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Sehe ich genauso, RogRog

Zarathustra, Freitag, 17.05.2013, 10:33 (vor 4788 Tagen) @ Leserzuschrift
bearbeitet von Zarathustra, Freitag, 17.05.2013, 11:10

Ich möchte das mal eindeutig klarstellen.
Eine Wissenschaft der
Lebensbejahung passt nicht mit einer mystischen Lehre der Lebensverneinung
zusammen.


Sehe ich genauso, weshalb ich ja Deinen Weg dem buddhistischen bei weitem vorziehe. Schopenhauer interpretiert den Buddhismus richtigerweise ebenfalls als lebensverneinend, und gerade deshalb bejaht er selber den Buddhismus. Wer den Palikanon und dessen unendlich oft wiederholten Kernsatz verinnerlicht, bei dem das Dasein als ein zu überwindender Kreislauf des Lebens (der Wiedergeburten) dargestellt wird, der weiss einfach, dass es darüber überhaupt keinen Zweifel geben kann und das (buddhistische) Hauptziel darin besteht, der Hölle des Daseins zu entkommen.

«Vier Dinge sind es, heilig wahr: 
Und sieht man die nicht wirklich ein, 
Die lange Laufbahn kreist man um, 
Geburten um Geburten hin. 

«Jetzt also sind sie recht erkannt: 
Die Daseinsader ist versiegt, 
Des Leidens Wurzel abgesägt, 
Und nicht mehr gibt es Wiedersein.» 

Will heissen: Erst wer erkennt, entkommt dem Dasein, indem er durch Erkennen des Leidens Wurzel (also des Daseins Wurzel, welches leidvoll ist) absägt. Durch Erkennen sägt er also seinen eigenen Lebenskreislauf ab. Von buddhistischen Pfaffen (Meister!) und Exegeten ist meist genau so viel zu lernen wie von den christlichen, nämlich nichts oder noch weniger. Azur will uns hier ständig einen lebensbejahenden Buddhismus andrehen. Ein Witz.

Was also die buddhistischen Schriften betrifft, so ist völlig klar, dass sie lebensverneinend sind.
Nun wurden die buddhistischen Schriften jedoch genauso wenig von Gautama verfasst, wie die biblischen von Jesus. Die 'Lehrreden' wurden (in 'überlieferter' Form) von Pfaffen und Lakaien der organisierten Gewalt (Kirche und Staat) zu Papier gebracht, folglich ganz bestimmt verfälscht, und dies ist der Grund, weshalb sich einige Forscher der Thematik auf andere Weise anzunähern versuchen; zum Beispiel Gerhard Bott. Auf der Grundlage verschiedener Indizien vermutet er in Gautama im Kontext der damaligen Zeit, als man ebenfalls längst der Herrschaft (der Organisierten Gewalt) ausgeliefert war (zivilisiert war), einen Revolutionär gegen das Establishment, der die organisierte Gewalt gegen, und die Unterwerfung/Unterjochung (Yoga) von Mensch und Vieh(!) anprangerte. Er geht davon aus, dass erst die Pfaffenschaft Gautamas Buddhismus zu dem gemacht hat, was er in den Schriften ist: eine widernatürliche Daseins-Anleitung für lebensmüde, maskuline Mönche, die nichts gescheiteres zu tun haben, wobei die Herrschaften sie feigerweise bereits als Kinder dorthin schicken. Ein Verbrechen der übelsten Art.

Ich persönlich bin zwar genauso wie Schopenhauer der Meinung, dass ein Nicht-Sein dem Sein vorzuziehen ist, weil tausend Wonnen eine einzige Qual nicht aufheben können (Petrarca). Eine Welt, bestehend aus Gefolterten und Beglückten, ist sinnlos.
Aber:
ich halte den Versuch, dieses Dasein als Almosenempfänger intellektuell und spirituell wegphilosophieren zu wollen, für mehr als ein fragwürdiges Unterfangen. Die Natur ist wie sie ist, und unsere natürlichen Bedürfnisse können wir (letztlich) nur dadurch zum Verschwinden bringen, indem wir sie auf natürliche Weise ausleben. Deshalb ist Dein Weg der edle Weg.

Was Zara daraus macht, ist seine Sache, aber, wie man
sieht, verwirrt das verwirrte Menschen.

Ja, offensichtlich, vor allem jene, die tatsächlich glauben, die buddhistische Schrift sei eine lebensbejahende.

Gruß,
RogRog


Grüsse, Zara

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