Hausaufgaben? Erledigen auf eigene Gefahr ;-)
Hi Bambus,
najut, dann mache ich mal meine Hausaufgaben. Warum gehst Du nicht? Oder
der Heinsohn ist doch auch noch da???
Nach USAnada etc., meinst Du? Bei mir ist es so, daß meine persönliche und familiäre Situation das nicht zuläßt. Auch gehören meine "Qualifikationen" nicht zu den dort marktmässig gesuchten.
Heinsohn ist 66 und hat seine Schäfchen im Trockenen (lebenslange Beamtenrente). Er muss bestenfalls an seine Kinder denken - soweit ich weiss, hat er (wenn überhaupt) nur einen jungen Sohn. Er hat innerhalb seiner Lebensspanne wenig zu befürchten und hätte von einem Umsiedeln nach USAnada auch wenig zu gewinnen.
Stattdessen scheint es ihn in sein Geburtsland zu ziehen - nach Polen, wo er (so habe ich jedenfalls gelesen) auch in Danzig an der Uni tätig ist, während er an der Bremer Uni eher Persona non grata ist. Dort hat er offiziell Sozialpädagogik unterrichtet, aber wohl auf Minimallevel, wobei der Hauptteil seiner Zeit schon ab Ende der 70er Jahre in andere Projekte floss, die mit seinem offiziellen Lehrauftrag nichts zu tun hatten. Den behielt er aber natürlich, da er dafür ja ein komfortables Lebenzeitbeamtengehalt bezog/bezieht und ihn wohl auch keine andere Uni auf den Gebieten, auf denen er hauptsächlich schrieb, genommen hätte).
Ich bin Jahrgang 62 und werde wohl Schwierigkeiten haben auszuwandern.
Geht mir ebenso. Seems like we're stuck on the ship that sinks the fastest (aber auch auf einem Schiff, das - noch - relativ weit oben mitschwimmt).
Geht wohl eher über die Kohle. Also spekulieren ich mir wohl eher die
Auswanderung zusammen...
Kohle ist dabei sekundär (aber nicht unwichtig). Was primär zählt, sind Fähigkeiten und Qualifikationen. In USAnada ist ein wesentlich höheres Maß an Eigeninitiative, Selbständigkeit und Selbstbewußtsein/-Vertrauen erforderlich als im Sozialstaatskontinent Europa, aber daran mangelt es Dir als Ex-Selbständigem ja nicht?
Was schätzt Du denn, bei welchem Jahrgang ist das Risiko des
Rentenausfalls kritisch??
Schwer zu sagen, da fragst Du lieber unabhängige Experten (ganz unabhängig geht nicht, Staatsdiener verzerren die Realität natürlich interessenbedingt in eine andere Richtung als Vermögensberater, am besten Du vergleichst und bildest einen Mittelwert).
Prinzipiell würde ich sagen: auf den Staat kann man sich nicht verlassen, besser, Du planst alles selber. Im übrigen ist es ja nicht nur die Rentenfrage, die da ausschlaggebend ist. Es ist das gesamte soziale Klima, das ich in Europa als ein Klima des Niedergangs empfinde. Ich habe das Glück, in einer Gegend leben zu können, wo das noch nicht so stark ausgeprägt ist wie anderswo, aber dass die generelle Richtung nach unten zeigt und nicht nach oben, ist schon spürbar.
Umso wichtiger wäre es, nach den Chancen zu suchen, die in dieser Situation stecken ... daran hab ich noch viel zu tun.
Ich sage: wer noch kann und noch Perspektiven hat, verlässt Europa in
Richtung "letzte Festungen des Westens" (USA, CAN, NZ, AUS), die aber
natürlich nicht (wie wir in D) jeden Depp reinlassen und gleichzeitig
gezielt skilled Immigrants anwerben.
Also Greencard-Verlosung mitmachen!!! Ha, ha....
Wenn es im Bereich des Wünschenswerten und Möglichen liegt - dann macht man es. Ansonsten versucht man, das beste aus dem zu machen, was hier geht.
Eine andere Sache wollte ich Dich auch noch Fragen:
Was hältst Du davon, wenn man probiert dem Debitismus den
Zinseszinseffekt zu nehmen, indem man die Erbschaften zur
Schuldentilgung
nutzt (ich weiß nur nicht, wie man das im debitistischen Sinne
möglich
ist?). Den Wachstumswahn in einen Kreislauf bringt.
Verstehe nicht, wie das funktionieren soll, und worauf es
hinauslaufen
soll. Müsstest Du mal genauer erläutern.
Tja, ich weiß nicht wie es geht. Ich habe mir folgendes überlegt;
Im
Debitismus ist das Problem Nachschuldner zu finden die bezahlen. Im
Debitismus geht es um die ständige Aufschuldung. Diese Schulden
können
entweder bedient werden durch neue Schulden, durch Abschreibung
(Pleite
des
Schuldners) oder Tilgung.
Wenn diese Aufschuldung Jahrzehnte sogar Jahrhunderte laufen soll ist
das
durch den Zinseszinseffekt zum scheitern verurteilt. Dieses lineare
des
Debitismus ist das eigendliche Problem. Der Entschuldungsprozeß
findet
als
Wirtschaftskrise oder als GO statt. Die Frage wäre doch, ob man
einen
bewussten Entschuldungsprozeß der regelmäßig stattfindet
installiert.
Jubeljahr? Das wäre politisch auf nationaler Ebene kaum machbar.
Jeder,
der etwas zu verlieren hätte, würde sofort ins Ausland abhauen, da
müsstest Du diktatorisch vorgehen, und ich glaube nicht, dass das was
bringen würde.
Mir geht es nur um eine Theoretische Lösung, Durchsetzbarkeit ist ein
anderes Problem (Banken hat man auch gerettet, wer hätte das
gedacht....).
Mir ist bisher keine eingefallen, die nicht schon praktiziert würde. Oder eben ohne Markt, Ã la Amish, Hutterer oder Kibbutz, wobei erstere der modernen Welt auch mehr und mehr Zugeständnisse machen und letztere, um wettbewerbsfähig zu bleiben, sogar teilweise ihre Kommune-Strukturen privatisieren (hatte dazu in einem anderen thread einige postings geschrieben).
Der Debitismus ist doch gleichzeitig der Motor der Modernisierung, und
gerade die Krisen sind Teil davon. Dem verdanken wir unseren Wohlstand,
die
vergangenen 40 goldenen Jahre, aber nun halt auch den Abstieg. So
läuft
das eben, wird in den Schwellenländern auch nicht anders laufen, nur
halt
zeitverzögert.
Ja nun, bis jetzt hat sich das System unbewusst entwickelt.
Hm, ich weiss nicht, ob da "Nichtwissen" und "Nichtverstehen" wirklich der alleinige Grund ist ... vielleicht auch ein gewisser Grad an Verdrängung plus Ideologiebedürfnis, denn unaufhebbare Widersprüche auszuhalten, scheint für die meisten nicht so ganz leicht zu sein ... Verdrängung plus Utopie als Alternativlösung scheint doch von den meisten bevorzugt zu werden.
So schwer zu verstehen ist es ja nicht - am Verständnis liegt es also m.E. weniger.
Nun kennen wir
die Mechanismen.
Hm, grob ja ... zumindest verstehen wir sie etwas besser. Dummerweise führt das (zumindest für mich) aber nicht zu Lösungen, sondern eher zur Einsicht in unaufhebbare Widersprüche, die sich halt entwickeln müssen ... so sehe ich es jedenfalls, ich kann aber auch falsch liegen).
Auch wenn sie von den Besitzgläubigen abgelehnt werden.
Der Debitismus existiert trotzdem. Warum nicht wenigstens theoretisch einen
Debitismus der natürlich ist (Kreislauf statt Krisen und GO)
"Natürlich"?
Sind Krisen und G.O. nicht auch der Natur analoge Prozesse, halt solche speziellen, die für "Geldwirtschaft" spezifisch sind? Auch in der Natur lebt ja nichts ewig, es ist ein Kreislauf von Erneuerung, Wachstum, Blüte, Verwelken und Tod. Jedes Jahr hat diesen Zyklus, es gibt ihn aber auch auf vielen anderen zeitlichen und inhaltlichen Ebenen ... so sehe ich es jedenfalls mittlerweile.
Diese Friede-Freude-Eierkuchen-Vorstellung von "Ökologie" ("die liebe Natur und der böse Mensch" etc.) halte ich für eine Ideologie.
Trotzdem sollten wir Menschen uns natürlich um Verbesserungen bemühen.
Warum soll man nicht das Vermögen das vererbt werden soll nehmen, um
den
Aufschuldungsprozess in einen Kreislauf zu bringen. Lebenlang
aufschulden
und zum Tod abschreiben/bzw. duch erarbeitetes Vermögen tilgen
Dann gründet natürlich erst recht keiner mehr Familien, wenn man
nicht
mal für seine Kinder vorsorgen dürfen soll (Kopfschüttel).
Ach, Du übertreibst. Es geht doch nicht darum denen und uns das
Einfamilienhaus oder die paar Hunderttausend Euro zu nehmen, sondern die
großen Vermögen. Sagen wir ab 500.000. Du weisst ganz genau, das die
großen Vermögen über Generationen verdient und angesammelt werden.
Fugger, Medici u.s.w.
Ach, so meinst Du das. Ok, von mir aus, das betrifft mich ja nicht lol - aber was die Folgen wären, wenn man das national macht, würde ich mich trotzdem fragen (kann das national funktionieren? Oder nur international?).
Unsere heutigen reichen Eliten versagen doch komplett. Und warum? Sie
machen sich sorgen um ihren Besitz und sorgen sich um Haftung, Verteilung,
Steuern Hierachien, Macht und solchen Besitzerkram. Die schaffen kein neues
Eigentum mehr. Alles Pfeifen.... Dann gehen sie eben...
Ja, ab einer bestimmten Grösse von sozialen Gruppen wird offensichtlich Trittbrettfahrerverhalten das, wofür die meisten sich entscheiden. Aber nicht nur die Grösse spielt eine Rolle, auch die Ideologie in den Köpfen, die Zukunftsperspektiven, etc. etc.
Ich will aber die "Eliten" nicht entschuldigen. Ich weiss halt, daß ich auf meine Weise auch zu den Entwicklungen beigetragen habe (genauso wie ich von ihnen geprägt wurde und werde) und beitrage, auch wenn mir das die längste Zeit überhaupt nicht klar war.
Wenn Debitismus dann richtig!!!!
Hm ok ... und wie ginge das dann Deiner Meinung nach?
Ist nur so eine debitistisch, Künslerische Ahnung....ha, ha
Kann man wohl sagen.
Dank für Deine ehrliche Ausführung
Sorry wenn ich pessimistisch klinge, mir wäre es anders auch lieber.
Nee, nee, ich finde das nicht pessimistisch. Eher angenehm fundiert.
Hoffnung habe ich mir abgeschminkt, von daher kann ich zwischen Argumenten
und Stimmungen unterscheiden.
Mh, gut. Ich finde es auch nicht pessimistisch, sondern mehr realistisch ... ok, aber insgesamt schon zuwenig auf die Chancen orientiert, die ja immer die Kehrseite von Risiken und Bedrohungen darstellen.
Ich finde es eher merkwürdig, das Du nicht spekulierst....
An der Börse, meinst Du? Du, das finde ich todlangweilig, es interessiert mich einfach nicht. Hätte ich was zum anlegen, ich würde mir ein paar Firmen suchen, die ich für längerfristig vielversprechend halte, und dann nur "buy and hold".
Daytrading? Gähn, für mich sowas von langweilig und Zeitverschwendung. Ist einfach ned mein Ding. Ich gehöre zu den altmodischen Idioten, die ihre Kohle auf ehrliche Art mit direkter Arbeit machen wollen (wobei natürlich nicht viel Kohle rauskommt - klar, selber blöd, aber so bin ich halt).
Aber die Heinsohn-Bücher (siehe letztes Posting) kann ich Dir schon empfehlen. Gehören zu den Büchern, die mein Weltbild umgekrempelt haben wie sonst nur wenige, weswegen sie mich halt noch immer beschäftigen (sowohl ihre Stärken als auch ihre Schwächen).
Hausaufgaben sind das aber keine. Bei mir waren es Fragen und Neugier, die mich dahin geführt haben. Ob das nun gut oder schlecht war, keine Ahnung. "Lösungen" sind daraus jedenfalls nicht erwachsen (obwohl die Suche danach natürlich zu meinen wichtigsten Motiven gehört hat).
Viele Grüsse
moneymind
--
BLOGGING: Never before have so many people with so little to say said so much to so few.
gesamter Thread:
- Finis Germaniae -
moneymind,
13.10.2010, 23:00
- Fortsetzung - Teil 2 -
moneymind,
13.10.2010, 23:01
- Kritik & Anmerkungen -
Centao,
14.10.2010, 11:45
- Fragen + Anmerkungen -
moneymind,
14.10.2010, 14:22
- Krisengründe -
Centao,
15.10.2010, 09:33
- Antwort - moneymind, 16.10.2010, 00:45
- Krisengründe -
Centao,
15.10.2010, 09:33
- Fragen + Anmerkungen -
moneymind,
14.10.2010, 14:22
- Kritik & Anmerkungen -
Centao,
14.10.2010, 11:45
- Kommt das Demographieproblem zum richtigen Zeitpunkt? -
Bambus,
15.10.2010, 19:42
- es geht doch nicht nur um abstrakte zahlenmässige Schrumpfung der Bevölkerung -
moneymind,
16.10.2010, 22:38
- Ich halte zum Abarbeiten voll dagegen.... -
Bambus,
17.10.2010, 14:54
- ein paar Antworten -
moneymind,
17.10.2010, 16:28
- Na dann mache ich mal meine Hausaufgaben... -
Bambus,
17.10.2010, 19:04
- Hausaufgaben? Erledigen auf eigene Gefahr ;-) - moneymind, 18.10.2010, 02:37
- Na dann mache ich mal meine Hausaufgaben... -
Bambus,
17.10.2010, 19:04
- ein paar Antworten -
moneymind,
17.10.2010, 16:28
- Ich halte zum Abarbeiten voll dagegen.... -
Bambus,
17.10.2010, 14:54
- es geht doch nicht nur um abstrakte zahlenmässige Schrumpfung der Bevölkerung -
moneymind,
16.10.2010, 22:38
- Fortsetzung - Teil 2 -
moneymind,
13.10.2010, 23:01
