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Ohne Politik

Miesespeter @, Montag, 13.05.2013, 17:54 (vor 4792 Tagen) @ Newbigin
bearbeitet von unbekannt, Montag, 13.05.2013, 18:06

Ohne unkontrollierbare Politik hat man dann halt unkontrollierbare
Wirtschaft.


Der Clou der geordneten Marktwirtschaft, also einer die innerhalb einer
Rechtsordnung abläuft, ist ja, dass sie sich selbst kontrolliert. Dafür
sorgt der Wettbewerb.

Spiegel-Replik: Der Clou einer parlamentarischen Demokratie, also einer die innerhalb einer Rechtsordnung abläuft, ist ja, dass sie sich selbst kontrolliert. Dafür sorgt der demokratische Wettbewerb.

Mal abgesehen davon, dass der Staat kein Monopol besitzt, 'Geld zu
drucken', und beim vermuteteten Sinn dieser Aussage angesetzt, erklaert
Braunschweig also, dass es besser waere (fuer wen? weshalb?) wenn die
Politik ein Instrument weniger in der Hand hielte, um Politik zu
betreiben.


Die wundervollen Ergebnisse staatlich verordneter Geldpolitik dürfen wir
gerade in Euroland und anderen Krisenherden beobachten. Dass privat im
Rahmen des marktlichen Wettbewerbs organisiertes Geld schlechter
funktionieren würde als das jetzige staatliche erscheint wenig plausibel.

Da kommt drauf an, was man unter 'funktionieren' versteht. Das muesstest Du mal naeher definieren. Soweit ich das sehe, funktioniert das gegenwaertige Geld im Sinne seiner Erfinder ganz gut (= hat 100 Jahre exponentielles Wirtschaftswachstum ermoeglicht, Staatsbankrotte grosser Maechte weitestgehend vermieden, der Politik Spielraum zu antizyklischer Geldpolitik und somit Verlaengerung des Wirtschaftens ermoeglicht).

Was ist schlechter an 'geschickter, verschleierter Umverteilung' als

zb.

an ungeschickter, unverdeckter Umverteilung?


Ungeschickte, unverdeckte Umverteilung erregt mit Recht bald den Zorn der
Abgezockten.

Und was machen die dann, wenn sie zornig sind? Was ist gut daran, zornige Untertanen / Staatsbuerger zu haben?

Aus Sicht der Politik doch sicherlich verstaendlich, lieber geschickt

als

ungeschickt agieren zu wollen?


Klaro. Auch Gauner werden lieber nicht erwischt, als ins Kittchen zu
wanden. Das ist unstrittig. Darum ist Geldpolitik ja auch so beliebt bei
den Mächtigen - das wirkt aufs gemeine Volk immer wie höhere Gewalt.

Ich behaupte mal ganz frech, das gemeine Volk waehlt die Politiker gerade deswegen, weil sie mit den Mitteln der Politik diejenigen Ergebnisse erwirken, welche das Volk in der Mehrheit wuenscht.

Das Volk in der Mehrheit ist nicht FDP-afin. 50% des Volkes sind nicht berufstaetig, also auf Umverteilung angewiesen. 50% des Volkes sind Frauen, dem Wettbewerbsgedanken nicht sonderlich zugetan. Vom verbleibenden Rest sind 50% Maenner mit IQ unter 100, in einem globalen Wettbewerb voellig chancenlos mit den globalen 2% mitzuhalten, die einen IQ ueber 140 haben.

Es gibt keine Mehrheit im Volk fuer die freie Fahrt fuer selbsternannte sog. 'Leistungstraeger' und/oder Bewahrer ererbten Besitzstandes, sondern ein klare Mehrheit dafuer, diese im Sinne der Gesellschaft abzumelken, also die materiellen Resultate der Arbeit so umzuverteilen, dass alle Mitglieder der Gesellschaft ihr Auskommen haben.

Das Einzige, was dabei strittig ist, ist wie das am effektivsten gewaehrleistet werden kann. Indem man ihnen mehr, oder weniger Freiheiten / Entscheidungsspielraum laesst.

Unstrittig scheint mir dabei, dass dies besser geschickt angegangen werden kann, als ungeschickt.

Die Wirtschaftswissenschaften sind eben zu einem guten Teil ein
Glaubenssystem. Das schließt ja nicht aus, dass bestimmte
(Glaubens-)Annahmen eher auf die Realität zutreffen als andere. Einen
versuch wäre es allemal wert.

Keine Frage. Versuche mit minimalem Staat zu wirtschaften gibt es jedoch staendig. Versucht wurde es in den letzten Jahren u.a. in der ehemaligen Sovietunion in grossem Stil, besonders Russland, bis Putin dem ein Ende setzte. Aber auch zb Estland (erfolgreicher) oder Somalia (weniger erfolgreich).

Ohne Politik ging es dabei nirgendwo ab. Der Versuch, den Wirtschaftern mehr Freiheit von Politik zuzusprechen, also Macht weiter zu dezentralisieren bzw zu privatisieren, ist ja selbst Politik, und somit allen Spielregeln der Politik unterworfen.

Die Vorstellung, es sollte ohne Politik regiert werden (also nur privat & einzelwirtschaftlich) teilt sicherlich nur eine verschwindend geringe Minderheit der Bevoelkerung, vermutlich jene, die in diesem Falle die allerhoechste Wahrscheinlichkeit haetten, selber an Einfluss zu gewinnen.

Nicht nur gibt es Wirtschaft, seit es Politik gibt, sondern auch Politik, seit es Wirtschaft gibt.


Dann kehren wir halt zum jetzigen System zurück, wo die Politik für die
dumme Masse entscheidet. Wenn aber die befreite Marktwirtschaft
tatsächlich schafft, was Generationen gut bezahlter Profipolitiker immer
nur versprochen haben, dann ist klar, wer Recht hatte...

Die debitistischen Zwangslaeufigkeiten laufen in beiden Systemen ab und fuehren zum gleichen Resultat. Im staatlichen System hat der Staat die Macht, durch Politik den Tag der Abrechnung hinauszuzoegern, teilweise weiter hinauszuzoegern als ertraeumt. Ein Geldsystem ohne diese Moeglichkeiten kommt zwangslaeufig frueher an seine Grenzen. Spaetestens dann wird das Volk die Politik wieder einladen, die Pleite abzufedern.

Aus dem Samsara gibt es kein Entkommen, solange man wirtschaften will.


Wir haben eine Chance auf Freiheit verdient, finde ich!

Das sei Dir auch unbelassen. Sei Dir nur bewusst, wer 'wir' ist, und wovon die Freiheit sein soll. Eine neue Freiheit bringt oft eine andere Unfreiheit mit sich, wenn auch nicht unbedingt fuer die gleichen Personen.

Gruss,
mp

--
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              • Das ist aber sehr wohlwollend umschrieben...zu den Fragen: - Silke, 14.05.2013, 14:33
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        • Kling wie: „Nicht die organisierte Gewalt ist das Problem, sondern deren Missbrauch“ - Zarathustra, 14.05.2013, 19:57
          • Nicht die Form ist das Problem, sondern der Inhalt - Miesespeter, 15.05.2013, 01:32
            • Der edle Weg aus der Falle - Zarathustra, 15.05.2013, 08:08
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                  • Du suchst Dir auch hier nur das, was Dir passt und ignorierst den Rest - im Übrigen sind es Gautamas Reden - azur, 17.05.2013, 14:31
                    • Vor allem nehme ich den Kern heraus - Zarathustra, 17.05.2013, 16:47
                      • Den Kern - soso. Und den legst Du fest, wie die Richtigkeit von Quellen - Mal zitierst Du Buddha, dann wieder ginge es nicht - azur, 17.05.2013, 17:28
                        • Haß, Ablehnung und das Beenden (bzw. "Enden lassen") - neptun, 18.05.2013, 07:24
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                            • "Konstruktivität" durch Destruktion der Illusion - neptun, 19.05.2013, 09:16
                  • Orgonomie vs. Buddhismus II - Leserzuschrift, 18.05.2013, 21:25
                    • "Kein Tier ist buddhistisch" - ja wie auch? Bin selbst auch kein -ist. Zaras Dilemma: Taugt der Buddhismus für irgendetwas? - azur, 19.05.2013, 04:17
                    • Abermals weitgehende Zustimmung, RogRog - Zarathustra, 19.05.2013, 09:18
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            • Das Bild hatte ich gerade vor Augen - CalBaer, 14.05.2013, 23:22
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                • Oha - CalBaer, 15.05.2013, 01:44
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