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"Kein Tier ist buddhistisch" - ja wie auch? Bin selbst auch kein -ist. Zaras Dilemma: Taugt der Buddhismus für irgendetwas?

azur @, Sonntag, 19.05.2013, 04:17 (vor 4787 Tagen) @ Leserzuschrift
bearbeitet von unbekannt, Sonntag, 19.05.2013, 11:14

Hallo RogRog,

das Schönste ist Dein plötzlicher Satz am Ende: "Kein Tier ist buddhistisch"

Tiere sind auch nicht sozialistisch oder hinduistisch.

Bekanntlich haben Tiere aber als 'fühlende Wesen' im Buddhismus einen ganz besonderen Stellenwert.

Bekannt sind die Szenen in http://de.wikipedia.org/wiki/Sieben_Jahre_in_Tibet , in der bei Bauarbeiten sogar Insekten vorsichtig zur Seite gebracht werden.

Bekanntlich ist für nicht wenige Buddhisten der Vegatarismus folgerichtig und sogar vielfach obligat. Stellenweise dürfen nicht einmal Eier aufgeschlagen werden.

Die ausgiebigen Diskussionen alter Quellen sind im Netz einfach zu finden.

Der Buddhismus besteht aber ebenfalls nicht nur aus alten Quellen, sondern hat Träger und Praktizierende, wie bei dem Wissen von W. Reich.

http://de.wikipedia.org/wiki/Drei_Juwelen

Im http://de.wikipedia.org/wiki/Theravada ist bei Sangha die gesamte Gemeinschaft gemeint.

Diesen stehe ich sehr nahe, aber ich bin keinerlei -ist mehr.

Immerhin habe ich die Texte über zehn Jahr intensiv studiert und vielfach praktiziert (hauptsächlich bei Theravada, aber auch ZEN und tibetisch). Daher kann ich auch erkennen, ob jemand in etwa bescheid weiß. Denn das Wissensystem der Buddhisten ist genau - nicht umsonst sehen sie sich bekanntlich nicht als Religion.

Man sollte neben den alten Texten auch ruhig in neue Aufsätze schauen. Z. B. in http://www.buddhismus-aktuell.de/ Dort kann man nach z. B. Leben suchen. Dort findet man Lebensfreude, achtbar Leben usw., aber keine Ablehnung von Lebendigen oder dem Leben an sich.

Lebensfreude ist für Buddhisten zentral.

"Als der Buddha gefragt wurde, worin die Freude des Lebens bestünde, antwortete er: "In der Dankbarkeit. Seid dankbar, wenn Ihr Euch setzt, denn Ihr könnt Euch setzen. Seid dankbar, wenn Ihr Euch schlafen legt, denn Ihr könnt Euch schlafen legen. Seid dankbar, wenn Ihr aufwacht, denn Ihr könnt aufwachen. Seid dankbar, wenn Ihr atmet, denn Ihr könnt atmen." - "Aber wie soll man seinen Dank ausdrücken?" - "Indem Ihr Euch an allem was Ihr tut, erfreut."
(Aus: "Vom Glück der Lebensfreude" ars-edition ISBN 3-7607-1915-5 Autorin: Chao-Hsiu Chen)

Es ist durchaus gut zu erkennen, dass sich alle Menschen mit sehr ähnluchen Mitteln sehr ähnliche Problem durchdenken und beschreiben.

Wie eben Orgon, Prana, Äther, Qui oder Chi Gleiches beschreibt.

Man muss nicht Buddhist sein. Das ist ein Weg zur Erkenntnis. Ein Weg - in mehrfachem Sinne.

Das Folgende stimmt so nicht:


Für den buddhistischen Ethiker ist Leben = Leid.

Für den orgonomischen Studenten ist Leben = Pulsation.

Pulsation beinhaltet Freud und Leid, charakterisiert durch eine hin- und
herpendelnde Bewegung: Expansion und Kontraktion. Lunge, Herz,
Darmperistaltik, Genitalien usw., der Organismus als Ganzes, Einzeller,
Vielzeller, Pflanzen usf. pulsieren.

Auch für den Buddhisten bedeutet Leben nicht nur Leid, sondern immer auch leidvolles.

Im Buddhismus werden die Lebensprozesse aber nicht anders beschrieben, als du es hier tust.


Der Buddhist argumentiert also von einem ethischen, der orgonomische
Student von einem biologischen Standpunkt aus.

Das ist einfach falsch.

Siehe bitte hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Skandha

Im Buddhismus werden natürliche Prozesse gründlichst beschrieben.

Und zwar in uralten Quellen.


Verblendung, Gier und Hass, die drei Grundübel, die das Leben aus
buddhistisch-ethischer Perspektive so leidvoll machen, sind biologische
Kernfunktionen aus orgonomischer Perspektive. Verblendung, moha, bedeutet
"verwirrt sein", im Sinne von "verblendeter Liebe", aber auch Bindung an
etwas bzw. verhaftet sein = Liebe. Gier, lobha, bedeutet "Verlangen nach
etwas" = Sehnsucht zum Objekt der Befriedigung. Hass, dvesha = die aktive,
biologische Reaktion auf das, was der Befriedigung im Wege steht.

Alles, was das Leben im Kern ausmacht, lehnt der Buddhist demnach ab.

Ach was. Dies ist lediglich eine verkürzte Ansicht.

Wie die tollen Storys, wonach die ZEN ihrer Schüler mit Stöcken verprügeln:
http://www.zensite.de/zd/kyosaku

Auch dort wird missinterpretiert. Der Schlag in die Beuge ist angenehm und wird nicht brutal verübt, sondern ist wie ein heilender Klaps bei Shiatzu oder in den Kampfkünsten.

Er
lehnt es ab ein pulsierendes Stück Natur zu sein,

Nein, er lehnt diesen Zustand eben nicht ab.

Es mag ja schwer zu verstehen sein, aber es ist gewiss nicht so.

Wie ein Schmetterling nicht sein Raupendasein ablehnt.

er will diesen für ihn
unerträglichen Zustand überwinden.

Er ist für Buddhisten oft weit besser zu ertragen, als für andere. Durch Einsicht, Einordnen können, Verstehen und einer Lebenspraxis, die ihn vor Komplkationen, wie Verstrickungen, schützen kann.

Das kann keine Lehre vollständig, denn das Leben ist für alle schicksalhaft und voll Problemen.

Ein Buddhistischer Abt (Devananda aus Ceylon) sagte mir dazu: Probleme wären wie Steine im Fluss und Bäume an dessen Ufern, seine Windungen und abwechselungen - ohne diese wäre es kein schöner Fluss.

Der Buddhist erträgt keine
Bewegung, er verneint das Leben.

Wie kann man nur so etwas glauben?

Buddhisten verneinen nicht das Leben und auch nicht Bewegung als Ausdruck des Lebens (Gehmeditation und Kampfkunstübungen sind doch keine Kasteiung).

Achtsamkeit ist ein so hohes Gut. Wahrnehmen. Lebensfreude. Dazu gehört alles in der Natur, auch in Bewegung (was führt nur zu diesen reichlich abwegigen Verkürzungen?).

Und: Alles Lebendige ist bekanntlich im Buddhismus heilig. Wie soll da das Leben verneint werden?

Es klingt immer wie eine Suizid-Religion. *Kopfschüttel*.

Windstille.

Siehe das Gleichnis zum Fluss.


Er ersetzt genitale Liebe mit perverser Sexualität und Mitgefühl.

Nein, das ist eben auch nicht richtig.

Sexualität soll, wie alles über die Sinne gehende, mit Bedacht betrieben werden.

Aber Buddhismus ist keinesfalls sexualitätsfeindlich.

Mitgefühl hat er für alles und jeden, auch den SS-Totenkopfverband, der
in Ausschwitz sein Unwesen trieb.

Mitgefühl dennoch immer richtig. Es vereinfach Verstehen.

Mitgefühl und Verstehen wollen, sind nicht nur dem Buddhismus eigen.

Viele Kenner von W. Reich sind auch noch in andern Wissen unterwegs. Sie finden überall die gleichen Konditionen auf der Welt beschrieben.

Alles ist auf einer Ebene, denn der
Buddhist regt sich nicht über weltliche Dinge auf. Er empfindet keine Wut.

Das ist so auch nicht richtig. Er besteht gerad für Anfänger das Problem, dass alles als so beruhigend empfunden wird. Aber Gelassenheit soll ja nicht emotionslos machen. Sondern man kann mit Abstand und Gelassenheit Emotioen und deren Gründe kennen lernen.

Zur perversen Sexualität ist alles in meinem Link, den keiner meiner
Kommentatoren gelesen hat, gesagt.

Buddhisten, diese Perversen! [[freude]] [[ironie]] [[freude]]

Die Haltungen und Praktiken sind
ausnahmslos gegen Genitalität gerichtet: ab mit der Energie in den Kopf
(Bodhichitta) und bloß weg vom Genital. Windstille.

Und als nächstes auf zum Taoismus, wo es auch entsprechende Praktiken gibt...

Es geht aber um Bewusstsein von Lebensernergien. In den buddhistischen Praktizieren wird jedes Chakra angesprochen und einbezogen. Menschen sind demnach immer eine Gesamtheit.

Buddhismus ist unmittelbar mit Tantra verbunden, in dem es bekanntlich genau darum geht (eine Inkarnation des Dalai Lama soll sich sehr viel damit beschäfftigt haben):

http://de.wikipedia.org/wiki/Tantra


Der Buddhist ersetzt im Bauch zentrierte Emotion mit verkopfter Sensation
und ätzender Sentimentalität.

Da verstehst Du einfach viel zu wenig.

Ist so schlicht unrichtig erfasst.

Warum hältst Du mich für authentisch und
die Buddhisten für lebensfern? Eben weil es so ist: Ich spreche wenig von
Liebe, aber wenn, dann meine ich es ernst. Der Buddhist schwurbelt die
ganze Zeit von "bedingungsloser Liebe", von "vielen lieben und freundlichen
Grüßen", von "Mitgefühl" und "Mitleid" ohne einen Hauch von
persönlicher Anteilnahme. Er trägt seine "Liebe" zur Schau, er liebt
alles und jeden, hält alles und jeden für vollkommen, hasst nichts und
niemanden. In Wahrheit sind das alles leere Worthülsen, wie seine ganze
Welt leer und hülsenhaft ist, da sich beim Buddhisten überhaupt nichts
regt. Windstille.

Oh Mann - das glaubst Du.

Ja, er meidet Hass und sucht Harmonie. Aber Menschliches ist in nichts fremd.


Er ersetzt Erregung mit Wahrnehmung.

Im Buddhismus sind Erregungen genau beschrieben.

Durch die meditativen Praktiken, in
denen alle körperlichen Impulse in "Achtsamkeit" umgewandelt werden,

Achtsamkeit ist doch vor allem nur Aufmerksamkeit. Und das ist keine verkopfte Sache.

Wenn Kämpfer immer nachdenken würden, würden sie unterliegen.

Da es eine der wichtigesten Übungen ist, frei von Gedanken zu sein, ohne Denken wahrzunehmen, und nicht nur im Kopf zu konstatieren, stimmt auch dieser Deiner Gedanken leider wieder nicht.

sein Leben ein einzigartiger Headtrip.

Siehe eben. Das ist so absolut falsch.

Es wird dort immer von Herzverstand gesprochen. Dem "Head" wird ja nicht nur von Buddhisten als Hort von Illusionen einen eingeschränkter Stellenwert zugewiesen.

Es geht ihm permanent um Erkennen,
Wissen, Weisheit, Kopf, Kopf, Kopf.

Erkennen, Wissen und Weisheit auch - ja,

Kopf, Kopf, Kopf - ganz bestimmt nein.

Viel wichtiger ist gut zu leben. Denn unsere Handlungen haben Folgen.

Ein guter Buddhist lebt auf eine gute Weise. Er muss beileibe kein Mastermind sein.

Wenn z. B. Zens den Blick auf den Boden richten, um sich nicht abzulenken, dann doch nicht, um so zu sein, wie es in Deinem Zitat beschrieben wird. Leerheitsübungen kennt ja nicht zufälligerweise nicht nur der Buddhismus.

Fazit: Leider nur Vorurteile.

Überwiegend falsche Annahmen und Schlüsse.

Während ich zwar schon vor 20 Jahren (und immer wieder) in Reichs Aufsätzen und vielen über ihn, schmökerte und mehrmals z. B. im Ströme Institut (http://www.stroeme.de/) war, weil es auch dort zu lernen gibt; viele kenne, die sich mit Orgon/Reich beschäfftigen, ohne auch nur ansatzweise zu Deinen Schlüssen zu kommen, urteilen Du und Zara aber aus ziemlicher Unkenntnis.

Buddhisten, die voll Lebensfreude sind: Das könne ja gar nicht sein.

Es gibt weit weniger "vs.", als Du hier glauben machen willst.

Viele freundliche Grüße

azur


PS: im Dilema steckt nun Zara. Taugt der Buddhismus zu irgendetwas, außer abgelehnt zu werden? Also z. B. noch als Beleg, dass das Leben abzulehnen sei?

Es ist wie mit den buddhistischen Quellen. Einerseits werden sie benutzt, andererseits seien diese alle Fälschungen.

Man hat es aber auch nicht leicht [[freude]].

(Äußere mich zum Buddhismus nur, weil ich hierzu lange viel studiert habe. Wie auch andere Lehren, zu dessen Themen. Wenn etwas imho unzutreffend ist, kann man ja versuchen, es zu erklären. Das würde ich so bei Dingen nicht versuchen: Da gibt es zu vielen Themen Erfahrenere.)

--
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                    • Man kann alles mögliche üben - Der Anfang ist das Verstehen von Bedingungslosigkeit - Übung macht bekanntlich oft den Meister - azur, 17.05.2013, 14:56
                • Sehe ich genauso, RogRog - Zarathustra, 17.05.2013, 10:33
                  • Du suchst Dir auch hier nur das, was Dir passt und ignorierst den Rest - im Übrigen sind es Gautamas Reden - azur, 17.05.2013, 14:31
                    • Vor allem nehme ich den Kern heraus - Zarathustra, 17.05.2013, 16:47
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                          • Du hast mich nicht ertappt - es war nur ein Versuch, mittels einer anderen Ebene verständlich zu sein - azur, 18.05.2013, 10:45
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                    • "Kein Tier ist buddhistisch" - ja wie auch? Bin selbst auch kein -ist. Zaras Dilemma: Taugt der Buddhismus für irgendetwas? - azur, 19.05.2013, 04:17
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                • Oha - CalBaer, 15.05.2013, 01:44
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