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Free Banking hat eine lange Geschichte voller Booms und Busts

Miesespeter @, Mittwoch, 15.05.2013, 00:37 (vor 4791 Tagen) @ Newbigin
bearbeitet von unbekannt, Mittwoch, 15.05.2013, 01:05

Der sogenannte politische Wettbewerb ist in den meisten der sogenannten
Demokratien eine Farce - in meinen Augen zumindest. Einmal alle x Jahre
irgendwo ein oder zwei Kreuzchen zu machen, hat nur marginal etwas mit
wirksamer Kontrolle zu tun.

Zunaechst einmal ist festzustellen, dass eine solche Einzelmeinung wenig aussagt, ich habe schon in einem anderen Beitrag die Behauptung aufgestellt, dass die Mehrheit das vermutlich anders sieht, und in der Demokratie kommt es nun mal auf die Mehrheit an.

Wer mehr Kontrolle ausueben will, kann das in der Demokratie uebrigends recht problemlos tun, und sich selbst an der Gestaltung der Politik beteiligen.

Dagegen funktioniert der marktliche Wettbewerb
viel besser: Er findet andauernd satt, alle Menschen sind immer einbezogen,

Stimmt so nicht: Im Marktwettbewerb koennen nur die waehlen, welche kaufkraeftige Nachfrage in den Markt bringen, das sind nicht 'alle Menschen'. Auch haben nicht alle die gleiche Anzahl von Stimmen, einige sind also ueberdurchschnittlich einbezogen, andere unterdurchschnittlich bis gar nicht. Fast wie in der Demokratie, moechte man anmuten....

keine "Meinungsäußerung" (Kaufentscheidung) geht "verloren", die
Konsequenzen für die Betreffenden sind viel rascher und deutlicher zu
spüren, Verantwortlichkeiten sind wesentlich klarer zugeordnet.

Nur wenn man implizit von dem Extrem ausgeht, dass Kaeufer (also kaufwillige Inhaber von Geld) legitimerweise die Macht ueber Produzenten ausueben sollen und nicht zb.umgekehrt. Das ist bereits ein Axiom, das von Liberalen meist unhinterfragt vorausgesetzt wird. Ich bezweifele allerdings, dass es fuer diese 'Alleinherrschaft der Kaufkraeftigen' eine legitmierende Mehrheit gibt.


Funktionieren bedeutet für mich: a) Das Geldsystem ist möglichst gerecht
- also vor allem möglichst transparent und nicht mit Zwang behaftet und in
zweiter Linie möglichst verteilungsneutral.

Verstehe ich leider nicht. Was ist ein verteilungsneutrales Geldsystem?
Auch kann ich nicht erkennen, wo das heutige Geldsystem intransparent waere, alle Fakten sind ordentlich in Bilanzen verzeichnet, welche der Oeffentlichkeit zugaenglich gemacht werden.

b) Das Geldsystem ist

ökonomisch effizient - es führt also zu einer möglichst guten
Allokation, also Verteilung der Produktivfaktoren.

Geld und Kapital fliesst zu den am meisten Leistenden mit der Folge, dass nacch lang genuegender Zeit immer einige Wenige saemtliche Ressourcen besitzen. Nach Deinem Anspruch muesste also das Geldsystem dem entgegenwirken koennen? WIe sollte das am besten geschehen?

Das gegenwärtige staatlich erzwungene Zentralbank-Kreditgeldsystem ist
vielleicht nicht das schlechteste, das sich denken lässt - aber es
ungerecht und es muss früher oder später zu massiven wirtschaftlichen -
und dann meist auch politischen - Verwerfungen kommen, wegen der durch die
Kreditflut entstehenden Boom-Bust-Zyklen.

Die gab es auch vor dem Zentralbank-Kreditgeldsystem zuhauf. Als Reaktion darauf wurden ja Zentralbanken erst geschaffen, um durch die Existenz eines Lenders of last resort das Phaenomen des 'Bust' abzufedern.

Ist das so? Wäre in einem Free-Banking-System ohne staatliches Zwangsgeld
die Verschuldungsproblematik nicht wesentlich entschärft, da
Zahlungsausfälle viel schneller und in viel keineren Dimension, qasi
effizient verteilt, stattfinden würden. Es gäbe ja gar keinen
Aufschuldungszwang.

Wieso gaebe es keinen Aufschuldungszwang? Moneymind hat hier wunderbar rausgearbeitet, wodurch der Aufschuldungszwang entsteht: dass naemlich 'über den Fälligkeitstermin eines Kredits hinaus von Dritten gespart wird'. Und ob das geschieht oder geschehen kann, ist m.E. ganz unabhaengig von der Existenz einer Zentralbank.

Eine Zentralbank kann jedoch helfen, eine ins Stocken geratene Fristentransformation aufrechtzuerhalten: indem sie zb. in diesem Fall genuegend Liquiditaet/Zahlungsmittel/Nachfrage in den Markt gibt, um die durch das über den Fälligkeitstermin aufrechterhaltene Sparen entstandene Unterzirkulation von Zahlungsmitteln auszugleichen und so den Kreditnehmern trotzdem die Rueckzahlung der Kredite zu ermoeglichen.

Insofern wuerde es ohne Zentralbanken vermutlich zu haeufigeren Boom und Busts mit vermutlich niedrigerer Amplitude kommen, dabei wuerde ich eine allgemein geringere Wirtschaftstaetigkeit aufgrund niedrigerer Vorfinanzierungsmoeglichkeiten erwarten, und damit einhergehend auch eine geringere Mobilitaet/Durchlaessigkeit der Gesellschaft. Sozusagen eine Raiffeisen-Gesellschaft. Insgesamt also genau das Gegenteil von dem, was sich die meisten Befuerworter von free banking von der Abschaffung von Zentralbanken versprechen.

Gruss,
mp

PS: Kleiner Zusatz zum Free Banking: Ist es nicht bemerkenswert, dass ueberall dort, wo Free Banking in der Vergangenheit praktiziert wurde, man sich fuer die Einfuehrung von Zentralbanken entschied?

--
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                    • Vor allem nehme ich den Kern heraus - Zarathustra, 17.05.2013, 16:47
                      • Den Kern - soso. Und den legst Du fest, wie die Richtigkeit von Quellen - Mal zitierst Du Buddha, dann wieder ginge es nicht - azur, 17.05.2013, 17:28
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                  • Orgonomie vs. Buddhismus II - Leserzuschrift, 18.05.2013, 21:25
                    • "Kein Tier ist buddhistisch" - ja wie auch? Bin selbst auch kein -ist. Zaras Dilemma: Taugt der Buddhismus für irgendetwas? - azur, 19.05.2013, 04:17
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          • "Zentralbanken handeln antizyklisch" - Zarathustra, 14.05.2013, 22:51
            • Das Bild hatte ich gerade vor Augen - CalBaer, 14.05.2013, 23:22
              • Aha - moneymind, 14.05.2013, 23:41
                • Oha - CalBaer, 15.05.2013, 01:44
                  • So ist es - die Interventionen sind prozyklisch - Schumpetersche Bereinigungen sind antizyklisch (oT) [ [ kein Text ] ] - Zarathustra, 15.05.2013, 07:43
            • Aha - moneymind, 14.05.2013, 23:26
              • Ich bitte um sinnvolle Betreffzeilen, danke. (oT) [ [ kein Text ] ] - Moderator, 15.05.2013, 13:58
              • Besteht wirklich ein Zweifel daran, dass Greenspan die Aktien und die Immo-Blase - Morpheus, 16.05.2013, 22:40
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