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Staat, Kleinstaat, Keinstaat : alles eine Nummer kleiner

Miesespeter @, Montag, 13.05.2013, 19:23 (vor 4792 Tagen) @ Silke
bearbeitet von unbekannt, Montag, 13.05.2013, 19:36

Hallo Silke,

Ich habe es so verstanden "mit einer kontrollierten = haftenden Politik"
besteht auch die Chance auf eine kontrolliertere und haftendere Wirtschaft,
die sich durch Konkurenz selbst kontrolliert.

Eine Logik aus der wirtschaftlichen Klassik, die ich eigentlich nicht mehr fuer kommentierungswuerdig halte. Wer lange genug erfolgreich ist, hat keine Konkurrenz mehr, und kann danach mittels Marktmacht und politischer Macht - fuer die er auch keinen Staat braucht - seinen Markt vollends kontrollieren.

Wer schlecht ist, geht
Bankrott, wer nicht gebraucht wird verschwindet vom Markt oder erscheint
garnicht erst. Alle Subventionen und Reglementierungen weg...das wäre
Markt.

Ja, so waers. Bis zur giftigen Kindermilch. Schon rufen die Chinesen nach dem Staat, damit er die Giftpanscher bestrafe und den Kindermilchmarkt reglementiere.

Mehr oder weniger Wettbewerb, das ist die Frage: Mehr oder weniger Druck auf den Produzenten? Die Abwaegung lautet immer: Liegt der Druck auf den Produzenten (mehr Wettbewerb), oder die Last bei den Konsumenten (weniger Wettbewerb). Da die meisten Menschen sowohl als Produzenten wie auch als Konsumenten auftreten, kann es m.E. keinen 'Endsieg' fuer eine der beiden Positionen geben, sondern nur ein Pendeln zwischen mehr und weniger Wettbewerb.

Mal abgesehen davon, dass der Staat kein Monopol besitzt, 'Geld zu
drucken',

macht er doch als Abgabe-/Gewalt-/Geldmonopolist... ZB ist doch nur
Vehikel. "Drucken" natürlich nicht aber gegen wertlose Sicherheiten
ausreichen. Ist das nicht im Prinzip schon das Gleiche?

'Nur ein Vehikel' denke ich nicht. Es ist eine eigenstaendige Institution, eine Schaltstelle, ein Einflussfaktor. Die Gwschichte des Mittelalters waere auch anders gelaufen ohne die Kirche (auch nur ein Vehikel)

Ausserdem monetarisiert die Notenbank eben nicht nur wertlose Sicherheiten, sondern auch werthaltige, und uebt auch sonst vielerlei Einfluss in der Geldpolitik aus. Das Gesamtbild ist weitaus komplexer (und erheblich widerstandsfaehiger) als simples Gelddrucken.

und beim vermuteteten Sinn dieser Aussage angesetzt, erklaert
Braunschweig also, dass es besser waere (fuer wen? weshalb?) wenn die
Politik ein Instrument weniger in der Hand hielte, um Politik zu
betreiben.

Wie kann man Politik kontrollieren?
Dottore: nehmt ihnen die Macht über das Geld weg...

Wer soll das unternehmen?
Wem nuetzt das?
Wem schadet das?
Wie soll man der Macht die Macht nehmen, ohne selber die Macht zu ergreifen?
Wer kontrolliert die Macht der Privaten?

Was ist schlechter an 'geschickter, verschleierter Umverteilung' als

zb.

an ungeschickter, unverdeckter Umverteilung?

Für mich, dass mir Geld weggenommen wird, um es mir nach Gutdünken teils
wiederzugeben anstatt mich eigenverantwortlich zu gewinnen oder verlieren
zu lassen und den immer größeren Teil davon einfach zu behalten oder
Anderen zu geben, ohne dass ich das will und mitentscheiden kann.

Irgendjemand muss wohl die Menschen ohne Arbeitseinkommen alimentieren, ebenso wie die gemeinschaftlichen Ausgaben (denn gemeinschaftliche Einnahmen gibt es nicht). Mitentscheiden kannst Du natuerlich, im gleichen individuellen Ausmass wie die anderen 80 Millionen Mitentscheider in Deutschland.

Trotzdem ist das fuer Dich einzelwirtschaftlich durchaus richtig und verstaendlich, an den eigenen Vorteil zu denken. Wenn aber alle nur einzelwirtschaftlich denken, und niemand gesamtwirtschaftlich, dann ist es fraglich, ob es gesamtwirtschaftlich noch laufen kann. Das billigste Beispiel: Alle Wirtschaftsteilnehmer sparen jaehrlich 10% ihres Einkommens (weil sie Angst vor Einkommensverlusten haben) im Kopfkissen (weil sie keinen Banken vertrauen). Nach 5 Jahren gibt es keine Wirtschaft mehr. Einzelwirtschaftlich haben alle alles richtig gemacht. Gesamtwirtschaftlich haben sie sich gemeinsam die gesammte Wirtschaft kaputtgespart. Die grosse Hoffnung fuer Zara und die Nichtwirtschaftler.

Woher weiss Braunschweig, welcher Glaube ein Irrtum ist, und noch
interessanter, welcher Glaube implizit kein Irrtum ist?

Zumindest glauben die Menschen das und das ist sehr gefährlich weil damit
Verantwortung/Anerkennung dem Staat, der organisierten Gewalt übergeben
werden und er davon weiter und immer besser existieren kann. Also ist es
doch gut, wenn es angesprochen wird.

Ich kann die Blankoablehnung organisierter Gewalt nicht teilen, denn ihr Gegenteil ist zunaechst einmal nicht die Absenz von jeglicher Gewalt, sondern die Privatisierung organisierter Gewalt. Es faellt mir schwer mich zu entscheiden, lieber einem privaten Mafioten untertan zu sein als einem immerhin ansatzweise rationalen, instutionalisiertem Gewaltsystem.

Staat schafft nicht Wachstum, Vollbeschäftigung, soziale Sicherheit,
Geldwertstabilität und Wohlstand sondern immer das Gegenteil.
Gut wenn es ausgesprochen wird.

Wachstum: Ohne Staat nicht moeglich, wie alles Wirtschaften.
Vollbeschaeftigung: Im Sozialismus herrschte Vollbeschaeftigung
Soziale Sicherheit: Heute erheblich hoeher als vor Einfuehrung staatlicher Sozialgesetzgebung
Geldwertstabilitaet: Was soll das fuer ein Ziel sein? Die Funktion von Geld ist Zahlungsmittel, als solches muss es bestmoeglichst funktionieren, nicht als Wertspeicher. Wer Wert speichern will, soll investieren.

Nehmen wir mal an, die Leute würden sich selber darum kümmern ohne
Dirigismus, Riesentribute und Marktverzerrung in einem Nachtwächterstaat
der mich nicht die Hälfte meines Einkommens kostet und mich überall
nervt. In unserer Gemeinde oder Kreisstadt würde doch kein Krieg
ausbrechen, wenn die Bürger sich hauptsächlich um ihrer Angelegenheiten
selber kümmern würden.

Krieg nicht, aber womoeglich wuerde das Wirtschaften nicht mehr die heutigen hohen materiellen Resultate erzielen, und die Buerger sich mit erheblich WENIGER zufrieden geben muessen. Die Buerger muessten auch mehr Zeit dafuer investieren, sich um ihre gemeinschaftlichen Angelegenheiten zu kuemmern, wenn sie das nicht mehr delegieren.

Was ja auch gut und schoen ist. Aber die ueblichen liberalen Proponenten der Ueberlassung saemtlicher wirtschaftlicher Entscheidungen an einzig einzelwirtschaftlich orientierte Private erwarten sich davon ja nicht weniger, sondern MEHR materiellen Ausstoss, und das auch noch fuer jeden (ausser ehemaligen Beamten) = Wohlstand, Vollbeschaeftigung usw.

Ich halte das fuer sehr fragwuerdig, in jedem Falle fuer nicht wissenschaftlich abgesichert. Wenn soetwas - was bestenfalls Spekulation und Wunschdenken ist - dann als wissenschaftliche Arbeit praesentiert wird, dann muss ich echt lachen.

Braunschweig ist dafür gut etwas auszusprechen, was ich in dieser
Deutlichkeit in MSM vermisse. Infragestellung von Staatsmonopolen.
Schuldfrage erweitern bzw richtiger stellen.

Hast Du die letzten 30 Jahre verschlafen? In dem MSM werden staatliche Monopole permanent in Frage gestellt, vor 30 Jahren gab es noch die staatlichen Monopole auf Informationsversorgung, Wasserversorgung, Bildungsversorgung usw. heute gibt es in den USA nicht mal mehr ein staatliches Monopol auf Gewalt (stattdessen private Armeen, paramilitaerische Milizen). Es gibt naterulich noch immer einen Haufen unsinnige Monopole, die ein wenig Liberalisierung noetig haetten. Aber deswegen muss man ja gleich nicht dem Privatsektor - bzw in der Realitaet vergleichsweise wenigen Einzelwirtschaftlern - das gesamte Feld der Politik ueberlassen wollen?

Das scheint ihnen auch nicht richtig weiterzuhelfen. Ja, es gibt
sogar viele Stimmen, die behaupten gerade umgekehrt, man muesse den
Griechen wieder das nationale Monopol ueber ihre Waehrungspolitik
zurueckgeben, dann ginge es ihnen bald besser.

Weil es doch so viel länger funktionierte. Sie wären längst bankrott
mit eigenem Geld.

Na und? War Argentinien vor 20 Jahren auch. Jetzt sind sie es wieder. Hat das den Buergern da irgendetwas gebracht? Vorher hatte Argentinien mittels Dollar-Peg ueberigends auch das Monopol auf eigene Waehrungspolitik aufgegeben. Resultat: auch Pleite. Es ist fuer den Ablauf einer debitistischen Wirtschaft voellig gleichgueltig, ob es Geldpolitik gibt. Am Ende steht immer die Pleite. Mit all seinen - dann politischen - Folgen. Staaten mit eigener Geldpolitik leben allerdings zwischen den Pleiten laenger, teilweise sehr viel laenger. Dafuer fallen sie eventuell tiefer. Make your choice. Aber man komme doch bitte nicht mit den Kindermaerchen, ohne Notenbank gaebs die Pleite nicht, oder die Depression, oder den politischen Tumult, oder die Gewalt. Gibts alles mit und ohne Notenbank. Ohne faellts halt vermutlich alles eine Nummer kleiner aus, weil das Spiel frueher vorbei ist.

Und nicht eine Nummer groesser und dynamischer, wie die neoliberalen Kirchengaenger sich glauben machen.

Gruss,
mp

--
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          • Vorzüglich! Dem ist nichts hinzuzufügen (oT) [ [ kein Text ] ] - Kleinanleger, 14.05.2013, 16:00
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                      • Den Kern - soso. Und den legst Du fest, wie die Richtigkeit von Quellen - Mal zitierst Du Buddha, dann wieder ginge es nicht - azur, 17.05.2013, 17:28
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                    • "Kein Tier ist buddhistisch" - ja wie auch? Bin selbst auch kein -ist. Zaras Dilemma: Taugt der Buddhismus für irgendetwas? - azur, 19.05.2013, 04:17
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            • Aha - moneymind, 14.05.2013, 23:26
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