@Meph
Hallo Mephistopheles!
Weit draussen auf dem Land, wo der Huber Schorsch das Entlüften der Dieselleitung am Traktor durch den Maier Franz mit einem Handschlag bezahlt, der für den Maier Franz bedeutet, daß er jederzeit eine handwerkliche Gegenleitung vom Huber Schorsch fordern kann ("geh Schorsch, der gschissane Hoazkessl lafft net gscheit, huif ma amoi gschwind!"), dort wird die Deckungsfrage wohl kaum jemals relevant werden. Etwaige Schwarzarbeits-Vorwürfe werden mit Schulterzucken und einem kurzen Grunzen quittiert.
Ich hab' da noch einen Fernsehbericht aus Niederbayern (östliche Grenzregion) im Kopf: Frage an einen Landwirt "Glauben Sie, das diese Region eines Tages wieder aufblühen könnte?", Antwort: "Nur, wenn es eine neue Weltwirtschaftskrise gibt!"
Könnte eine Freigeld-Währung beim Niedergang des gesetzliche Zahlungsmittel fortbestehen?
Eine überschaubare Tauschgemeinschaft mag in der Lage sein, so etwas wie eine Stammeswirtschaft nachzubilden. Wenn dabei Schuldscheine verwendet werden, die jeweils nur eine unmittelbare Waren- oder Dienstleistung zum Inhalt haben, dann mögen diese auch losgelöst von einem gesetzlichen Zahlungsmittel existieren können. Allerdings wird in einer solchen Gemeinschaft wohl kaum eine Umlaufsicherung mittels Schwundgeld von Interesse sein - es liefe ja trotz Schuldscheine alles nur auf simple Tauschwirtschaft hinaus.
Was aber bei einer Tausch-Gemeinschaft, die so groß ist, daß unmöglich jeder jeden kennen kann? Einer Gemeinschaft mit einer ausgeprägten Arbeitsteilung? Könnte z.B. eine Regionalwährung wie der Chiemgauer seinen Verwendern ein Zahlungsmittel bewahren, im Falle eines Niedergangs des Euros? Wer heute seine Rechnung in Chiemgauer nicht entrichten mag, muß es eben in Euro tun. Wer seine Chiemgauer nicht los wird, tauscht sie zurück in Euros. Keine nennenswerten Zwänge - keine nennenswerten Risiken. Eigentlich Kindergeburtstag.
Und jetzt fällt das GZ aus - und alle Chiemgauer-Verwender jubeln, weil man ist ja eine autarke und starke Tauschgemeinschaft? Bestellungen in eBay funktionieren zwar nicht, aber wesentliche Teile der Regionalwirtschaft bleiben intakt, um zumindest die Minimalversorgung mit Lebensmitteln und Gütern zu gewährleisten?
Und überall nur noch Altruisten, die angesichts der Krise zusammenrücken und sich ihrer christlichen Nächstenliebe besinnen? Wohl kaum - sehr bald wird die Frage aufkommen, was zu tun ist, wenn jemand seine Verbindlichkeiten nicht erfüllt. Es würde dann wohl, genau wie beim GZ, mit Zahlungsterminen, Zwang zur Zahlung und Sanktion bei Nichtzahlung gearbeitet werden müssen! Und welche Instanz innerhalb der Tauschgemeinschaft übernimmt dann die Rolle der Ordnungsmacht? Das Bürgermeisteramt und die örtliche Polizeidienststelle? Entlohnt womit? Mit Freigeld? Woher? Ach so, ja, der Bürgermeister erklärt das Freigeld kurzerhand zum Zahlungsmittel für die Gemeindesteuer und übernimmt auch gleich generös dessen „Verwaltung“ ...und damit sind wir faaaast schon wieder da, wo wir hergekommen sind...
...fehlt nur noch der ursprüngliche Platzhirsch. Wo ist er geblieben? Verschwunden zusammen mit seinem GZ? Der sieht jetzt dem bunten Treiben zu und sagt: Brav, meine Kinder! Jetzt seid ihr alle erwachsen geworden, und braucht mich endlich nicht mehr. Wozu doch so eine Währungskrise gut sein kann! Wie war das damals mit der Ersatz-Währung Zigaretten und Schokolade nach dem zweiten Weltkrieg? Wurde diese "bürgerliche Selbsthilfe" vom Staat wohlwollend gefördert? "Der Bürger muß eben auch mal selbst handeln, wo der Staat es nicht kann..."???
Hast Du nicht selbst, werter Mephistopheles, vor kurzem einen Link zum Wirtschaftssicherstellungsgesetz reingestellt?
Dort wird der Weg gewiesen.
Lückenlos.
Und weit draussen auf dem Land sagt der Maier Franz: "Schaug hieh, Schorsch, jetztad lafft a wieda, da Hoazkessel, un gscheit brenna duads aa, dees Freigeld-Zaigs, dees gschissene!"
Mein persönliches Freiwirtschafts-Szenario für die ländliche Region:
1 Quadratmeter Wald kostet 1 Euro. Das ist trotz Bewirtschaftungszwang nicht viel.
Ein Hektar Wald versorgt eine Familie und deren Haus ausreichend mit Brennstoff, ohne Raubbau betreiben zu müssen.
Und die Nachbarn, der Schorsch, der Franz und all die anderen, sind zwar keine Altruisten, aber gegenseitige Hilfe ist trotzdem selbstverständlicher Bestandteil deren täglichen Lebens.
Für alles, was über diese kleine Gemeinschaft hinausgeht fehlt mir, das gebe ich gerne zu, schlicht und ergreifend der Glaube und die Vorstellungskraft und das ist auch der Punkt, den ich bei der Freiwirtschaft einfach nicht gebacken kriege...
Mit allerbesten Grüßen
Lex
gesamter Thread:
- Fragen zu: Finanzsystemkollaps, Debitismus, Freiwirtschaft, LEAP und Literatur -
Melethron,
06.02.2008, 09:50
- auch @ Chef und @weissviel -
Fremdwort,
06.02.2008, 11:39
- @Fremdwort: nur zu - Chef, 06.02.2008, 12:57
- Hoffe mal ich hab hier keine blöde Diskussion losgetreten + Frage an dottore -
Melethron,
06.02.2008, 13:43
- na dann mal scheibchenweise -
Fremdwort,
07.02.2008, 06:51
- Erscheint einleuchtend ... -
Melethron,
08.02.2008, 05:44
- das nächste Scheibchen - Fremdwort, 10.02.2008, 03:25
- Erscheint einleuchtend ... -
Melethron,
08.02.2008, 05:44
- na dann mal scheibchenweise -
Fremdwort,
07.02.2008, 06:51
- Freiwirte... -
Lex Mercatoria,
06.02.2008, 12:22
- Freiwirtschaft und Debitismus -
Onkel Otto,
06.02.2008, 12:52
- Nachtrag Deflation -
Onkel Otto,
06.02.2008, 13:19
- für Deflation gibts doch Helikopter ;) (oT)
-
Melethron,
06.02.2008, 14:09
- die Hochfinanz wird die Ladung verweigern - Onkel Otto, 06.02.2008, 14:22
- für Deflation gibts doch Helikopter ;) (oT)
- Unterschied von (Umlauf-)Gebühr und Steuer? -
Lex Mercatoria,
06.02.2008, 13:34
- Geld als Makrtobjekt -
Onkel Otto,
06.02.2008, 13:42
- Marktobjekt? -
Lex Mercatoria,
06.02.2008, 14:31
- Freiwirtschaft oder nur Umlaufsicherung -
Onkel Otto,
06.02.2008, 15:50
- In Zeiten wie diesen, geschätzter Onkel Otto, -
Lex Mercatoria,
07.02.2008, 11:53
- @lex - ja Zeiten wie diese - Onkel Otto, 07.02.2008, 13:38
- Effizient ???? -
Melethron,
08.02.2008, 05:33
- Kapitalismus ist nicht Marktwirtschaft - Onkel Otto, 09.02.2008, 01:09
- In Zeiten wie diesen, geschätzter Onkel Otto, -
Lex Mercatoria,
07.02.2008, 11:53
- Freiwirtschaft oder nur Umlaufsicherung -
Onkel Otto,
06.02.2008, 15:50
- Marktobjekt? -
Lex Mercatoria,
06.02.2008, 14:31
- Geld als Makrtobjekt -
Onkel Otto,
06.02.2008, 13:42
- Nachtrag Deflation -
Onkel Otto,
06.02.2008, 13:19
- Danke für die Tips .... - Melethron, 06.02.2008, 14:02
- @Lex: Ich werde den Verdacht nicht los... -
Mephistopheles,
07.02.2008, 14:28
- @Meph -
Lex Mercatoria,
08.02.2008, 03:51
- Regiogeld ist nicht Lösung sondern Visualisierung -
Onkel Otto,
09.02.2008, 02:52
- Visualisierung von was genau eigentlich? -
Lex Mercatoria,
09.02.2008, 05:30
- @Lex- Geldwert als Knappheit-bzw Zinsausgleich? -
Onkel Otto,
09.02.2008, 06:06
- Nachtrag umlaufgesichertes Bargeld - Onkel Otto, 09.02.2008, 06:20
- Aber wo genau kommt das Freigeld denn jetzt her... -
Lex Mercatoria,
09.02.2008, 06:48
- aus dem Nichts - waffengedeckt :o) -
Onkel Otto,
09.02.2008, 07:30
- Warum gleich so martialisch? -
Lex Mercatoria,
09.02.2008, 09:12
- ich möchte es auch gern wissen :o) - Onkel Otto, 09.02.2008, 13:30
- Warum gleich so martialisch? -
Lex Mercatoria,
09.02.2008, 09:12
- aus dem Nichts - waffengedeckt :o) -
Onkel Otto,
09.02.2008, 07:30
- @Lex- Geldwert als Knappheit-bzw Zinsausgleich? -
Onkel Otto,
09.02.2008, 06:06
- Visualisierung von was genau eigentlich? -
Lex Mercatoria,
09.02.2008, 05:30
- Regiogeld ist nicht Lösung sondern Visualisierung -
Onkel Otto,
09.02.2008, 02:52
- @Meph -
Lex Mercatoria,
08.02.2008, 03:51
- Freiwirtschaft und Debitismus -
Onkel Otto,
06.02.2008, 12:52
- auch @ Chef und @weissviel -
Fremdwort,
06.02.2008, 11:39
