolz ihrer Heimat aufwachsen. Die Umwandlung eines Krieges in einen Bürgerkrieg kann auch nach dem Abzug Israels aus Gaza gelingen. Obwohl der Kleinstaat als einziger der westlichen Welt deutlich über der Nettoreproduktion liegt (2,6 Kinder pro Frauenleben), hat sich der Gegner über Jahrzehnte hinweg um den Faktor drei schneller vermehrt. Die Palästinenser haben in Israel und den Gebieten momentan 650 000 Mann zwischen 15 und 29, die israelischen Juden etwa 600 000. Unter den 30- bis 44-Jährigen gibt es letztmalig eine Mehrheit von 500 000 jüdischen Männern gegen 315 000 Araber. Bei den unter 15-Jährigen aber bereiten sich 1,2 Millionen arabische Jungen auf die Entscheidungsschlacht gegen 600 000 jüdische vor. Nie war die palästinensische Überlegenheit größer. Ihre Knaben sind die Fittesten im gesamten Islam, weil für sie die Weltgemeinschaft (UNRWA) Lehrbücher, Schulspeisung und medizinische Versorgung bezahlt. Nur Karrieren kann sie den Herangewachsenen nicht verschaffen. Wenn die Palästinenser nicht werden wie die übrigen Araber zwischen Marokko und dem Land der Saudiprinzen, wo sich Millionen des Überschusses gegenseitig eliminieren, kann ihre Entschlossenheit zur Vernichtung Israels nicht gebremst werden. Die Verschanzung des Restlandes mit Trennzaun zu einer Festung wird seine letzte Hoffnung. Dass gleichwohl der Nahostkonflikt auch weiterhin für viele als Kern des Terrorproblems gelten wird, hat nichts mit den realen Opfern zu tun. Weil die israelische Seite nicht so agiert, wie sie könnte und wie die Gegenseite es für die Juden ununterbrochen ankündigt, liegt man unter den 50 größten Konflikten der letzten 40 Jahre mit 8 000 von 25 Millionen Toten mal gerade auf Rang 46.

Nach den 55 Toten vom Londoner 7. Juli durch eingewanderte Pakistani wird sehr schnell das Elend in ihrem Herkunftsland beklagt. Auch soll Pakistans 1947er »Geburtsfehler« einer gescheiterten Trennung von Religion und Staat genau 58 Jahre später seine verheerenden Wirkungen entfalten. Der ununterbrochene Youth Bulge mit einer Verachtfachung der Bevölkerung zwischen 1930 (gut 20 Millionen) und 2005 (über 160 Millionen) wird weder erwähnt, noch gar mit Gründen für irrelevant erklärt. Dass Terror und Töten gerade aufblühen, als sich Pakistans Pro-Kopf-Einkommen versechsfacht (350 auf 2 200 Kaufkraftdollar von 1970 bis 2005), fällt wegen Unvereinbarkeit mit dem Verelendungsargument ebenfalls unter den Tisch.

Dass der Sieg über den Hunger der Dritten Welt auch den Krieg besiegen wird, verheißen Friedensforscher in immer neuen Werken. Die Youth Bulge-Analyse jedoch findet, dass nach der Sättigung das Töten erst richtig losgeht. Denn die von den Ehrgeizigen erstrebten Positionen lassen sich nicht so schnell vermehren wie Nahrung, Schulbücher und Impfstoffe. Gerade bei zunehmendem Wohlstand verschärft sich noch der ewige Jungmännerzorn, wenn er mit ökonomischer Unterbeschäftigung, sexueller Frustration und demografischer Überzähligkeit kombiniert wird. Um Brot wird gebettelt, um Macht wird geschossen. Ob im aktuellen irakischen Bürgerkrieg, der fast durchweg als Widerstand gegen die US-Besatzung missdeutet wird, Tötungszahlen wie unter Saddam herauskommen, wird sich zeigen müssen. Erst dann aber würde die Anklage fast aller Experten Sinn machen, dass Iraqi Freedom mehr Opfer gebracht als verhindert habe. Bisher steht man einschließlich aller Kriegs-, Bombardierungs- und Attentatstoten bei weniger als zehn Prozent der 1,5 Millionen Kriegstoten unter Saddam. Auch das Personal für Außenterror könnte – allerdings nur kurzzeitig – reduziert sein, da sich Al-Qaida-Männer aus der ganzen Welt in Mesopotamien zum »Endkampf« stellen und dort beträchtliche Verluste erleiden. Wer das Töten im Irak als Ausdruck des Hasses auf die »amerikanische Besatzung« oder Un- gläubige deutet, verwechselt Rechtfertigungen und Gründe. Es ist nicht Bush, der die jungen Männer hervorbringt und wütend macht. Ihr Zorn aber gewinnt durch die USA einen »nobleren« Vorwand für den Konkurrenzkampf um die Spitzenpositionen ihres Landes, als es der schnöde Brudermord je sein könnte. Die älteren gehen ganz unfanatisch in die Produktion, und die nächsten melden sich bei Polizei und Armee. Dennoch bleiben jede Menge dritte und vierte Söhne, die sich vor den Arbeitsämtern und Rekrutierungsbüros in die Luft sprengen und den Irak in die Failed State-Ecke drücken wollen. Die dabei zu beklagenden 3 000 Toten der letzten achtzehn Monate füllen täglich die Medien. Von den im selben Zeitraum ins Kampfalter gelangten 550 000 Irakis berichtet so gut wie niemand. In Massenbewegungen haben es Religionen so gut, weil die jungen Männer die bekämpften Eliten zwar liquidieren, aber nicht als gewöhnliche Mörder oder suizidale Psychopathen ins Amt kommen wollen. Um ehrbare Scharfrichter zu bleiben, suchen sie eine hehre Warte, von der her das Töten wie eine große, aber gewiss auch letzte Härte vor dem Heil anmutet. Deshalb werden Europäer der frühen Neuzeit zu bewaffneten Missionaren. Und deshalb führt die demografische Explosion der Muslime von 140 Millionen Menschen 1900 (global 10 Prozent) auf 1,4 Milliarden 2005 (global 22 Prozent) und 2,8 Milliarden im Jahre 2050 (global 30 Prozent) zu einer Islamistenwelle, die noch vieles mit sich reißen wird. Europa hat für seine demografische Weltdominanz dreimal so viel Zeit benötigt.

Das Streben nach Ehrbarkeit bei der Gewaltausübung formuliert der 25-jährige Pakistani Hassan Butt aus Manchester. Der bekennende Sympathisant für die Londoner Attentäter, der auch britische Muslime zum Kampf gegen den Westen in Afghanistan rekrutiert, spricht im August 2005 mit der Zeitschrift Prospect: »Schon lange vor meiner Zeit als praktizierender Muslim war ich sehr hitzköpfig. Diese Hitzköpfigkeit führte uns auf einen zerstörerischen Weg. Viele Leute, mit denen ich aufwuchs, wandten sich Drogen zu, verstrickten sich in Kriminalität und Prostitution – und das bereits in recht jungen Jahren. Ich erinnere mich noch sehr genau daran, wie ich dem ersten Moslem begegnete, der mir in einer Sprache, die ich verstehen konnte, den Islam nahe brachte. Er zeigte mir, dass eine Menge Wut und Frustration in mir steckte. Und er sagte mir, ich solle diese Energie in etwas Produktiveres lenken. Von da an begann ich, den Islam ernst zu nehmen. Obwohl wir, meine Brüder und ich, Hitzköpfe waren, wurden wir dennoch keine Straßengangster. Wir haben immer noch fleißig studiert und mit guten Noten unsere Prüfungen abgelegt.« Die Grausamkeiten kommen also nicht aus den frommen Büchern, sondern von denjenigen, die keine Killer werden wollen und deshalb die Folianten überhaupt erst entstauben. Die Erregung der jungen Männer kann deshalb mit Erläuterungen über den »eigentlichen« oder »wirklich gemeinten« Inhalt der heiligen Texte auch nicht abgestellt werden. Die kaum abreißende Flut von Artikeln über den üblen Einfluss von Koranlehrern verkehrt mithin Ursache und Wirkung. Wo zur Bewegung fähige Massen fehlen, vermögen selbst geniale Hetzer so gut wie nichts. Und selbst dort, wo Religionsschulen nachweislich ohne terroristisches Curriculum auskommen, hindert das die Absolventen nicht an ihren Taten für ein neues Kalifat von Spanien bis zu den Philippinen.

Weil Kolonisation – als Siedeln mit den jungen Frauen und Tötung oder Verknechtung des Restes – bisher unvorstellbar erscheint, beschränken sich die Youth Bulge-Jünglinge gegenüber dem Westen auf Terror. Die Alternative zu ihm lautet also nicht Frieden, sondern – ganz wie zu Zeiten europäischer Konquistadoren – Eroberung und Reichsbildung. Bereits 1998 versichert der Koranlehrer Mohammed Fazazin in Hamburg-St. Georg den Twin-Tower-Angreifern um Mohammed Atta: »Wir können ihnen [den Deutschen und anderen westlichen Staaten] gar nicht so viel wegnehmen, wie sie uns schulden. … Wir sind hier in einem kriegerischen Land, das den Islam und die Muslime bekämpft. … So dürfen wir uns ihre Töchter, Mütter, Frauen und Seelen nehmen.«

Um eines Tages nicht nur noch genozidale Waffen gegen die auf Reichsbildung setzenden Megaarmeen einsetzen zu können, müssen die USA dort entwickelte Megatötungswaffen wegverhandeln oder vorab ausschalten. Weil es dafür Erfolgsgarantien nicht geben kann, werden sie sich an der Befestigung des eigenen Lagers mit himmelhohen Mauern (Cosmic Shield) durch deutsche Klagelieder am allerwenigsten behindern lassen. Fernschlagkapazitäten sowie die amerikanischen und britischen Flugzeugträgergruppen sollen die dennoch unvermeidlichen Kriege gewinnbar machen. Gegen Großtötungen innerhalb der Youth Bulge-Länder wird es bis dahin bei verbalen Empörungen und papiernen Protesten bleiben. Da das alles niemanden freuen kann, wünscht man sich die nächsten zwanzig Friedensnobelpreise nur für Persönlichkeiten, die Lösungen anbieten, wie der Machtwillen von 300 Millionen ohne Krieg und Gewalt gezähmt werden könnte.

Anmerkungen
1 E. Deuerlein Hitler. Eine politische Biographie München: List, 1969, S. 144
2 S. Reichardt Faschistische Kampfbünde: Gewalt und Gemeinschaft im italienischen Squadrismus und in der deutschen SA Köln: Böhlau, 2002
3 Kindermord aus Staatsraison (1970) Stuttgart: DVA, 1972, S. 198
4 Alle Zahlen aus The German Marshal Fund of the United States, Transatlantic Trends 2005 Partners September 2005
5 The World Bank, Doing Business in 2006 September 2005
6 http://ed.sjtu.edu.cn/rank/2005/ARWU2005_Top100.htm
7 D. Blankenhorn Fatherless America: Confronting Our Most Urgent Social Problem New York: BasicBooks, 1995
8 INFRATEST DIMAP für Die Welt, 16. September 2005
9 INFRATEST DIMAP
10 CIANational Foreign Intelligence Board, Global Trends 2015: A Dialogue About the Future With Nongovernment Experts, 2000, S. 43 http://www.odci.gov/nic/pubs/2015_files/2015.htm
11 Kryschtanowskaja, O. Anatomie der russischen Elite: Die Militarisierung Russlands unter Putin Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2005
12 J. Bodin Vom aussgelasnen wütigen Teuffelsheer (1580, 1581), übersetzt von H.J. Fischart, Reprint Graz: Akademische Druck- und Verlagsanstalt, 1973, S. 247
13 G. Bouthoul Kindermord aus Staatsraison (1970) Stuttgart: DVA, 1972, S. 137
14 Sprenger, J., Institoris [Kramer], H. (1487). Malleus Malleficarum: Der Hexenhammer. J. W. R. Schmidt, ed. Berlin: H. Barsdorf, 1906. Reprint Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1974, Bd I, S. XXXVII
15 Ibid., S. 107. Vgl. ausführlich Heinsohn, G., Steiger, O. (2005), Die Vernichtung der Weisen Frauen, Vierte Ausgabe, Erftstadt: MärzArea, S. 455 - 470
16 G. Heinsohn (2003) Söhne und Weltmacht: Terror im Aufstieg und Fall der Nationen Zürich: Orell & Füssli, S. 60 - 70
und ders. »Wie wird sich die Welt ent- wickeln? – Krisenlage in 2020«, Vortrag beim Bundesnachrichtendienst, MünchenPullach, 21. Juni 2005
17 Calabresi et al., M. (2002) »They Had a Plan. Special Report: The Secret History«, in Time, 12. August 2002, S. 34

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