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Noch paar Aspekte zum "Geldsparen über den Fälligkeitstermin des zugrundeliegenden Kredits hinaus"

moneymind @, Dienstag, 14.05.2013, 16:21 (vor 4665 Tagen) @ pigbonds
bearbeitet von unbekannt, Dienstag, 14.05.2013, 16:25

Hi,

Banken "verleihen" kein Geld (irreführende Dingmetapher). Sie vergeben
Kredite. Zinsen auf Einlagen zahlen Banken ihren Kunden dafür, daß

sie

ihnen das Risiko der Illiquidität für den vereinbarten Zeitraum (in

dem

die Kunden ihr Guthaben "fest anlegen") abnehmen. Sie senken damit

ihre

Kosten fürs Besorgen von Zentralbankgeld (für das sie den Diskontsatz
zahlen müssen).


Das ist auch mein Verständnis. Banken brauchen gar keine Kundenguthaben,
sie könnten sich ebenso bei der ZB refinanzieren; sie wollen die
Kundenguthaben dann, wenn sie sich daraus günstiger refinanzieren
können.

Ok.

Wann und warum ist "gespartes Geld" "dem Wirtschaftskreislauf entzogen"
(schwammige und irreführende Ausdrucksweise)?

Dazu ein kurzes Beispiel: Unternehmer verschuldet sich bei Bank in

Höhe

von 1000, Zins=0. Er Zahlt 500 in Löhnen aus (Überweisung auf
Arbeiterkonto bei derselben Bank), kauft für 500 Vorprodukte

(Überweisung

auf Konto des Vorproduktherstellers bei derselben Bank). Er produziert.

Arbeiter kaufen bei ihm für 250, 250 lassen sie bei der Bank auf ihrem
Konto. Verkäufer der Vorprodukte kaufen bei Unternehmer waren für 500.


Unternehmer zahlt zum Fälligkeitstermin 750 des Kredits über 1000
zurück. Fällig sind 1000.

Ergebnis: Er ist zahlungsunfähig. Die ihm fehlenden 250 haben seine
Arbeiter zur Absicherung vor Arbeitslosigkeit "gespart". Und sich damit
ironischerweise um ihre Arbeitsplätze gebracht. Piratos stellt das im
Vortrag ähnlich dar, bei ihm fehlt allerdings die Hervorhebung der
zentralen Rolle des Termins):


Das ist nun der alles entscheidende Punkt - der Punkt, der die Dynamik des
Kapitalismus und die Grundlage des Wohlfahrtstaates ausmacht!

*Dein* Idealsystem wäre ein System, in dem Arbeiter unter Anleitung (des
Unternehmers) für sich selber produzieren und *Dein Geld* ist im Grunde
kein richtiges Geld, weil es wie Zuteilungsscheine verwendet werden soll.

Keineswegs. Von Idealsystem war nirgends irgendeine Rede. Ich habe ein willkürliches konkretes Beispiel für "dem Wirtschaftskreislauf entzogenes Geld" gebracht, um die von Orlando übersehenen Aspekte zu verdeutlichen.

Dein System ist im Grunde das gescheiterte sozialistische System, das wir
kennen, das aber die Begriffe des kapitalistischen Systems trägt.

Ich habe nirgends von dergleichen geredet. Es ist einfach ein reflexhafte Unterstellung Deinerseits, die nichts darüber aussagt, was ich geschrieben habe, sondern etwas über Dein eigenes Denken.

Im kapitalistischen System ist der Arbeiter frei, *zu sparen*.

Selbstverständlich. Und ob er im beschriebenen Sinn "sparen" (Geldvermögen halten) wird, oder in anderer Form Vermögen bilden wird, oder überhaupt keines bilden wird, hängt von den verschiedensten Dingen ab.

Er kann die
Ersparnis aber auch ausgeben, für eine Putzfrau, dann allerdings besteht
immer noch Ersparnis im System und zwar in genau gleicher Höhe.

Solange die Putzfrau nichts konsumiert. Putzfrauen können angesichts ihrer Löhne normalerweise nicht sparen, sondern müssen diese zur Befriedigung von Grundbedürfnissen direkt verausgaben (Supermarkt - geht an verschuldete Lebensmittelhersteller etc.).

Der
Unterschied liegt darin, dass jedoch das BIP gestiegen ist und auch die zu
besteuernden Einkommen.

Darum ging es nicht.

*Dein Systemverständnis* verlangt danach, das Vorhandensein eines
Dienstleistungssektors als einen Defekt zu bezeichnen, ausser, wenn am Ende
einer Tilgungsperiode (Termin, wie Du sehr richtig hervorstreichst) das
Guthaben just noch für ein Produkt eines verschuldeten Unternehmers
ausgegeben wird. Zufälligerweise.

?!? Sorry, für mich ist kein Dienstleistungssektor ein "Defekt", und ich kann nicht nachvollziehen, wie Du darauf kommst.

Im kaptialistischen System ist das Auftreten eines riesigen
Dienstleistungssektors fast zwingend, weil die Arbeiter eben ihr Geld
gerade nicht für die von ihnen hergestellten Produkte ausgeben wollen,
sondern zum Beispiel lieber für ärztliche Behandlung, Putzfrauen oder
Sex. Was dann die EmpfängerInnen mit ihrem Geld anfangen, das tatsächlich
*zirkuliert* (als Kontenverschiebungen), ist deren Sache.

Die müssen essen, wohnen, sich kleiden usw. Bleibt danach noch etwas übrig, können sie das sparen - in monetärer Form, oder in anderer Form (Gold, Immos, Wertpapiere, Aktien etc.).

Erst wenn es an
einen verschuldeten Unternehmer gelangt, der tilgen will, verschwindet das
Guthaben und damit die *Ersparnis* aus dem System.

An irgendeinen "Verschuldeten" (kann auch der Staat sein, wer auch immer).

Dadurch, dass im kapitalistischen System dem verschuldeten Unternehmer die
Tilgungsmittel fehlen, entsteht der Druck zur Verbesserung der Produkte
(Innovation),

Dadurch entsteht nicht der Druck zur Innovation, sondern zunächst mal nur der Druck zur Kostensenkung. Der führt zu einer Nachfrage nach kostensenkenden Innovationen. Voraussetzung ist dabei Vertragsfreiheit, über die solche Innovationen dann zur Ausdifferenzierung der Arbeitsteilung führen können.

Innovationen werden allerdings nur verwirklicht, wenn sie einen Gewinn versprechen, also in einer stark deflationären Situation gerade nicht. Aufs ganze gesehen ist aber knappes Geld und Liquiditätsdruck ein wichtiger Motor für die Nachfrage nach Innovationen - verschärfter Schuldendruck allerdings wirkt wiederum ebenso hemmend wie mangelnder. Daher steuern ZBen ein Infla-Ziel um die 2-2,5 % an - das ist ein Maß für den durchschnittlichen Schuldendruck.

aber auch die Möglichkeit des Wohlfahrtstaates, der über
die Besteuerung der Zirkulation (BIP) die Finanzierungskosten seiner
eigenen Verschuldung aufzubringen versucht und so durch die immer weitere
Verschuldung die Chance der verschuldeten Unternehmer erhöht, dennoch an
Geld zur Tilgung zu kommen. Der Wohlfahrtsstaat kann im Vergleich zu
anderen Staaten enorme Ausmasse annehmen, solange Unternehmer immer neue
Spitzenprodukte hervorbringen vermögen, die Nachfrage anziehen. Denn jene
Währung, in der sie ihre Verschuldung zu bedienen haben, wird dadurch
fortwährend an *Kaufkraft* gewinnen. Dadurch wird der schuldenfinanzierte
Wohlfahrtsstaat möglich.

Das zeigt, dass die Ersparnisbildung für das Funktionieren des
kapitalistischen Systems sehr wichtig ist, weil sie, verstanden als
"Blockierung der Tilgungsmittel", von Unternehmern Innovation erzwingt und
gleichzeitig den Wohlfahrtsstaat ermöglicht.

Wichtig ist Geldknappheit im richtigen Maß, die auch von der Sparneigung der verschiedenen Gruppen von Wi-Subjekten beeinflußt wird. Sowohl zuwenig als auch zuviel Geldknappheit bremst die Innovationsentwicklung. Daher das Infla-Ziel um 2% (EZB - niedrigstes Inflaziel weltweit, andere ZBen zielen bis zu 5% an) - 20% wäre innovationshemmend, -10% dürfte die Wirtschaft zum Stillstand führen (deflationäre Depression), womit innovative Investionen mangels Rentabilitätsaussichten gar nicht mehr zustandekommen.

Das Infla-Niveau beeeinflußt auch die Geldsparneigung der Privaten, das ist eine ihrer wichtigen geldpolitischen Funktionen (hat Geld einen negativen Realzins, werden nichtmonetäre Formen der Vermögensbildung attraktiver).

Die derzeitige Niedrigzinspolitik der ZBen ist zum guten Teil durch staatliche Konsolidierungsstrategien erzwungen - anders ließe sich nämlich das Infla-Ziel nicht erreichen.

Ersparnis als Voraussetzung für Investition in dem Sinn, daß Unternehmen erst sparen müßten, bevor sie investieren können, ist ein neoklassischer Mythos.

Würde der Wohlfahrtsstaat
nicht existieren, würden viele Unternehmen gleich verrecken und die
kreditgebenden Banken mitsamt ihren sparenden Kunden auch! Das eine bedingt
das andere - empirisch können diese Phänomene nicht isoliert nachgewiesen
werden, den die Logik verlangt, dass im Ungleichgewicht dass System sehr
schnell implodieren muss (Debitismus von PCM).

Natürlich, deswegen muß es antizyklisch reguliert werden wie eine Heizung vom Thermostat. Von Akteuren, die sich antizyklisches Handeln leisten können, ohne dabei ihre eigenen Interessen zu verletzen.

Das hat nichts mit der Einführung von Sozialismus zu tun, sondern gerade mit der Sicherung der elementaren Funktionsbedingungen des Kapitalismus.

Gruß
moneymind

--
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                            • Es ist ständig mehr ZB-Geld notwendig - Amos, 21.05.2013, 11:04
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                                • Wahrscheinlichkeit nahe 100% - Amos, 21.05.2013, 13:54
                                  • Lebensvorgänge sind nicht durch Zufallsreihen abbildbar - Orlando, 21.05.2013, 14:14
                                    • So, ich hab's mal gegoogelt - BerndBorchert, 21.05.2013, 18:26
                                      • mathematischen Modelle bilden die Realität oft nicht richtig ab - Amos, 21.05.2013, 19:09
                      • Vernichtungsorgie - Liated mi Lefuet, 21.05.2013, 18:24
                        • Man braucht soviel Puffer wie der höchste Stand im Laufe des ganzen Spiels, nicht nur der am Schluss - BerndBorchert, 21.05.2013, 19:50
                          • Zu jedemZeitpunkt simultan:Je (k)eine stimmige Aussage möglich - Liated mi Lefuet, 21.05.2013, 21:38
                            • Maßstab - BerndBorchert, 22.05.2013, 12:45
                        • Sorry, Bernd: Mir ist ein Fehler unterlaufen - Liated mi Lefuet, 22.05.2013, 09:06
                  • Zahlungsverkehrs-Evergreen - paranoia, 20.05.2013, 00:16
                    • Meinst Du Unabhängigkeit, oder fehlenden Bias? - Naclador, 20.05.2013, 01:11
                      • Zahlungsverkehrs-Evergreen II - paranoia, 20.05.2013, 01:40
                        • Ich (er)finde: Sehr nett, dass Dich Netting so offenkundig begeistert:-), Paragioa;-) (oT) [ [ kein Text ] ] - Liated mi Lefuet, 20.05.2013, 18:36
                          • Petting begeistert mich noch mehr (oT) [ [ kein Text ] ] - paranoia, 20.05.2013, 18:41
                  • Anmerkungen - Ashitaka, 20.05.2013, 10:07
                    • Geld-Rückkehr - Leserzuschrift, 20.05.2013, 17:31
                      • Geld "selbst" gibt es nicht. - Ashitaka, 20.05.2013, 20:16
                        • Geld, die Zweite - Leserzuschrift, 21.05.2013, 11:41
                          • Geld kehrt immer zurück - Ashitaka, 21.05.2013, 18:10
                            • Geld, die Dritte - Leserzuschrift, 22.05.2013, 12:31
                            • Geld, das draußenbleibt - moneymind, 22.05.2013, 14:01
                              • Geld, welches ohne Termin draussenbleibt - Miesespeter, 22.05.2013, 14:20
                                • ok - moneymind, 22.05.2013, 15:07
                                • Mind-Fuck auch bitte @moneymind - Ashitaka, 22.05.2013, 18:41
                          • Zeitlicher Ablauf - tar, 22.05.2013, 14:44
                            • Geld, die Vierte - Leserzuschrift, 24.05.2013, 11:47
                              • Time again - tar, 24.05.2013, 22:37
                                • Geld, die Fünfte - Leserzuschrift, 26.05.2013, 11:43
                    • Refinanzierungsquote realistischerweise zwischen Mindestreservesatz (momentan 1%) und 100% ? - BerndBorchert, 20.05.2013, 22:21
                      • Das ließe sich aufbereiten - Ashitaka, 24.05.2013, 18:45
                        • Das wäre allerdings extrem hilfreich! - Naclador, 27.05.2013, 10:32
      • ZBG-Bedarf von GBen - moneymind, 17.05.2013, 19:04
        • Selbsternannter Experte?! - Ashitaka, 17.05.2013, 19:34
          • Laß es sein - moneymind, 20.05.2013, 19:42
            • Aua - Ashitaka, 20.05.2013, 20:35
        • Das andere Extrem ist nicht 0 - BerndBorchert, 17.05.2013, 19:46
          • Klingt vernünftig! - Naclador, 19.05.2013, 23:11
          • ? Beispiele und Frage - moneymind, 20.05.2013, 19:36
            • "(An)Trieb" von Liated ;-) - Liated mi Lefuet, 20.05.2013, 21:23
            • Ein Beispiel mit Plus ... - BerndBorchert, 20.05.2013, 22:51
              • Ja, genau so hatte ich Dich auch verstanden. - Naclador, 22.05.2013, 10:02
                • auch @B. Borchert, Liated, Luta etc. - moneymind, 22.05.2013, 10:50
                  • Die Karte ist nicht das Gebiet. - Naclador, 22.05.2013, 11:57
                    • sinnvolle Modellbildung - moneymind, 22.05.2013, 13:23
                  • Keine Aussage für Bankenkrise - Modell ist ein Schönwettermodell (oT) [ [ kein Text ] ] - BerndBorchert, 22.05.2013, 12:52
                    • dann ist das ein Hinweis auf mangelnde Erklärungsleistungen des Modells ... - moneymind, 22.05.2013, 13:31
                • Akkumulation - tar, 22.05.2013, 12:47
                  • Gesetz der großen Zahlen - Naclador, 22.05.2013, 13:56
                    • idealer Grenzfall beim Münzwurf? - tar, 22.05.2013, 14:10
                      • Ich bin mir nicht sicher, ob ich Dich richtig verstehe. - Naclador, 22.05.2013, 14:41
                        • Mathematische Optimierungsspielchen - tar, 23.05.2013, 00:52
                          • Man weiß es anfangs ja nicht - Naclador, 23.05.2013, 07:51
                            • Praxis - tar, 23.05.2013, 09:47
                              • Praxis - Naclador, 23.05.2013, 09:59
                          • Vielleicht hast Du Recht. - Naclador, 23.05.2013, 09:38

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