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Der Vergleich hinkt

chiron, Mittwoch, 03.06.2009, 11:39 (vor 6184 Tagen) @ prinz_eisenherz

Hallo eisenherz

ich meine, hierbei geht es auch ohne Vertrauen und Macht, sofern der Wirt
den Touristen nicht auf der Stelle über den Haufen schießt.

Du beginnst dein Posting schon mit einer Bedingung - kein glücklicher Start. Wieso soll er den Touristen nicht über den Haufen schiessen? Geld und Macht sind nicht zu trennen.


Denn das Problem ist hierbei, das er das Geld zurück bekommt, noch ehe
er in seinem Zimmer übernachtet hat.

Sonst bekäme er es ja auch nicht zurück. Das Problem liegt hier in der vergangenen Zeit. Aktuell nur ein paar Stunden, die aber ein Risiko in sich tragen. Und schon ist der Zins als Risikozulage da, was im Beispiel ausgeblendet wird.

Der Wirt hätte somit den
Geldschein nicht schon vorher zur Schuldenbegleichung benutzen dürfen,
denn er hat seine Dienstleistung dafür noch nicht erbracht. Die 100
Euro des Touristen gehören ihm nicht.

Er hätte es nicht dürfen, aber für den Tourist war es kein Problem. Nur hätte es der Tourist nie zugelassen, wegen der Angst, das Geld nicht zurück zu bekommen.

Bei dieser Betrachtung, tiefer nachgedacht, nähert man sich nämlich der
Problematik der aktuellen Finanz- und Kreditkrise, das Schulden mit Geld
erzeugt und bezahlt wurden, welches den Banken und anderen Schuldnern gar
nicht gehörte, quasi im Vorgriff, in der Hoffnung, das ihr Risiko in einem
festgelegten Zeitrahmen beherrschbar ist, wenn nämlich das Geld mit Zinsen
schneller zurück bezahlt werden, als der Gläubiger darauf Anspruch hat.
Aber wehe nur ein großer Gläubiger will sein Geld schneller zurück, als
es vereinbart wurde, dann wird es ein freier Fall.

Das ist ziemlich wirr. Schulden werden nicht mit Geld erzeugt, sondern sie entstehen gleichzeitig. Die Entstehung wird durch die Banken ermöglicht. Sie tragen das Risiko. Solange die Kreditausfälle durch die Zinsdifferenz finanziert werden können, ist alles in Butter. Dummerweise lief das ganze aber lange gut. Die Zinsgewinne wurden verfrühstückt, statt auf die Seite gelegt. Und plötzlich kamen Kreditausfälle in Hülle und Fülle und die Reserven fehlten.


Das ist so, als würdest du mir 100 Euro zur Aufbewahrung geben, ich nehme
die 100 Euro leiste mir ein gehobenes Bordell dafür - woher meine 100 Euro
als Bezahlung dafür herkommen, das interessiert die freundliche Dame nicht
im geringsten. Und nachdem ich dieses Vergnügen hatte, verlangst du von
mir die zugereichten 100 Euro zurück. Die Lücke bei mir ist dann klar und
eindeutig, ich habe 100 Euro weiniger, weil ich inzwischen ja mit deinem
Geld eine andere Dienstleistung bezahlt habe. Am Ende hast du dein Geld
zurück und ich 100 Euro weiniger.

Du hast eine Leistung genossen (hoffentlich[[zwinker]] ), der Tourist hat aber keine Leistung in Anspruch genommen. Der Vergleich hinkt.

Erst das Vergnügen zu haben und dann die Bezahlung dafür zu
verweigern, bez. andere dafür bezahlen zu lassen, enstehende
Ähnlichkeiten zur heutigen Lage auf dem Finanzmarkt sind nicht zufällig,
sondern zwangläufig.

Hat nichts mit dem Beispiel des Touristen zu tun. Er hat nur (unwissentlich) seinen Hunderter für ein paar Stunden ausgelehnt.

Solltest du mir heftig widersprechen, was ich erwarte, dann muss ich dich
auf die Abendstunden mit meiner Antwort vertrösten, weil mich mein Garten
mit den wilden Schnecken ruft, die sich gerade wieder in Richtung meiner
Tomaten auf den Weg gemacht haben. Die Schnecken, auch solche Halunken,
erst das Vergnügen, aber ohne zu bezahlen.[[freude]]

Tja, die liebe Zeit, ohne die es die Verlustangst gar nicht geben würde.

Gruss chiron

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